Mein
25.05.2012  |  von  |  0 Kommentare

Konstanz Terrex 12: Die geplante Katastrophe

Konstanz -  Rund 3000 Einsatzkräfte proben den Ernstfall: Bei der trinationalen Katastrophenübung Terrex 12 kämpfen zivile und militärische Helfer gegen Brände, Treibholzfelder und eine Gasexplosion.

Rettung aus der Luft: Ein Bundeswehrhubschrauber hilft dabei, Verletzte von einem brennenden Schiff zu holen. Dies ist Teil der Katastrophenübung Terrex 12 in Konstanz.  Bild: Hanser

So sieht eine große Übung aus: Das Passagierschiff „Konstanz“ gerät in Brand, rund 60 Verletzte müssen gerettet werden.  Bild: Hanser

Autor

Redakteurin Konstanz

Pfeil Autor kontaktieren


So viele Militärfahrzeuge, zivile Hilfskräfte und Uniformträger hat Konstanz selten gesehen. Für die trinationale Katastrophenübung Terrex 12 sind gestern 1100 Einsatzkräfte in die größte Stadt am Bodensee gekommen. Seit Monaten wurde die Übung vorbereitet, die auch in Bayern, in der Schweiz und in Tirol stattfand. Überall wurden verschiedene Katastrophenszenarien angenommen, um die länderübergreifende Kommunikation für den Ernstfall zu proben.

In Konstanz fanden gleich mehrere Unglücke gleichzeitig statt. Das spektakulärste war die Havarie des Passagierschiffs „Konstanz“ auf dem Bodensee. Weil auf dem Schiff Feuer ausgebrochen ist, müssen rund 60 Passagiere gerettet werden. Der Medientross verfolgt die Rettung bequem von der historischen Bodenseefähre „Meersburg ex Konstanz“ aus. Die Journalisten vernehmen Hilfeschreie und sie hören, wie ein Bundeswehrhubschrauber mit lautem Getöse heranknattert. Ein Soldat seilt sich ab und holt den ersten Verletzten von Bord. Währenddessen springen andere ins Wasser. Sie ahnen nicht, dass dies gefährlich wird: Die Rotorblätter des Hubschraubers verursachen so viel Wind, dass das Schiff sich dreht. Und zwar genau in Richtung der im Wasser treibenden Verletzten. Doch bald sind DLRG, Technisches Hilfswerk und Feuerwehr zur Stelle, der Brand wird gelöscht und die Passagiere gerettet. Kurze Zeit später werden sie auf einem großen Behandlungsplatz versorgt.

„Alles hat nach Plan funktioniert“, sagt Peter Renker, Oberstleutnant der Reserve und Leiter des Kreisverbindungskommandos Konstanz der Bundeswehr. Nur Andreas Müller aus Ellwangen ist etwas verstört: Ihm wurde ein offenes Schienbein geschminkt, er war also offenbar schwer verletzt. „Ich lag zehn Minuten da und habe geschrien, aber niemand hat geholfen“, sagt er. Trotzdem lautet das Fazit des Hauptgefreiten: „Die Teilnahme an der Übung hat Spaß gemacht.“ Neben ihm steht André Zajonz, dem eine übel aussehende Arterienverletzung verpasst wurde. „Na, hast du überlebt?“, fragt ein Kollege nach Übungsende. „Ich glaube nicht“, sagt André Zajonz und grinst.

Das Motto der Übung lautet „Hilfe kennt keine Grenzen“. Zivile und militärische Kräfte aus drei Ländern sollten ihre Zusammenarbeit üben. Schon in den vergangenen Tagen wurden verschiedene Szenarien geprobt, Gemeinden im Landkreis Konstanz waren eingebunden. „Wir sollten dabei helfen, 10 000 Sandsäcke zu besorgen“, sagt Ludwig Egenhofer, Mitarbeiter des Konstanzer Landratsamts und stellvertretender Bürgermeister von Allensbach. „Die Übung war wichtig. Wir haben gelernt, dass wir künftig schneller mit der Bundeswehr kooperieren. Zunächst hatten wir Berührungsängste.“ Die gab es vor Ort nicht. Zivile Helfer und Militär arbeiteten Hand in Hand. Das Militär wird immer erst dann eingeschaltet, wenn nicht genug zivile Kräfte zur Verfügung stehen, um mit einer Katastrophe fertigzuwerden – oder wenn sie nicht über die benötigten Fähigkeiten oder Fahrzeuge verfügen.

Landesinnenminister Reinhold Gall war beeindruckt von der Professionalität, mit der die Übungen in Konstanz, Bayern, Tirol und der Schweiz stattgefunden haben. „Nicht erst die weltweiten Katastrophen der vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, dass große Schadensereignisse nicht an Ländergrenzen Haltmachen“, ließ Gall zum Abschluss der Übung per Pressemitteilung verkünden. „Bei Naturkatastrophen im Grenzgebiet sitzen wir alle – bei Hochwasser wortwörtlich – im selben Boot“, so der Innenminister.

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014