Die Universität Konstanz steht mitten in einem Großumzug. Um die mit Asbest belastete Bibliothek für die Sanierung frei zu machen, muss sie 1,5 Millionen Bücher in ein Zwischenlager bringen. In eine Großhalle im Konstanzer Industriegebiet ziehen täglich 20 000 Bände.
– Im Erdgeschoss füllen sich die Metallregale, im Obergeschoss kreischen die Akku-Schrauber. Handwerker sind dabei, dort weitere Regale aufzubauen. Mobile Träger teilen die zehn Meter hohe Halle im Konstanzer Industriegebiet in zwei Etagen. Unten sieht es schon nach Bibliothek aus, oben noch eher nach Baustelle und in einer Nebenhalle ist kaum zu ahnen, dass auch sie bald dicht gefüllt mit Büchern sein wird. Zu sehen sind nur Pakete mit den Metallteilen für die Regale und die Treppe, die einmal in die noch nicht eingezogene zweite Ebene führen wird. Wenn alles aufgebaut ist, stehen auf rund 8000 Quadratmetern 30 Kilometer Regale. Die Universität Konstanz steht mitten im Großumzug. Sie ist dabei, 1,5 Millionen Bände aus den mit Asbest belasteten Teilen der Universität in eine Halle im Konstanzer Industriegebiet zu bringen.
Täglich kommen 500 laufende Meter Bücher in die Halle oder bis zu 20 000 Bücher. Bis Ende März soll der Umzug abgeschlossen sein. Ab April rechnet die Universität damit, in den ersten Teilen der Bibliothek auch das Inventar wie Möbel oder Teppiche entfernen zu können. Dann soll die Großsanierung folgen. Hinter einem Windschutzvorhang aus breiten Gummistreifen fährt im Industriegebiet der Lastwagen ein, der täglich bis zu vier Mal Bücherwagen vom Campus holt. Jeder ist gefüllt mit rund 150 Bänden, die Spezialkräfte an der Universitätsbibliothek von Asbest fasern befreit haben. Die Bücher kommen meterweise nach Signatur. Mitarbeiter der Bibliothek haben lange vor dem Transport festgelegt, wo sie im Zwischenlager stehen sollen.
Im Hintergrund arbeiten Computer, die verzeichnen, wo sich gerade welches Buch befindet. Bis zu 20 000 Bücher werden jeden Tag vom Standort Bibliothek ausgebucht und im neuen Zwischenlager eingebucht. 200 000 Bücher sind seit dem 30. Januar dort angekommen.
Thomas Kagels von der auf Büchertransporte spezialisierten Firma Kühne räumt sie ein. Armweise nimmt er die Bücher aus dem Bücherwagen und stellt sie ins Regal. Er muss aufpassen, dass er sich beim Einstellen nicht in der Regalnummer irrt. Die Halle ist beheizt, ein besonderes Raumklima für die Bücher aber bietet sie nicht. Dies sei nicht notwendig, sagt Universitätssprecherin Julia Wandt. Bücherraritäten würden nicht ins Zwischenlager umziehen und die Alltagsliteratur sei „hart im Nehmen.“ Wenn sie ausgeliehen seien, würden sie schließlich auch überall mit hingenommen, etwa an den Strand, auf die Skihütte und manchmal sogar in die Badewanne.
Trotz Großumzugs: Der Nutzer der Bibliothek soll von all dem wenig merken. Wer aktuell ein Buch bestellt, soll es innerhalb weniger Stunden in der Hand halten, sagt Wandt. Während die Universität noch mitten im Umzug ist, plant sie schon an der Neugestaltung der sanierten Bibliothek.