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Konstanz Umweltgruppen kritisieren kommunale Klimapolitik

Die Gruppierungen fordern eine zügigere Verringerung der CO2-Emissionen. Komme man in der Erreichung der Klimaziele nicht voran, sei vor allem die Generation der Kinder und Jugendlichen die leidtragende, sagt Felix Müller, der sich in mehreren Organisationen engagiert.

Die Stadträte haben in der letzten Gemeinderatssitzung in diesem Jahr für das neue Klimaschutzkonzept der Stadt gestimmt. Was die Stadträte mehrheitlich überzeugt hat, überzeugt allerdings nicht bei alle. Felix Müller, freier Architekt und in verschiedenen Gruppen zum Thema Nachhaltigkeit engagiert, übte in der Bürgerfragestunde Kritik.

Die wichtigste Botschaft: Die zivilgesellschaftlichen Gruppen, zu denen unter anderem Greenpeace Bodensee, Klimastadt Konstanz, Energievisionen und Naturschule Konstanz zählen, begrüßten zwar die Bemühungen der Stadt Konstanz, mit einem Klimaschutzkonzept die globale Erderwärmung zu begrenzen, jedoch gehe dieser Prozess nicht schnell genug. Die Pariser Beschlüsse sehen eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius vor.

Das kommunale Klimaschutzkonzept sieht eine Reduktion der CO2-Emissionen in Konstanz bis 2030 von 6,4 Tonnen auf drei Tonnen pro Einwohner vor. Das sei viel zu langsam, stellt Felix Müller im Gespräch mit dem SÜDKURIER dar. Schon das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimagipfels sei ein Ziel, das von der Annahme ausgehe, dass es irgendwann technisch möglich sein werde, Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen. "Für eine solche Technik gibt es aber noch keine Anhaltspunkte", erläutert Müller. Wann der Punkt erreicht sei, an dem ein menschliches Leben auf der Erde nicht mehr möglich sei, wisse heute niemand. Junge Leute hätten ein erhebliches Interesse daran, dass es so weit nicht komme und die Klimaschutzziele rasch erreicht würden.

Einige Maßnahmen schlägt Felix Müller vor: Beispielsweise müsste man in Konstanz in den nächsten drei Jahren 50 Prozent der alten Heizungspumpen erneuern. Das Tübinger Modell sehe vor, dass die Stadtwerke jeweils beim Ablesen des Stroms in Privathaushalten dem Bürger anbieten, einen alten Kühlschrank oder eine Heizungspumpe durch neue Geräte zu ersetzen. Der Privathaushalt müsse das neue Gerät nicht bezahlen, sondern bleibe zunächst bei seinem alten Stromtarif. Das neue Gerät werde von den Stadtwerken gestellt und finanziere sich über den sparsameren Stromverbrauch.

Zweitens müsse man bei bei Neubauten darauf achten, nicht nur energiesparende Häuser zu bauen, sondern jene Energie zu begrenzen, die bei der Herstellung verbraucht werde. Das gelinge am besten, wenn man auf regenerative Materialien setze: Holz statt Beton und Cellulose als Dämmstoff.

Eine zentrale Forderung der Umweltgruppen: Das Klimaschutzprogramm müsse vom Oberbürgermeister mit klarer Priorität behandelt werden. "Wenn es nur auf Verwaltungsebene ernst genommen wird, funktioniert es nicht." Müller und seine Mitstreiter wollen, dass die Gesellschaft eingebunden werde, idealerweise über einen Klimabeirat. Mitglieder des Beirats sollten Wissenschaftler, Nichtregierungsorganisationen und Bürger sein. Über den Beauftragten für Bürgerbeteiligung Martin Schröpel könne man Vereine animieren, Veranstaltungen zu Nachhaltigkeit zu unterstützen. "Es muss ein großes gemeinsames Ziel sein."


Zum Klimaschutzkonzept

  • Ziele: 2000-Watt-Gesellschaft, also eine schrittweise Absenkung der CO2-Emissionen pro Kopf; zunehmender Ersatz der fossilen Energiequellen durch regenerative.
  • Maßnahmen: Ein Energienutzungsplan soll zeigen, in welchen Quartieren verstärkt regenerative Energien eingesetzt werden können. Quartierskonzepte werden entwickelt, um Eigentümer zu animieren, ihre Häuser zu sanieren. Das Handlungsprogramm Rad soll forciert werden. Um das Klimaprogramm voranzubringen, wird ein Klimaschutzmanager eingestellt. 

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