Konstanz Synagogen-Bau verzögert sich erneut
Landesrabbiner Benjamin Soussan (links) und Oberrats-Vorsitzender Wolfgang Fuhl im ehemaligen Gasthaus „Anker“. Inzwischen wird laut über einen Abriss nachgedacht. Bild: han
Überdies dürften die Pläne, die dem Gestaltungsbeirat am heutigen Mittwoch (11 Uhr, Untere Laube 24) vorgestellt werden sollen, für einige Debatten sorgen. Nun wächst die Sorge, die Religionsgemeinschaft könnte statt in Konstanz zunächst in Rottweil bauen.
Hintergrund der Auseinandersetzungen sind neue Differenzen zwischen der älteren und größeren Gemeinde der Stadt, der Israelitischen Kultusgemeinde IKG und der Religionsgemeinschaft IRG. Denn maßgebliche Kräfte der Gemeinde haben, um sich der Zwangsverwaltung durch die IRG zu entziehen, einen Verein gegründet. Dieser fordert nun, dass das Grundbuch umgeschrieben und das seit Jahren brachliegende Baugrundstück auf ihn übertragen wird. Die IRG dagegen will nur bauen, wenn sie auch über den Grund und Boden verfügen kann. In den Streit sind zwei Anwälte eingeschaltet. Die IKG Baden wird von dem Konstanzer Juristen Adolf Weber vertreten, der für die Gemeinde schon mehrere Prozesse bis in die höchsten Instanzen getrieben hat. Die IRG hat den Anwalt Eberhard Börner aus Singen beauftragt, der zugleich der (von der Gemeinde nicht anerkannte) Verwalter ist.
Der in Karlsruhe tagende Oberrat der Religionsgemeinschaft sei außer sich vor Wut, ist dazu zu hören. Immerhin hatte die Kultusgemeinde die von der Stadt auferlegte und geduldig verlängerte Baupflicht in keiner Weise erfüllt – das denkmalgeschützte ehemalige Gasthaus „Anker“ in der Sigismundstraße verfällt zusehends, die nebenan liegende Fläche ist seit dem Abriss eines Gebäudes seit Jahren nicht genutzt.
Während im Fall der Eigentumsverhältnisse die Gerichte wohl entscheiden werden, kommt bei der Gestaltung des geplanten Neubaus die Politik ins Spiel. Die IRG legt dem Gestaltungsbeirat am Mittwoch zwei Entwürfe vor, von denen einer den in früheren Verhandlungen eigentlich ausgeschlossenen Abriss des „Anker“ vorsieht. Die Denkmalpflege, die in dem Haus einen mittelalterlichen Kern entdeckt hat, hat dagegen bereits Protest angemeldet. Die möglichen Bauherren verweisen dagegen darauf, dass das historische Gebäude durch den langen Leerstand irreparable Schäden erlitten habe.
Und ein drittes Konfliktfeld tut sich in Sachen Synagoge auf. Die junge und kleinere Jüdische Gemeinde Konstanz bezweifelt, ob der von Karlsruhe geplante Bau mit einer Frauenempore liturgisch für die Bedürfnisse vor Ort geeignet ist. Oberrats-Vorsitzender Wolfgang Fuhl aus Lörrach hält diese für zwingend notwendig, da die neue Synagoge auch orthodoxen Juden geistliche Heimat sein soll. Die Planungen zur Bildung einer Einheitsgemeinde jedenfalls liegen vorerst auf Eis – und wie es an der Sigismundstraße weitergehen könnte, kann keine der am Streit beteiligten Parteien derzeit einschätzen.

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