Konstanz -
Die Badegäste des Rheinstrandbads in Konstanz haben sie in ihr Herz geschlossen. Eine exotische Gelbwangen-Schmuckschildkröte sitzt dort jeden Tag auf ihrem Lieblingsplatz. Nachdem ihr Floß gestohlen wurde, hat sie jetzt ein neues.
Franz-Josef Stiele-Werdermann (links) und Werner Schlotter haben die Plattform für die beliebte Schildkröte im Konstanzer Rheinstrandbad fest verankert. Nun kann nichts mehr passieren.
Bild: Hanser
Rheini fühlt sich wohl auf seinem Floß. Den Namen haben Badegäste und Personal der Schildkröte vom Seerhein gegeben.
Franz-Josef Stiele-Werdermann (links) und Werner Schlotter haben die Plattform für die beliebte Schildkröte im Konstanzer Rheinstrandbad fest verankert.
Bild: Hanser
Es muss ein Glückstag für die exotische Schildkröte im Rheinstrandbad gewesen sein. Die Sonnenanbeterin hatte sich immer einen wackeligen Platz im Seerhein ausgesucht: Seit Monaten kletterte sie mit viel Mühe auf einen der Begrenzungsstämme im Seerhein. Da der Holzstamm meistens im Wasser schwankt, war es nicht leicht, hochzukraxeln. Werner Schlotter und seine Tochter wollten dem Tier daher helfen. Also bastelten sie ein kleines Floß mit treppenartiger Einstiegshilfe. „Nach drei Tagen saß sie schon oben“, berichtet er.
Badegäste und Personal nennen das Tier nur Rheini, da es im Seerhein lebt. Die Schildkröte hat dort jetzt einen Logenplatz. Schwupp – ganz schnell ist sie auf der kleinen Plattform. In Ruhe kann sie den Kopf mit den auffallenden Wangenstreifen in die Sonne strecken.
Der „Neubau“ auf dem Wasser war allerdings mit viel Ärger verbunden. Denn dieser Fall von großer Tierliebe hat einen traurigen Aspekt. Werner Schlotter und seine Tochter hatten schon vor einigen Tagen eine Plattform in den Seerhein gesetzt. Unbekannte haben sie aber wenig später mitgenommen. Werner Schlotter hat sich sehr darüber geärgert. Ihm sei erzählt worden, nachts gebe es unerlaubt immer wieder Partys auf dem Gelände. Doch er ließ sich etwas einfallen: Das zweite Floß hat er stabil mit Ketten verankert. Zusammen mit Franz-Josef Stiele-Werdermann hat der Konstanzer Künstler das Floß festgemacht. Er hofft nun auf Ruhe im kleinen Schildkröten-Paradies. Vielleicht müsse die Stadt mit Bewegungsmeldern oder Schweinwerfern nachts das Gelände sichern. Er hoffe zudem, dass Nachbarn und Badegäste auf das neue Domizil achten. Bisher hält die Sicherung jedenfalls. Rheini fühle sich auf dem Floß offensichtlich sehr wohl, berichtet eine Mitarbeiterin des Bads.
Die exotische Schildkröte wurde erstmals im Sommer 2010 im beliebten Rheinstrandbad entdeckt. Alle waren damals gespannt, ob sie nach dem Winter wieder auftaucht. Und vergangenes Jahr war sie tatsächlich den ganzen Sommer über auf dem Holzstamm zu beobachten. Jetzt hat sie sogar den jüngsten, sehr strengen Winter überstanden. Darüber sind Personal und Badegäste froh. „Alle freuen sich über die Schildkröte, Kinder und Erwachsene“, sagt die Mitarbeiterin.
Schwimmmeister Andreas Weh ist ebenfalls begeistert von seinem vierbeinigen Stammgast. Er hat schon viel erlebt in seiner langen Zeit im Rheinstrandbad, Enten oder Reiher sind oft Besucher. Doch eine exotische Schildkröte hat es zuvor noch nie gegeben. So haben alle Rheini in ihr Herz geschlossen. Sie bleibt aber ein wildes Tier: Die Schildkröte sonnt sich gerne auf dem Floß, doch sobald man in ihre Nähe kommt, taucht sie ins kühle Nass. Nach wenigen Minuten streckt sie das Köpfchen wieder aus dem Wasser, um die Lage zu erkunden. Ist die Luft rein, klettert das Panzertier auf die Sonnenterrasse und genießt den Bodensee in vollen Zügen und ohne lästige Verpflichtungen. Da denkt sich wohl mancher Badegast: Schildkröte müsste man sein.