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Konstanz Telekom-Hochhaus taugt nicht für Studentenwohnen

10.02.2012


Der vielfach geforderte Umbau von Gewerberäumen in Wohnraum für Studenten, lässt sich schwer realisieren. Es sei zu teuer, sagt die Stadtverwaltung.

– Es klingt einfach: Wenn Gewerberaum nicht mehr benötigt wird, können daraus Wohnungen werden. Die FDP-Fraktion im Gemeinderat hatte daher beantragt, die Möglichkeiten einer Umnutzung zu prüfen. Schließlich gebe es mittlerweile einen erheblichen Leerstand in Bürogebäuden. Doch der Umbau sei zu teuer, hieß es seitens der Stadtverwaltung im Technischen und Umweltausschuss. „Für einen Investor ist das rausgeworfenes Geld“, sagte Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal. Die Stadt setzt eher auf neuere Projekte wie in der Chérisy (siehe weiteren Bericht).

Heinrich Everke sprach für die FDP von einem „grotesken Missverhältnis“. Angesichts des Mangels an Studentenwohnungen müsse es möglich sein, leerstehende Gewerberäume neu zu nutzen. Er nannte als Beispiel Flächen am Weiherhof zwischen Bahnhof Petershausen und der Haltestelle Fürstenberg. Dort seien Studentenwohnungen denkbar. „Wir brauchen nicht so viele Gewerbegebiete.“ Stadtplaner Roland Jerusalem widersprach. Nach dem Zentrenkonzept gebe es am Weiherhof Vorrang für Gewerbe. So vertrage sich Wohnnutzung gerade mit Firmen in solch einem Gebiet kaum. Auf Dauer führe eine Umnutzung von Gebäuden zu starken Einschränkungen für benachbartes Gewerbe. „Es kann nicht die Lösung sein, einzelne Flächen rauszupicken“, sagte er.

Mehrfach wurde vorgeschlagen, das Telekom-Hochhaus umzubauen. Dies sei ernsthaft geprüft worden, berichtete Jerusalem. Doch Anbieter, wie das Studentenwerk Seezeit, sprächen von zu viel Aufwand. Kurzfristige Lösungen lehnten sie ab, da dauerhafte Optionen nötig seien. Die Stadtverwaltung hat bei mehreren Wohnungsgesellschaften und Immobilienfirmen nach ihrem Interesse an möglichen Umwidmungen gefragt. Es habe überwiegend Absagen gegeben, berichtete Roland Jerusalem. Mit drei Interessenten werde es aber vertiefende Gespräche geben. An kurzfristige Lösungen glaube er dennoch nicht: „Es müssen alle rechnen.“ Er schlug vor, für Studenten auch Lösungen in benachbarten Städten und Gemeinde zu suchen. In Verbindung mit der Seehas-Anbindung und einem erweiterten Studi-Ticket sei dies denkbar.

Die letzte große zusammenhängende Gewerbefläche auf dem Great-Lakes-Areal sei eben bebaut worden, sagte Bürgermeister Kurt Werner. Es gebe nun keine mehr in dieser Form, sondern nur noch Lücken. Diese Reserve wolle die Stadt erhalten. „Da, wo es möglich ist, werden wir aber Umnutzungen vornehmen.“ Die Stadt dürfe trotz der derzeitigen Wohnungsnot nicht in Aktionismus verfallen, sondern müsse langfristig planen.

Mehrere Stadträte verteidigten die Linie der Verwaltung. Anselm Venedey (FWG): „Wir müssen eine Lanze brechen für kleinere Gewerbebetriebe.“ Es seien schließlich schon mehrere Gewerbegebiete für Wohnbau umgewidmet worden. Alexander Fecker (CDU) sprach angesichts der Anforderungen, wie dem Dämm- und dem Lärmschutz, von zu hohen Kosten für Umbauten. „Da ist es billiger, einen Gewerbebau abzureißen und neu zu bauen.“ Brigitte Leipold (SPD) sagte, größere neue Projekte seien sinnvoller als kleine Lösungen. Roland Wallisch (FGL) forderte dennoch mehr Flexibilität von der Stadt. Jürgen Wiedemann (NL) sprach von einem extrem hohen Leerstand, der sich durch den Arbeitsplatzabbau bei Takeda noch verschärfe. Er forderte, jede Möglichkeit auszuloten.

Wohnungsbau
In Konstanz stehen sehr viele Gebäude leer, in welchen vor Jahren Gewerbe bzw.
Wohnungsbau
In Konstanz stehen sehr viele Gebäude leer, in welchen vor Jahren Gewerbe bzw.
Umbau-Standard
Wer das Telekom-Hochhaus kennt, kann sich vorstellen, wie aufwendig ein Umbau zu Wohnungen wäre.
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