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Konstanz Versöhnliche Töne beim Sommfest

27.07.2011
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Juden aus ganz Baden haben ihr Sommerfest in Konstanz gefeiert. Dabei wurde die Hoffnung auf einen baldigen Baubeginn für die Synagoge laut.

Konstanz – Land, Kreis und Stadt freuen sich auf die neue Synagoge und hoffen, dass in Konstanz reiches jüdisches Leben herrscht: Das ist die Botschaft, das vom ersten Sommerfest der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Baden ausgeht. Ganz bewusst hatte die IRG an den letzten Rand ihres Gebiets nach Konstanz eingeladen: Hier soll das nächste Gotteshaus gebaut werden, hier besteht nach Jahren einer teils unversöhnlichen Debatte die Chance auf einen Neuanfang. Und tatsächlich waren Spitzenvertreter aller Konfliktparteien im Festsaal des Inselhotels und erfreuten sich gemeinsam an mitreißender Klezmermusik.

Peter Friedrich, SPD-Landesminister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, zeigte sich glücklich über den Aufschwung des jüdischen Lebens in Baden und versprach Hilfe bei der Klärung, wie es mit den Gräbern der 1940 nach Südfrankreich verschleppten Juden weitergehen soll. Vize-Landtagspräsident Wolfgang Drexler (SPD) bekräftigte: „Das Land steht hinter der Synagoge.“ Das Verhältnis zwischen Christen und Juden sei mit dem Begriff „zu versöhnende Verschiedenheit“ treffend umschrieben, so Drexler weiter. Es gelte, die Unterschiede abzubauen und gegen Antisemitismus einzutreten – ob der Judenhass nun im feinen Zwirn oder anonym im Internet daherkomme.

Landrat Frank Hämmerle erinnerte an das Zusammenleben von Juden und Christen in Randegg, Gailingen und anderen Dörfern des Landkreises. Wenn nun in Konstanz eine neue Synagoge gebaut werde – Pläne waren beim Sommerfest öffentlich zu sehen –, möge diese zu einem offenen Ort der Begegnung werden. Oberbürgermeister Horst Frank erinnerte ebenfalls an die „Schande“ der Judenpogrome und des NS-Regimes. Jetzt gebe es wieder jüdisches Leben in der Stadt, und auch mit Blick auf die Ereignisse in Norwegen schloss der OB mit den Worten: „Die Menschlichkeit wird triumphieren.“

Wolfgang Fuhl, Vorsitzender des Oberrats der IRG Baden, bekräftigte den Wunsch der badischen Juden, die Gesellschaft mitzugestalten und sich einzubringen. Er bezog sich auf Zentralrats-Präsident Dieter Graumann, der gefordert hatte, die Juden müssten „raus aus der Meckerecke“. In Baden sei man schon lange so weit, bekräftigte Fuhl. Die Juden im Südwesten lebten „im freiesten Deutschland, das es je gegeben hat“ und nähmen dies auch als Verpflichtung wahr.

Bekannt wurde beim Sommerfest, dass die beiden jüdischen Gemeinden in Konstanz verschmolzen werden sollen. Für den 18. September sind Neuwahlen eines gemeinsamen Gemeindevorstands vorgesehen. Damit versucht der Oberrat die seit Jahren bestehende Kluft zu schließen, gibt damit aber auch die von der IRG gegründete eigene Jüdische Gemeinde Konstanz auf. Zugleich können die Fusionsbemühungen auch als eine weitgehende Anerkennung der zeitweise unter Zwangsverwaltung gestellten Israelitischen Kultusgemeinde gewertet werden. Von beiden Gemeinden waren die Vorsitzenden – Minia Joneck und Peter Stiefel – jedenfalls beim Fest dabei, auch die zeitweise eher ausgegrenzten Brüder Gideon und Benjamin Nissenbaum waren von der IRG eingeladen. Ob sie sich künftig wieder im Oberrat engagieren wollen, blieb offen.

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