Konstanz Tierfreundin rettet Meerschweinchen
Frieda versteckt sich. Sie ist schüchtern. Anders als Elli. Sie lugt neugierig aus dem Käfig, beäugt den Gast. Die zwei Meerschweinchen scheinen so verschieden zu sein, sind vermutlich aber Geschwister. „Vermutlich“ und Ungewissheit deshalb, weil Manja Schulz es nicht weiß. Sie hat die Nagetiere gefunden: patschnass, verschüchtert, mitten im Wald.
Die zwei Meerschweinchen verdanken Manja Schulz vermutlich ihr Leben. Als gezüchtete Haustiere hätten sie in freier Wildbahn nicht lange eine Überlebenschance gehabt. Füchse und Greifvögel hätten sich diesen außergewöhnlichen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Daran will Manja Schulz nicht denken. Sie ist eine ausgesprochene Tierfreundin, hält selbst mehrere Katzen und hat in Konstanz einen Tier-Betreuungsservice.
Meerschweinchen im Schwaketenwald? Für die 25-Jährige gibt es nur zwei Theorien, weshalb die Tierchen mit den Knopfaugen durchs Gebüsch gehuscht sind: Entweder waren sie ihrem Besitzer entwischt. Oder er hatte sich nicht weiter um sie kümmern wollen und sie ausgesetzt. Für Heidi Schätzle denkbar. Als Leiterin des Konstanzer Tierschutzheims muss sie des Öfteren ausgesetzte Zwei- und Vierbeiner in Empfang nehmen. Als ungewöhnlich empfindet sie, dass Frieda und Elli nicht im Käfig, wie es zumeist üblich sei, ausgesetzt wurden – vorausgesetzt, diese Theorie ist die richtige.
Manja Schulz erinnert sich lebhaft an jenen Tag: Es war ein Sonntag, etwa 500 Meter von der Geschwister-Scholl-Schule entfernt. Mit einem Pflegehund ging sie dort Gassi, ihre Mutter hat sie begleitet. Plötzlich stießen sie auf ein Tier, das in diesen Breitengraden in öffentlicher Wildbahn nicht anzutreffen ist und ursprünglich aus Südamerika stammt. Es war Frieda, die schüchterne Nagerin. „Sie war verängstigt, patschnass und kalt, ihre Krallen waren blutig gewetzt“, schildert Manja Schulz. Ihre Idee war, das gefundene Meerschweinchen beim Tierschutzheim abzugeben. Das stellte sich jedoch als schwierig heraus, weil gerade Mittagspause war. Also nahm die 25-Jährige den Nager mit nach Hause. „Ich hatte zum Glück noch einen Käfig im Keller“, sagt sie – Nachbarn haben mit Futter, Stroh und Heu ausgeholfen.
Doch Manja Schulz ließ die Situation keine Ruhe. Ein Meerschweinchen allein im Wald? Mit ihrer Mutter sowie einigen Hunden fuhr die Tierliebhaberin zurück. Dorthin, wo sie Frieda gefunden hatte. Kaum zehn Minuten später hielt einer der Hunde etwas mit der Pfote fest: Elli, die zutraulichere Meerschweinchen-Dame. Manja Schulz ließ sie und Frieda von einem Tierarzt untersuchen. Sie seien wohl genährt, vermutlich Schwestern, so seine Diagnose.
Und nun? Frieda und Elli, wie Manja Schulz die zwei auch nach Vorschlägen ihrer Nichte getauft hat, teilen sich den Käfig. Und müssen sich den neugierigen und lüsternen Blicken der vier Katzen von Manja Schulz aussetzen. Diese wittern, im Instinkt begründet, hinter den neuen Mitbewohnerinnen Spielobjekte – nur das Käfiggitter trennt Katzen und Meerschweinchen. Manja Schulz hofft insgeheim, dass Frieda und Elli doch nicht ausgesetzt wurden, sondern ausgebüxt sind und sich der Besitzer ausfindig machen lässt. Bislang, erläutert Tierschutzheimleiterin Heidi Schätzle, habe sich jedoch noch kein verlassener Meerschweinchen-Freund im Tierschutzheim gemeldet. Sollte die Suche erfolglos bleiben, wird Manja Schulz ein neues Zuhause für Frieda und Elli suchen müssen. Für die zwei Meerschweinchen aus dem Wald, die ihr viel zu verdanken haben.
Richtig, das ist ja alles nicht so ernst gemeint.