Konstanz Streit zwischen Fischern und Naturschützern eskaliert
Jäger und Gejagter: der Kormoran. Bild: dpa
Nachdem der Landesverband Baden-Württemberg des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in letzter Sekunde eine neue Verordnung zur Eindämmung der Kormoranbestände am Bodensee verhindert hat, droht der Streit zwischen Fischern und Naturschützern zu eskalieren. Zu den traditionellen Naturschutztagen in Radolfzell rufen die Fischer am gesamten Bodensee am Montag, 4. Januar, zu einem Protestmarsch auf.
„Liebe Freunde der Fischerei, wir bitten Sie, die Fischerei im Lande durch Ihre Teilnahme an der Kundgebung gegen die Machenschaften des Nabu und zum Schutz der Fische und der Fischerei zu verteidigen“, schreibt der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Baden, Ingo Kramer aus Freiburg, in seinem Aufruf. Dieser ist mittlerweile auch vom Zentralpräsidenten des Schweizerischen Fischerei-Verbandes (SFV), Roland Seiler, an seine Kollegen weitergeleitet worden. Die Berufsfischer vom Bodensee wollen während der Kundgebung die Äsche, ein vor allem im Untersee und Rhein beheimateter aber gefährdeter Fisch, zu Grabe tragen. Dabei soll auch deutlich werden, dass der schon mit mehreren Aktionen am See eher erfolglos vertriebene Kormoran für viele Berufsfischer ein Problem darstellt.
Der Auslöser ist das Mitte Dezember vom Nabu-Landesvorstand Andre Baumann an Landwirtschaftsminister Peter Hauck gerichtete Schreiben. Darin nimmt der Verband zu den Änderungsvorschlägen des Ministeriums zur Landesfischereiverordnung Stellung. Grundsätzlich halte darin der Nabu die Fischereiwirtschaft für eine legitime Landnutzung, sofern sie den Kriterien für ein nachhaltiges Wirtschaften genüge. Bei der Angelfischerei sei aber eine wirtschaftliche Bedeutung im Sinne der Naturschutzgesetze nicht vorhanden. Für den Fischereivorstand Ingo Kramer gleiche dieser Satz und die geforderten zeitweisen Ruhezeiten einem Berufsverbot.
Derweil ahnen einige Fischer, dass die Nabu-Forderungen eine Retourkutsche der fehlgeschlagenen Vergrämungsaktion gegen Kormorane vom April 2008 ist. In einem nächtlichen Scheinwerferangriff im Naturschutzgebiet Radolfzeller Aachried waren nur ganz wenige Fischjäger erfroren. Die Naturschützer hingegen gingen mit Plakaten und Buhrufen gegen die Fischer vor, die am frühen Abend mit Booten ins Ried fuhren und die Nester anstrahlten, um die Elternvögel von den gerade geschlüpften Jungen und den Eiern zu vertreiben, damit diese auskühlen und sterben. Der Kormoran ernährt sich ausschließlich von Fischen. Der Tagesbedarf liegt zwischen 425 und 700 Gramm. Die 30 deutschen und Schweizer Berufsfischer vom Untersee sprechen von über 50 Prozent ihres jährlichen Fanges, den die Kormorane wegfressen würden.
Gerhard Herr

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