Wegen Verdachts auf Vogelgrippe-Erreger wurden gestern Morgen am Güterbahnhof in Singen vom Zoll Dutzende Kartons sichergestellt, die aus China stammten und stark mit Vogelkot verschmutzt waren. Bei den aktuell kalten Temperaturen kann sich darin der Erreger der Seuche mühelos lange halten. Die Kartons fielen den Zöllnern bei einer Routinekontrolle auf.
Singen/Radolfzell - Das Netz der Kontrollen in Sachen Vogelgrippe wird im Landkreis Konstanz immer enger gezogen. Erst vor einer Woche entdeckten Polizei, Zoll und Veterinäramt auf der Autobahn bei Engen rund 100 Kilogramm illegal eingeführtes Geflügelfleisch aus Rumänien. Da dort die Vogelgrippe ausgebrochen ist, stehen Geflügelprodukte aus Rumänien auf der Einfuhr-Verbotsliste.
Gestern nun der nächste Verdachtsfall auf Vogelgrippe: Beamte des Zollamts Güterbahnhof in Singen bemerkten bei einer Warensendung verdächtigen Vogelkot auf zahlreichen Kartons. Herkunftsland: China. Da dort die Vogelgrippe stark grassiert, schrillten bei den Beamten gleich die Alarmglocken: "Wir haben sofort das Veterinäramt Radolfzell informiert", sagte gestern Robert Helfrich vom Singener Hauptzollamt. In Fällen wie diesem, mit verdächtig wirkender Ware, würden die Kontrolleure immer umgehend eingeschaltet. "Lieber einmal zuviel als zu wenig", sagt Helfrich.
Die Veterinäre schauten sich gestern die Kartons mit dem Vogelkot genauer an. Es seien 33 Stück gewesen, berichtete Jörg Hauser als zuständiger Veterinär gegenüber unserer Redaktion. Zahlreiche Kartons, in denen Bettlaken verpackt waren, seien stark mit Vogelkot beschmutzt gewesen.
Welche Gefahr ging von diesen Kartons aus? "Das ist nicht zweifelsfrei zu sagen", betont Veterinär Jörg Hauser. Doch die Gefahr sei nicht zu unterschätzen. Kot gelte ganz klar als möglicher Übertragungsweg für die Tierseuche. Und der Erreger der tödlichen Vogelgrippe könne sich bei eisigen Temperaturen auch im Vogelkot bestens halten, weiß Hauser. "Der Erreger wird geradezu konserviert, wenn es so kühl ist. Er stirbt bei Minusgraden nicht ab, sondern schlummert nur", sagt der Veterinär. Wie lange sich das Virus im Kot von Vögeln halte, sei allerdings wissenschaftlich noch nicht eindeutig festgestellt. Die Kartons wurden unschädlich gemacht, der Kot nicht näher untersucht. Ob Menschen Kontakt mit ihm hatten, blieb gestern zunächst unklar.