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Konstanz Von Segelfliegern und Kamelen

Im Sommer feiert der Flugplatz Konstanz runden Geburtstag: Seit 100 Jahren besteht er dann. Anlässlich dieses Ereignisses wird an ein bewegtes Jahrhundert erinnert.

Die Konstanzer Segelflieger hatten nach dem Krieg kräftige Unterstützung. Kamele zogen ihre Flugzeuge aus dem Hangar.
Die Konstanzer Segelflieger hatten nach dem Krieg kräftige Unterstützung. Kamele zogen ihre Flugzeuge aus dem Hangar. | Bild: Archiv Stadelhofer

In 100 Jahren kann viel passieren: Das ist beim Konstanzer Flugplatz nicht anders. Im Juni soll es ein großes Fest anlässlich des runden Geburtstages geben und auch dann wird wieder an Ernst Schlegel erinnert. Er war der Pionier, der die Luftfahrt in Konstanz und weit darüber hinaus vorangetrieben hat. Doch auch abseits der großen Ereignisse hat sich einiges ereignet – teils sehr skurrile Dinge, woran Berndt Stadelhofer von Ultraleichtflug Konstanz erinnert:

Der Zweite Weltkrieg fand sein Ende und Konstanz bekam als Folge französische Besatzungstruppen, die den Hangar des Konstanzer Flugplatzes konfiszierten und als Garage für ihre Fahrzeuge nutzten. Schlechte Zeiten brachen für die Konstanzer Segelflieger heran. Heimat- und hangarlos suchten sie nach einer geeigneten Halle für ihre Flugzeuge.

An der Nordseite des Flugplatzes, etwa dort, wo heute die Gebäude des SÜDKURIERS stehen, befand sich damals eine große Bretterbude, die als Schafstall genutzt wurde. Den Segelfliegern wurde erlaubt, ihre Flugzeuge dort einzustellen, was diese zunächst positiv sahen, wäre da nicht ein kleiner Wermutstropfen gewesen: In dem Verschlag hatten zwei Kamele und drei afrikanische Springböcke ihr Domizil. Die Jahre zuvor hatte der Schafstall einem Wanderzirkus als Winterquartier gedient. Und weil die Zeiten genauso mager wie die Zirkusleute selbst waren, hatten sich die Artisten in alle Winde verflüchtigt und die Tiere einfach zurückgelassen.

Die Konstanzer Verwaltung, damals offensichtlich schon aufs Sparen bedacht, überließ den Segelfliegern nicht nur den Schafstall, sondern auch die Verpflichtung zur Fütterung und Pflege der Tiere. Sieht man davon ab, dass die Springböcke bei ihren Sprüngen öfter in der Bespannung der Flugzeugtragflächen landeten, was die Aerodynamik nicht wirklich förderte, lebten die Segelflieger in friedlicher Koexistenz mit den Tieren.

Eines der Kamele hatte eine besondere Vorliebe für Schweizer Schokolade entwickelt, weshalb es einen entsprechenden Namen erhielt: Chocolat. Aber da Schokolade damals rar und teuer war, wurde dem Kamel nahegelegt, sich seine Leckerbissen künftig als Zugtier selbst zu verdienen. Die Piloten legten ihm ein Brustgeschirr an, mit dem es die Segelflugzeuge vom Hangar zum Start zog. So konnten die Konstanzer Flieger nicht nur stolz darauf sein, auf einem der ältesten, sondern auch der artenreichsten Flugplätze Deutschlands zu starten. Das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Zwar sieht man auf dem Flugplatz keine Kamele mehr, dafür ist er aber Heimat von Hasen, Füchsen, Störchen und unzähligem Kleintieren.

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