Konstanz Stoiber-Tochter gerät weiter unter Druck
Die Universität geht weiter den Plagiatsvorwürfen gegen Veronica Saß nach. Der Juristin wird vorgeworfen, Teile ihrer Doktorarbeit aus fremden Quellen abgeschrieben, dies aber nicht kenntlich gemacht zu haben. Uni-Sprecherin Julia Wandt wollte mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen keine näheren Angaben machen. Sie bestätigte aber, „die Person“ habe die vom Promotionsausschuss vor einigen Wochen angeforderte Stellungnahme bisher noch nicht abgegeben. Der weitere Verlauf des Verfahrens sei offen. Im für Saß ungünstigsten Fall könnte es mit einem Entzug des Doktortitels enden.
Unterdessen hat sich die Hamburger Rechtsanwältin Tanja Eisenblätter ebenfalls an die Universität Konstanz gewandt. Rund zwölf Seiten habe Saß demnach aus der in Buchform publizierten Doktorarbeit der Kollegin abgeschrieben – inklusive Fußnoten. Eisenblätter promovierte nach Angaben der Online-Ausgabe der Zeitung Die Welt im Jahr 2000, Saß reichte ihre Doktorarbeit 2008 in Konstanz ein.
Juristin Veronica Saß, die in einer Münchener Kanzlei arbeitet, hat bisher gegenüber den Medien jede Stellungnahme zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen abgelehnt. Auch gegenüber dem SÜDKURIER wollte sie auf telefonische und schriftliche Anfrage hin am Mittwoch keine Angaben machen.
Der Vorfall ist aus zwei Gründen brisant. Zum ersten verfolgt die Universität Konstanz seit den nachgewiesenen Fälschungen des Physikers Jan Hendrik Schön einen strikten Kurs zur Sicherstellung der wissenschaftlichen Redlichkeit, Rektor Ulrich Rüdiger setzt sich persönlich in hohem Maß für das Thema ein. Zum zweiten hatte Saß' Vater Edmund Stoiber den inzwischen zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg als einer der ersten gegen Plagiatsvorwürfe in Schutz genommen. Bayerns ehemaliger CSU-Ministerpräsident hatte mit Bezug auf seinen Parteifreund Guttenberg Mitte Februar erklärt, wer ohne Schuld sei, werfe den ersten Stein. Das war wenige Tage, nachdem die Plagiatsvorwürfe gegen seine Tochter erstmals bekannt wurden.
Der Promotionsausschuss der Uni befasse sich grundsätzlich mit allen ihm zur Kenntnis gebrachten Vorwürfen, sagte Julia Wandt. Möglicherweise muss Saß sich auch außerhalb der Universität rechtfertigen. Die wegen des Verdachts auf eine Falschaussage unter Eid am 30. März von einem Bürger eingeschaltete Staatsanwaltschaft München I erklärte, dass Strafanzeigen nach Konstanz weitergegeben würden.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, Christoph Hettenbach, sagte am Donnerstag, dass diese zwischenzeitlich vorliege. Fortan ist die Behörde mit dem Fall betraut. Eine gerichtsverwertbare Erklärung über die wissenschaftliche Redlichkeit fordert die Uni Konstanz – anders als Guttenbergs Alma Mater in Bayreuth – von allen Promovierenden.

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