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Konstanz TV-Fasnacht: Ein billiges Vergnügen

09.02.2012
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Eine sinkende Quote bei der Konstanzer Fernseh-Fasnacht muss für die Sendung noch lange nicht das Aus bedeuten.

Ein Mann steht auf der Bühne und stopft Lebensmittel in sich hinein. Kaffeebohnen, Kristallzucker und Kakaopulver. Irgendwann hängt ihm das Essen an der Unterlippe oder auf der Weste, zum Schluss sprüht er sich Sahne auf den Kopf und garniert das mit Schokostreuseln. Immer öfter und immer tiefer nippt er an einer Flasche irischem Whisky, das Publikum im Saal skandiert: „Fünf Jahre alt.“ So geht das, wenn man Irish Coffee zubereiten will, aber kein Glas zu Hand hat. Die meisten derer, die im Konstanzer Konzilsaal bei der Übertragung der Konstanzer Fasnacht im SWR-Fernsehen dabei sind, lachen laut über Jürgen Greis. Und seine Mimik ist in der Tat drollig.

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Also endet die Sendung mit dem Gefühl, einen recht lustigen Abend gehabt zu haben. Viele bekannte Größen der Fasnacht am Bodensee waren aufgetreten, manch Überkommenes wie der bauchredende frühere Dauergast Kliby. Die besten Nummern aus den Saalfasnachten der Stadt einem großem Publikum zu präsentieren, ist seit 16 Jahren das Ziel des Senders. Und bevor die roten Lampen an den Aufnahmekameras angehen, sagt der zuständige Redakteur Gerd Motzkus zum Publikum, seine Anstalt wolle an dem Format festhalten. Die Fasnacht ist im Sendegebiet ein großes Thema, also gehört die Live-Sendung zum Programmauftrag.

Im Saalpublikum sitzt am Dienstagabend auch Landessendedirektorin Ingrid Felgenträger, und sie erlebt im ehrwürdigen Gemäuer gut gelaunte Gäste. Moderator Rainer Vollmer sorgt schon vor Sendebeginn für ordentlich Stimmung, die auch über die eine oder andere langwierige – und außerhalb der Stadt wohl kaum verständliche – Nummer trägt. Wer da draußen im SWR-Land kann auch schon mit den Sticheleien der beiden veranstaltenden Narrengesellschaften Niederburg und Kamelia Paradies etwas anfangen?

Doch immer wieder blitzt der freche Kern der Fasnacht auf: Spontan bauen mehrere Akteure die am Tag bekannte gewordenen Stuttgarter OB-Ambitionen von Ex-Minister Andreas Renner in ihre Büttenreden ein. Mal ist es spöttisch, mal grenzt die Sendung an gutes Musikkabarett. Denn auf der Bühne stehen einige echte Talente, wie Alfred Heizmann oder die beiden großartig singenden Brüder Gregor und Simon Malkmus, die als Narrensamen im Spermien-Kostüm niemals die Grenze zur Zote überschreiten. Oder eben Norbert Heizmann und Claudia Zähringer als Kaiser Franz und Sissi.

Tags darauf wird die Freude über eine insgesamt facettenreiche und pannenfreie, von Rainer Vollmer aus Stockach routiniert moderierte Sendung getrübt. Die Einschaltquote sinkt mit 630 000 Zuschauern im SWR-Sendegebiet und 910 000 bundesweit auf ein Rekordtief. Welche Konsequenzen der Sender daraus ziehen wird, lässt sich zunächst kaum absehen. Denn neben der Quote gibt es eine andere Zahl, die für SWR – und Gebührenzahler – wichtig ist. Die Sendeminute bei einer Saalfasnachts-Übertragung kostet zwischen 300 und 500 Euro. Bei 200 Minuten Programm sind das höchstens 100 000 Euro. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist das vergleichsweise preiswert.

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