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Konstanz Wegen Wohnungsnot: Konstanzer Ex-OB bringt Begrenzung der Wohnfläche pro Person ins Spiel

Der frühere Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank bringt eine Begrenzung der Wohnfläche pro Person ins Spiel. Besucher forderten bei einer Veranstaltung überdies, Investoren gezielt abzuschrecken. Das fanden selbst bei der Freien Grünen Liste nicht alle gut.

Der frühere Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank stellte beim offenen grünen Dialog-Forum das Konstanzer Mietpreis-Problem so dar: Demnach liege der durchschnittliche Quadratmeterpreis für die Kaltmiete bei frei finanzierten Wohnungen bei 12,17 Euro, der bei der Wohungsbaugesellschaft Konstanz (Wobak) bei 6,40 Euro. Von den insgesamt 43 000 Wohnungen in der Stadt gehörten aber nur 3800 Wohnungen zur Wobak, und wiederum nur ein Teil davon zähle zu den gebundenen Sozialwohnungen. Mit dieser Zahlenreihe eröffnete Frank die neue Debattenreihe der Freien Grünen Liste (FGL) vor rund 25 Besuchern. Dieses Mal ging es um Chancengleichheit auf dem Konstanzer Wohnungsmarkt, um Immobileinspekulanten als Preistreiber und um die Frage, wie Konstanz überhaupt noch an günstige Wohnungen kommen kann.
 

Ex-OB Horst Frank (Zweiter von links) bei einer Diskussion der Freien Grünen Liste.
Ex-OB Horst Frank (Zweiter von links) bei einer Diskussion der Freien Grünen Liste.

Für Frank ist klar: Eine Begrenzung des Zuzugs und ein Verzicht auf weitere Bauten würde das Angebot so verknappen, dass dies die Wohnpreise erst recht in den Himmel schießen ließe. Er schlug als Preisdämpfer das Bauen in die Höhe und mit vorgefertigten Modulen vor. Er regte weiter Wohnungen mit flexiblen Grundrissen an, die sich etwa in zwei Einheiten teilen lassen, wenn sich die Bedürfnisse der Bewohner geändert haben. Er brachte auch eine mögliche Begrenzung der Wohnraumgrößen ins Spiel. Dies könnte auch ein Weg sein, kostengünstiges Wohnen zu ermöglichen. Darüber könne man diskutieren, sagte der ehemalige OB.

Dem schloss sich FGL-Stadtrat Normen Küttner an. Er bedauerte rückblickend, dass die Stadt das Siemens-Gelände nicht erwerben konnte. "Es wäre die beste Lösung gewesen." Doch die Räte machten nun über die Bauplanung klare Vorgaben, und versuchten, Dichte-Fehler wie beim Quartier am Bahnhof Petershausen zu vermeiden. Den im Handlungsprogramm anvisierten Bau von 5300 Wohnungen bis zum Jahr 2030 hält Küttner für unzureichend, um all die Menschen unterzubringen, die nach Konstanz ziehen. Die FGL-Fraktion im Gemeinderat wolle außerdem nochmals eine Debatte anstoßen, ob es angemessen sei, nur ein Sechstel der Bauten als Sozialwohnungen zu erstellen. Dies stieß auf breite Zustimmung im Saal. Der als Gast erschienene Bundestagskandidat der Linken, Simon Pschorr, bedankte sich bei der FGL für diesen Vorstoß. FGL-Stadträtin Dorothée Jacobs-Krahnen sieht stätdische Betriebe in der Pflicht, weitere Betriebswohnungen zu errichten.
 

Der Zähringer Hof ist Vorzeigeprojekt für den Bau günstiger Wohnungen. Die FGL-Fraktion stößt nun eine Debatte darüber an, ob auch in anderen Baugebieten der Anteil geförderter Wohnungen über dem anvisierten Sechstel liegen muss.
Der Zähringer Hof ist Vorzeigeprojekt für den Bau günstiger Wohnungen. Die FGL-Fraktion stößt nun eine Debatte darüber an, ob auch in anderen Baugebieten der Anteil geförderter Wohnungen über dem anvisierten Sechstel liegen muss. | Bild: Oliver Hanser

Architekt Gebhard Strasser wies darauf hin, dass die Stadt mit der Bauleitplanung ein starkes Instrument in der Hand habe. Sie könne die Geschosse und Dichte festschreiben. Im Falle des Verkaufs des Siemens-Geländes sei erstaunlich, dass der Investor mit den 28 Millionen Euro einen hohen Preis bezahlt habe, obwohl die bauplanerischen Vorgaben noch gar nicht feststehen. Der Architekt betrachtet auch den Gesetzgeber als Preistreiber. Vorschriften und Auflagen verteuerten das Bauen. Es müssten vielfach Experten für einzelne Fragen hinzugezogen werden.

Aus dem Publikum kamen Forderungen, Immobilien-Investoren künftig gezielt abzuschrecken, was allerdings nicht alle im Saal als gute Lösung betrachten würden. Es kam auch die Frage auf, ob die HTWG und die Universität immer weiter wachsen dürften oder ob man ihnen nicht Grenzen setzen müsse. Karl-Ulrich Schaible vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte: "Die Stadt muss Geld in die Hand nehmen. Sobald ein Investor im Spiel ist, ist es mit dem günstigen Wohnen vorbei." Wenn Lutz Krause auf das Handlungsprogramm Wohnen blickt, dann hat er den Eindruck: "Es müsste Handlungsprogramm Kapitaloptimierung heißen." Eine Bürgerin bedauerte, dass die Stadt keine Wohnangebote für Menschen habe, die dem Studentenalter entwachsen sind, aber dennoch gern in einer Wohngemeinschaft leben wollten. Franz-Josef Stiele-Werdermann forderte das verdichtete Bauen auch im Gewerbebereich. Er plädierte dafür, auf dem Siemens-Areal bestehende Bauten zu Wohnraum umzunutzen. Die Weiternutzung könnte in manchen Fällen kostengünstiger sein als der Neubau.

Dialog-Forum

Die Freie Grüne Liste hat eine monatliche Debattenreihe über Themen gestartet, die Bürger der Stadt bewegen. Nächstes Mal will sie über das Gesundheitssystem sprechen. Es sei geplant, auch andere Fraktionen zum Austausch an den Tisch zu holen, sagt Karin Göttlich vom Vorstand der FGL. Das offene grüne Dialog-Forum solle ein Ort des parteiübergreifenden Austauschs sein. In der ersten Veranstaltung war es um die mögliche rot-rot-grüne Koalition im Bund gegangen. (rin)

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