Dass das Auto vor allem in Deutschland einen besonderen Stellenwert genießt, wurde beim Auftakt der Oldtimer-Rallye Mille Fiori einmal mehr unter Beweis gestellt. 50 Teilnehmerteams aus vier Nationen warteten dort auf das Startsignal von Gräfin Bettina Bernadotte für die Tour nach Meran (Südtirol) und zurück. Die sorgsam restaurierten Liebhabermodelle und teuren Prestigeobjekte wurden allesamt vor der stilvollen Kulisse des Schlossplatzes drapiert und begeisterten die Schaulustigen.
Mille Fiori 2008
Der 80-Jährige Gerd Schäfer hat bereits einige Modelle entdeckt, die er von früher kennt: "Die sind schon gefahren, als wir noch jung waren und von solchen Autos nur geträumt haben", sagt Schäfer. "Ich habe mein Traumauto bereits entdeckt!", fügt seine Begleiterin Ursula Brexel hinzu und deutet auf einen cremefarbenen Mercedes. "Gut, dass die Schlüssel nicht stecken!", sagt der Niederländer Ricardo Ouwerkeikg, der sich schon in einige der Fahrzeuge verliebt hat. Bei der viertägigen Rallye handelt es sich laut Hilmar Wörnle, Geschäftsführer des Stadtmarketings, passend zum diesjährigen Mainauer Motto "Mythos Garten" um eine so genannte "Mystery Tour", zu Deutsch etwa Geheimnisreise. Dazu wurde den Teilnehmern vor Beginn der Tour in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Konstanz ein Mord vorgespielt. Der Mörder ist unter den Teilnehmern und muss von diesen während der Tour durch verschiedene Aufgaben und Hinweise überführt werden.
Als geübte Rallyefahrer kennen Heidrun und Carlo Karrenbauer diesen Ablauf bereits. Mit ihrem 68er Triumph Splitfire waren die beiden mit Kappe und Brille ausgerüsteten Konstanzer Auktionare bereits im Vorjahr bei der ersten Mille Fiori Tour mit von der Partie. Um selbst am Auto herumzuschrauben, fehlt dem Ehepaar laut eigener Aussage die nötige Sachkenntnis. Da vor allem die englischen Autos dieser im besonderen Maße bedürfen, überlassen sie die Restauration lieber dem Fachmann. Ihr zweites Auto, ein Jaguar, musste leider zu Hause bleiben, da er das Oldtimer-Mindestalter von 30 Jahren noch nicht erreicht hat.
Mit zwei selbst restaurierten Autos, einem Mercedes 220 Cabrio SEB und einem glänzend polierten Speed Triumph nimmt Achim Laibach an der Rallye Teil. Der 38-Jährige Fahrzeugmechaniker entdeckte seine Auto- und Bastelleidenschaft als Jugendlicher. Im Alter von zwölf Jahren lackierte er ein Modellauto so gekonnt, dass nach Aussage seiner Mutter Rita der Vater gar nicht glauben wollte, dass dies das Werk seines Sohnes sein sollte. Als der mittlerweile 16-Jährige ins zweite Lehrjahr kam, restaurierte er bereits seinen ersten Wagen. Im Augenblick ist eine Harley, Baujahr 1942, sein Projekt. Wann immer es die Zeit erlaubt, bastelt er daran. Der Fachmann macht dabei den Großteil der Arbeit selbst. Wer dagegen eine Restauration in Auftrag gibt, muss laut Laibach mit Kosten ab 50000 Euro rechnen.
