Wer bis zum 15. März freiwillig geht, bekommt Extra-Geld: Der Stellenabbau bei Takeda in Konstanz wird konkret. Der Betriebsrat fühlt sich ausgebootet.
Der japanische Pharmakonzern Takeda will offenbar so viele Konstanzer Mitarbeiter wie möglich bis zum Ende seines Geschäftsjahrs am 31. März loswerden. Am Mittwoch haben die vom Stellenabbau betroffenen Angestellten ein Angebot erhalten, das intern als Turboprämie bezeichnet wird. Wer bis Mitte März einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet, bekommt eine Abfindung von 1,5 Monatsgehältern pro Jahr der Betriebszugehörigkeit sowie fix sechs Brutto-Monatsgehälter. Das ist in vielen Fällen doppelt so viel wie es der gültige Sozialplan vorsieht.
Allerdings verzichten diejenigen, die unterschreiben, auf eine Weiterbeschäftigung in einer Transfergesellschaft. Auch eine Kündigungsschutzklage können sie nach einhelliger Einschätzung von Arbeitsrechtlern in diesem Fall nicht einreichen, was ihnen ein wesentliches Instrument zur Durchsetzung ihrer Interessen nimmt. Die Experten raten Interessenten dringend, sich beim Betriebsrat oder einem Juristen vor Unterschrift beraten zu lassen.
Jürgen Schneider, Sprecher von Nycomed/Takeda in Konstanz, bestätigte, dass die Mitarbeiter über das sogenannte Freiwilligenprogramm informiert wurden. Wer seit fünf Jahren im Unternehmen sei und 4000 Euro brutto verdiene, komme mit dem aktuellen Angebot auf rund 54 000 Euro, nach Sozialplan wären es etwa 25 000 Euro. Und genau deshalb befürchtet der Betriebsrat, dass viele Mitarbeiter das Geld akzeptieren, damit aber die Verhandlungsposition der Arbeitnehmervertreter schwächen.
Die Wut über das Vorgehen ist auch deshalb groß, weil das Management erst am 6. Februar versprochen hatte, „dass es bis zum Abschluss der Verhandlungen mit den Betriebsräten keine Umsetzungsaktivitäten geben wird, es sei denn, sie sind verabredet.“ Erfahren hat Betriebsratsvorsitzender Rolf Benz von der Turboprämie aus einer E-Mail, die an alle Mitarbeiter ging. Eine Pressemitteilung zu dem Thema überschrieb die Gewerkschaft IG BCE am Mittwoch mit „Unverantwortliches Handeln“. Benz erklärte: „Mit dem einseitigen Angebot hat die Arbeitgeberseite den Weg der Gemeinsamkeit bewusst verlassen.“ Das Verhandlungsklima sei nun nachhaltig gestört.
Wie viele Teilnehmer sich Takeda am Freiwilligenprogramm erhofft, ist unklar. Bisher hatte es nur geheißen, der Personalabbau solle zu einem großen Teil noch im Jahr 2012 abgeschlossen werden. Der Betriebsrat will weiter für einen verbesserten Sozialplan und eine Transfergesellschaft kämpfen. Das Unternehmen hat andere Ziele, wie aus dem Rundschreiben vom Mittwoch hervorgeht: „Nur Geschwindigkeit bringt bessere Konditionen.“
was Gesund macht kann man meist nicht mit Geld kaufen.