Konstanz Von Eifersucht, Macht und Liebe: Humboldt-Schüler kreieren eigenes Shakespeare-Theaterstück

Die Theater AG am Humboldt probt ein eigenes Stück, bestehend aus Elementen von vier Shakespeare-Tragödien. Hilfe bietet dabei der Theaterpädagoge Denis Ponomarenko. Ab24. Mai gibt es drei Aufführungen.

William Shakespeare ist ratlos. Wie soll es mit seiner Geschichte bloß weitergehen? Da bewegt sich der schwarze Vorhang, von allen Seiten schauen Köpfe hervor. Es sind Shakespeares Figuren. Erst flüstern sie, reden dann immer lauter auf ihn ein, umzingeln ihren Erschaffer. Sie alle, von Hamlet bis Othello, von Lady Macbeth bis Romeo, haben ihre eigene Idee, wie das Stück fortgesetzt werden könnte.

Theaterpädagoge Denis Ponomarenko ist zufrieden, aber noch nicht ganz. Er schaut sich den Probelauf in der Aula des Humboldt-Gymnasiums an und sagt: "Mehr Ausdruck im Gesicht, Carsten! Und wo ist dein Hut, Amina?" Ponomarenko arbeitet zum ersten Mal mit der Theater AG des Humboldt-Gymnasiums zusammen und ist beeindruckt: "Das ist eine sehr eingespielte und unkomplizierte Gruppe. Deshalb habe ich mich getraut, anspruchsvollen Stoff als Grundlage zu nehmen." Er wählte vier Shakespeare-Tragödien aus und ließ die Schüler daraus ein eigenes Stück erschaffen.

Die 13-jährige Sophie Bemetz erklärt: "Wir zeigen den Dichter Shakespeare in seinen unterschiedlichen Lebensabschnitten, wie er aus eigenen Erfahrungen heraus seine Stücke schreibt." Das ist aber noch nicht alles: Wie bei einer Collage wechseln sich die klassischen Szenen aus Shakespeares Texten mit selbst erdachten Momentaufnahmen ab, die die Realität heutiger Jugendlicher wiederspiegeln. In diesen aktuellen Szenen geht es um Hausaufgaben, das Kennenlernen zweier Teenager oder den Neuzugang eines Schülers. Was simpel klingt, hat tiefergehende Grundlagen: "Die Schüler orientierten sich bei ihren erfundenen Passagen an den vier Originaldramen", erklärt Rainer Jülg, Leiter der Humboldt-Theater-AG.

"Bei Hamlet geht es um die Sinnfrage, bei Romeo und Julia um die große Liebe, bei Othello um Eifersucht und bei Macbeth um Macht."

Das Grobgerüst steht, nun arbeiten die jungen Darsteller am Feinschliff. "Die Übergänge sitzen noch nicht ganz, und auch das schnelle Umziehen müssen wir noch üben", sagt die 16-jährige Theresa Grimm, die eine Hexe und Hamlets Mutter verkörpert. Ansonsten genießen die Acht- bis Zwölftklässler das gemeinsame Spielen. Zoë Heier, 14 Jahre, gefällt es besonders gut, wie die Gruppe im Lauf des Schuljahres noch enger zusammenwuchs. Für den 16-jährigen Karl-Magnus Kaspar ist es ein Glücksmoment, wenn er die Zuschauer zum Lachen bringen kann, und die 14-jährige Lea Bauer nutzt die Erfahrungen auf der Bühne, um aus sich herauszukommen. Adam Lédr, 18 Jahre, spielt aus dem gegenteiligen Grund Theater: "Ich bin eine extrovertierte Persönlichkeit und möchte einen Ausgleich zum anstrengenden Schulalltag haben." Adam zeigt am Ende einen sehr emotionalen Tanz, dessen Choreografie er sich selbst ausgedacht hat.

Für Rainer Jülg ist die Zusammenarbeit mit Denis Ponomarenko ein Glücksfall: "Ich möchte jedes Jahr etwas ganz Neues erarbeiten und benötige Hilfe von externen Profis", sagt er. Über den Theaterpädagogen kam die Gruppe außerdem an tolle Kostüme des Stadttheaters. Auch der Profi selbst ist begeistert: "Schüler haben zwar nicht dieselben handwerklichen Fähigkeiten wie gelernte Schauspieler, aber wenn man es schafft, ihre Energie freizusetzen, entsteht Unglaubliches."

Die Aufführungen

Die Theater AG des Humboldt-Gymnasiums führt die Eigenproduktion "Elements of Shakespeare" am Mittwoch, 24. Mai, Freitag, 26. Mai, und Samstag, 27. Mai, je 19.30 Uhr, in der Aula der Schule auf. Karten für fünf, drei und zwei Euro sind im Schulsekretariat erhältlich. (kis)

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