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20.12.2006  .

Vier Tenöre - aber instrumental

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Gewalttätig sind sie sicher nicht - das Englisch-Wörterbuch ließe diese Übersetzung zu - aber heftig schon: die drei Suso-Schüler Bogdan Chis, Stefan Frehland, Clemens Rengier und der Hecker-Schüler (Radolfzell) Manuel Schweizer, die sich vor einem Jahr als "ViolentCelli" zusammengefunden hatten und jetzt zum zweiten Celloquartettkonzert antraten.

In eiskalter altkatholischer Christus-Barockkirche und wohltemperierter Litzelstetter Auferstehungskirche setzten sie ihren Debut-Erfolg vor wohlgefüllten Räumen fort, und sie haben schon jetzt ein unverwechselbares klangliches Outfit: Sie spielen eigene Bearbeitungen oder Eigenkompositionen, haben keinerlei Berührungsängste mit alter Musik oder Beethoven; im Gegenteil: dessen markiges Hauptthema der 5. Sinfonie erschließt sich in ihrer Bearbeitung tatsächlich zunächst so, als habe der alte Meister noch daran weitergetüftelt, bis sie den musikkabarettistischen Kern freilegen, und dann spielen sie herrlich frech symphonisch, setzen übergangslos das Siegesthema des 4. Satzes, ins hellere D-Dur versetzt, drauf.

Man kann sich beim Hören ihres Zusammenspiels vorstellen, wie aufregend es in den Proben zugehen mag, wenn Arrangeur Clemens Rengier seinen neuen Piazolla ("Libertango"), neue Beatles-Arrangements und Evanescence-Popstücke vorlegt, oder sie Joplins Honkytonk-Klavier in Cellotöne umsetzen. Das alles ist originell, und es ist mit weit gediehener Musikalität und Spieltechnik gemacht.

Als würden ihre originellen Ideen nicht ausreichen, spielen sie auch barocke Originale: Corettes "Le Phénix" eröffnete sauber gearbeitet, beherzt gegriffen, und als zeitlicher Gegenpol rissen Titel von "Apocalyptica" mit, die sie besonders faszinierend im Schillern zwischen aggressiven Rhythmen und Ballade bringen.

Aber das war immer noch nicht alles: zu Original und Adaption kam ja noch die Eigenkomposition "ViolentCelli", wo Rengier sich mit der Musikgeschichte auseinandersetzt und in vier Sätzen - fast schon einer Symphonie - ein stilechtes Mozart-Haydn-Menuett schreibt, polyphonen "Erkennungsstil" mit chromatischen Tönen und Doppelthema kontrapunktisch verzahnt, die englische Hymne verändert, Schostakowitschs slawischen Walzer aufspielen lässt und mitten im amerikanischen Westen landet. Wie sie ihre tenoralen Instrumente klangvoll beherrschen, ihre Solopartien sozial verteilen, ihre Tonskalen bis in höchste Flageolettlagen ausreizen: das kann man als hervorragend bezeichnen, oder in viel plastischerer Jugendsprache: abartig!

Manche Titel dieses Konzerts hatten sie schon im Sommerkonzert gebracht, andere waren neu: Sie arbeiten an sich und am Repertoire, und der Applaus schien zu sagen: weitermachen, weiter vorwagen! Zugaben gab's durchaus nicht gleich für ein paar Klatschbewegungen: Das Publikum musste schon auch verstärkt die Füße einsetzen.

Reinhard Müller

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