Annette Schavan (55), Bundesministerin für Bildung und Forschung. Die CDU-Politikerin ist Schirmherrin der Ausstellung „Entdeckungen 2011: Gesundheit” auf der Insel Mainau.
Frau Schavan, wie sollen sich Verbraucher angesichts der Vielfalt an Angeboten zur Gesundheit noch zurechtfinden?
Im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung gibt es eine Menge Möglichkeiten, sich zu informieren. Dazu gehört die Ausstellung auf der Mainau. Sie zeigt eine große Auswahl an Themen und Projekten, an denen unsere Forscher gerade arbeiten.
Wie orientieren Sie sich selbst?
Ich habe als Forschungsministerin die Chance, in den Instituten, in den Kliniken viel über die Arbeit von Forschern zu erfahren. Natürlich sind das auch Projekte, die noch nach Antworten auf offene Fragen suchen.
Wenn Sie selbst gesundheitliche Probleme haben, gehen Sie zum Arzt oder suchen Sie selbst nach Lösungen?
Wenn ich gesundheitliche Probleme habe, gehe ich zum Arzt. Das rate ich auch den Bürgern.
Die Ausstellung wird mitveranstaltet von der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen. Was soll Ihrer Meinung nach Forschung in Zukunft leisten?
Forschung für die Zukunft muss derzeit vor allem zwei große Fragen beantworten. Erstens: Wie schaffen wir es, klüger mit Energie umzugehen? Das zweite große Thema ist die Gesundheit. In einer Gesellschaft des langen Lebens haben wir es mit großen Herausforderungen zu tun, etwa der Zunahme der Volkskrankheiten, verbunden mit der Frage, wie wir bessere Vorsorgemöglichkeiten schaffen.
Die unübersichtliche Kostenentwicklung auf dem Gesundheitssektor verunsichert viele Menschen. Wie kann die Bundesregierung zu mehr Klarheit beitragen?
Gesundheitsforschung und Gesundheitssysteme stehen in vielen Beziehungen zueinander. Nehmen Sie das große Thema Prävention. Viele Kosten entstehen, weil Vorsorge nicht getroffen wurde. Deshalb untersucht das neue Forschungsprogramm der Bundesregierung unter anderem auch, wie können wir es schaffen, dass mehr Bürger die Angebote zur Prävention annehmen.
Denken Sie an Zwänge in Form von Kosten, wenn nicht regelmäßig Vorsorge getroffen wird?
Das ist ein schwieriges Thema. Die Frage, was auf fehlende Prävention zurückzuführen ist und was nicht, ist nicht leicht zu beantworten. Deshalb will das Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung Einblick geben in das, was an Forschung stattfindet, was an Ergebnissen schon da ist, es will aufklären und informieren. Man spürt ja, dass in der jungen Generation Fitness cool ist. Es muss deutlich werden: Gesundheit ist nicht nur eine Frage des Gesundheitssystems, sondern immer auch eine Frage der persönlichen Einstellung.
Die Ausstellung wendet sich schwerpunktmäßig auch an Schulen. Wollen Sie es den Ländern überlassen, wie sie das Thema in die Lehrpläne integrieren?
Ich möchte das der einzelnen Schule überlassen. Schulentwicklung heißt heute, dass neben dem, was in allen Schulen stattfindet, jede Einrichtung ihre Schwerpunkte setzt. Ich weiß, dass Schulen ein großes Interesse an Bildungsmöglichkeiten haben, die wir außerhalb ihrer Angebote offerieren.
Die Fragen stellte
Waltraud Schwarz
