KonstanzVom Menschenbild und Maultaschen [2]
Auch wenn es vielen nicht passt: Die Debatte um Kündigung bei der Spitalstiftung wegen einiger mitgenommener Maultaschen geht weiter. Bürgerliche und Verwaltung drängen das Thema an die Stammtische und verhindern eine politische Aufarbeitung. Für OB Horst Frank ist die Sache gegessen. Für seinen Dezernenten Claus Boldt auch. Reiner Weichler, der Chef der Spitalstiftung, hat sich von vornherein lieber nicht geäußert. Mit dem Maultaschen-Fall will man im offiziellen Konstanz nichts mehr zu tun haben. Überregional waren die Medien auf die Geschichte einer Frau eingestiegen, die von einer Organisation mit erklärtem Zweck Barmherzigkeit wegen einiger Maultaschen im Wert von wenigen Euro gefeuert wurde. Doch im Gemeinderat, der zugleich das oberste Aufsichtsgremium über die Spitalstiftung ist, sollte nicht mehr darüber geredet werden. Ob sich das nochmals ändert, ist angesichts eines Schweigekartells in Verwaltungsspitze und bürgerlichem Lager ungewiss. Doch ein in mancher Hinsicht ähnlich gelagerter Fall aus Hannover spült das Thema erneut an die Oberfläche – und in die, weil es manche Leute eben so wollen, außerparlamentarische Diskussion. Der Ton ist dabei scharf geworden. Kein Wunder, weil die Caritas in Hannover im Gegensatz zur Spitalstiftung in Konstanz sensibel reagierte. Als angesichts einer zu Unrecht verzehrten Teewurst und der nachfolgenden Kündigung erneut ein medialer Sturm loszubrechen drohte, hat der katholische Arbeitgeber in Niedersachsen die Kündigung zurückgezogen. Einen Mitarbeiter wegen einer Teewurst hinauszuwerfen, entspreche nicht dem „christlichen Menschenbild.“ Für die SPD im Konstanzer Gemeinderat – und nicht nur sie – eine Steilvorlage. In einer Presseerklärung fragen die Sozialdemokraten unverblümt, wie es eigentlich mit dem Menschenbild bei den Konstanzer Christdemokraten so aussieht. Deren Fraktionsvorsitzender Alexander Fecker, Katholik und ehemaliger Ministrant, hatte erklärt, das Thema habe in öffentlicher Gemeinderatssitzung nichts verloren und – erfolgreich – die Streichung von der Tagesordnung beantragt. Auch Konstanz sollte ein zweiter Maultaschen-Fall erspart bleiben, das finden auch nicht wenige Stadträte aus dem bürgerlichen Lager. Wie man hört, gab es durchaus Sympathien für einen Antrag von SPD-Stadträtin und Arbeitsrechtlerin Hanna Binder, die ähnlich wie im Strafrecht eine Bagatellgrenze für Kündigungen einführen wollte. Der OB hat sich vom Regierungspräsidium zwar bestätigen lassen, dass der Rat für derlei gar nicht zuständig sei. Und ein Dokument für die Stadträte wurde wohlweislich nicht „Vorlage“, sondern „Unterrichtung“ überschrieben. Über seine Rechtsauffassung zur Zuständigkeit hätte Frank aber sogar diskutieren lassen – doch Fecker nahm ihm die Bürde dann recht freundlich ab. So bleibt das Politikum Maultaschen ein Fall für die Parteien, für den Schwatz auf der Straße und für die Stammtische sowieso. Und für die Gerichte, denn die geschasste Altenpflegerin geht, zur Verwunderung vieler Beobachter, in die zweite Instanz. Die Medienaufmerksamkeit dürfte ihr gewiss sein. Und es wird nicht lange dauern, bis auch eine Presserklärung mit der Handschrift von Claus Boldt überregional ihre Runden machen dürfte. Darin steht sinngemäß, die Frau sei gar nicht wegen der Maultaschen entlassen worden, sondern weil sie keine gute Arbeit gemacht und sich einiges zuschulden kommen lassen habe. Das fanden auch Leute in der C-Fraktion verwunderlich. Sie überließen es aber dem Linke-Stadtrat Holger Reile, öffentlich zu äußern, dass hier eine bereits maximal abgestrafte Frau nun völlig demontiert werde. Auch dazu hat sich Claus Boldt nicht erklärt. Für ihn ist die Sache ja auch gegessen. Jörg-Peter Rau
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Ja hinter Kirchenmauern -so sehe ich das jetzt- ist es ja auch einfach sich als Christ zu bekennen... aber draussen da sieht die Sache schon ganz anders aus.
Ich kann sie nicht mehr ertragen- die Konstanzer Christdemokraten, da wird Menschlichkeit mit Füßen getreten, über solch einen lapidaren Fall spricht man nicht, was geht uns diese Altenpflegerin an, was interessiert es uns, daß sie 17 Jahre im Dienst am älteren Menschen tätig war und jetzt ohne alles da steht- das ist doch kein Thema für die Tagesordnung... geht uns nichts an...aus!...Amen!
Erschreckend was unter dem Namen "Christen" alles möglich ist.
Da kann ich nur noch sagen: "mich erbarmt des Volkes"
Traurig an der Geschichte ist doch nur, dass man heute Mitarbeiter, die schlecht leisten, nicht mehr loskriegt - und dadurch leistungswillige Fachkräfte auf der Strasse stehen.
Und dann kann es eben sein, dass ein Arbeitgeber auch die kleinste Chance nutzt, jemanden zu kündigen - so wie hier geschehen. Ich erinnere: Da gab es z.B. einen Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz, ...!
Oh weh - jetzt wird gleich wieder das große Sozialgetöse losgehen. Die notorisch blauäugigen Gutmenschen werden über mich herfallen. Ich freu mich drauf.
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