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Konstanz Tennisanlage am Konstanzer Hörnle soll weitere Flüchtlingsunterkunft werden

Stadt, Landkreis und Pächter sind sich offenbar einig: Die nächste große Unterkunft für Flüchtlinge entsteht direkt am bedeutendsten Naherholungsgebiet von Konstanz. Die Öffentlichkeit sollte davon aber erst nächste Woche erfahren.

Gleich neben dem Bodenseestadion auf der Tennisanlage am Hörnle planen Stadtverwaltung und Landratsamt eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge. Darüber beriet der Gemeinderat nach Informationen des SÜDKURIER in der vergangenen Sitzung – nichtöffentlich. Nun sickerte die Information allerdings doch durch und sorgt für Irritationen. Auch der für die Erstunterbringung von Geflüchteten zuständige Landkreis will das Thema zunächst im Kreistag hinter verschlossenen Türen beraten. Am Montag werde die Öffentlichkeit aber umfassend informiert, sagte Landrat Frank Hämmerle auf SÜDKURIER-Anfrage.

Dass die Tennisanlage neben dem meistbesuchten Freibad am Bodensee und in unmittelbarer Nähe zum Naherholungsgebiet Lorettowald künftig anders genutzt wird, ist so gut wie sicher. Günter Zumkeller, Geschäftsführer des Tennis-Park Helle Müller, bestätigte dem SÜDKURIER, dass er wegen der Flächen zwischen Lorettowald und Bodensee in Verhandlungen mit der Stadt stehe, die dort Zuwanderer unterbringe wolle. Es gehe um rund 3500 Quadratmeter. Viel mehr wollte Zumkeller dazu nicht sagen. Aus anderer Quelle heißt es, dass rund 300 Flüchtlinge auf der Fläche mit zwölf Tennisplätzen und einer Halle am Horn untergebracht werden sollen, vermutlich in Containern oder einer Leichtbauhalle. Die Anlage ist deutlich größer als jene in Dettingen, für die der Landkreis eine Belegung mit bis zu 400 Personen angekündigt hatte.

"Wir wollen nichts verheimlichen"

Die Fläche, die der Tennis-Park Helle Müller gepachtet hat, ist neben dem Bodensee-Stadion, dem Parkplatz und dem Hörnle in städtischem Besitz. Längerfristig will die Stadt diese Flächen modernisieren und zusammenführen. Dazu gehört eigentlich auch der Umzug des TC Konstanz von seinem Gelände in der Schmugglerbucht auf die bestehende Tennisanlage. Doch der „Entwicklungsplan Horn“ wurde von der Verwaltung laut Informationsvorlage aus dem Gemeinderat für etwa fünf Jahre ausgesetzt – damals hieß es, wegen der „planerischen Einzelfragen“ und der personellen Kapazitätsbindung durch die Flüchtlingsunterbringung. Dass die Tennisanlage am Hörnle für den TC Konstanz schlicht nicht mehr zur Verfügung stehen könnte, stand in der öffentlichen Vorlage an den Gemeinderat nicht. Nun ist aber klar, warum der TC bis ins nächste Jahrzehnt an der Schmugglerbucht bleiben soll und das Areal nicht wie im Handlungsprogramm Wohnen beschlossen für Wohnungsbau freigemacht werden kann.

Sozialbürgermeister Andreas Osner wollte am Dienstag öffentlich über neue Projekte zur Flüchtlingsunterbringung in der Stadt nur so viel sagen: „Es sind drei weitere Objekte in der Stadt in Planung, die von unserer Seite beschlossen sind.“ Eine Bestätigung zur Unterbringung auf der Tennisanlage, die auf städtischem Grund liegt, gibt er nicht. Er verweist auf die Sitzung des Kreistages am kommenden Montag. Dann entscheiden die Räte über die Projekte. Erst danach wird es eine Pressemitteilung geben, in der alle drei Standorte, die über die Stadt verteilt liegen, bekannt gegeben werden.

„Wir wollen nichts verheimlichen“, sagt Osner zur Informationspolitik der Stadt, möchte aber erst nach dem demokratischen Beschluss informieren. Dann wird es auch wie bei den anderen Objekten Termine vor Ort geben, bei denen die Konstanzer alle drängenden Fragen los werden können. „Wir sind offen und wollen nichts beschönigen“, fügt Osner noch an. Bereits am vergangenen Donnerstag im Gemeinderat wies Osner auf „weitere Standorte in Planung“ hin, über die er genauer Anfang Februar informieren wolle.

Auch Landrat Frank Hämmerle verwies darauf, dass die Verhandlungen über solche Grundstücksgeschäfte grundsätzlich nicht-öffentlich geführt würden und erst abgeschlossen seien, wenn der Kreistag seine Zustimmung gegeben habe. Viele der Pläne drohten zu scheitern, wenn sie zu früh an die Öffentlichkeit kämen, sagte Hämmerle. Damit bestätigte er zumindest indirekt, dass es weit fortgeschrittene Planungen für eine weitere Gemeinschaftsunterkunft gibt. Das Landratsamt strebe größtmögliche Transparenz an und biete zusammen mit der Stadt den Bürgern die Möglichkeit, alle Fragen und Bedenken zu äußern.

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