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Noch schnell an der spiegelnden Glastür des Pfarrheims Allensbach die Haare zurechtgemacht, schließlich blinkte das orange Licht der Sturmwarnung, als die 150 Wanderer an der Schiffslände entlang gingen. Oben im Saal ist alles hergerichtet, wahlweise Wurstsalat oder Schweinehalsbraten. Zur Begrüßung singt Alleinunterhalter Michael Bernhard die Fischerin vom Bodensee "in einem Arrangement der Wildecker Herzbuben". Später, nach dem Essen, wird "SWR 4 -Bodenseeradio - da sind wir daheim" eine Stunde live aus dem Pfarrsaal senden. Das gehört zum Konzept des mehrwöchigen "Wandertreffs", den der Sender seit 15 Jahren mit Erfolg organisiert. Bevor die Gruppe in Allensbach Station machte, war sie auf der Höri unterwegs, gestern erwanderte sie den Raum Stockach, heute geht es in den Linzgau.

Fast von Anfang an dabei sind Gertrud Throma und ihr Mann Alfred aus Freiburg. Seit 14, beziehungsweise zwölf Jahren gehen sie immer wieder mit, nehmen sich eigens Urlaub dafür. In den letzten sieben Jahren haben sie keinen Wandertreff ausgelassen. Für die Woche am Bodensee haben sie sich erstmals eine Pension genommen. Beide haben einen Stoffrucksack mit Lederträgern, an den grauen Filzhut von Alfred Throma sind zahlreiche Abzeichen geheftet, am hölzernen Wanderstock prangt ein Aufkleber des Wandertreffs.

"So kommt man in Gegenden, in die man sonst nicht käme", sagt Gertrud Throma, "man wird geführt und muss sich um nichts kümmern". Ein wenig bedauert sie allerdings, dass man nicht einfach mal spontan auf einer schönen Bank Rast machen kann. Und etwas mehr als die üblichen 15 Kilometer seien es heute schon gewesen, sagt sie, es ging vom Bahnhof Allensbach auf den Walzenberg. Nach der AOK-Frühgymnastik wanderte man unter Führung des Schwarzwaldvereins Konstanz einmal um den Mindelsee, Mittagsvesper gab es am Hirtenhof.

Im Saal ist man nun bereits live auf Sendung, Moderator Stephan Schmutz erntet Widerspruch seines Publikums, als er sagt, man sei klatschnass geworden. "Gut, bissle nass", das lässt man durchgehen. Ein Mann wird interviewt, der sich am Frühstückstisch vor dem Radio noch schnell zum Mitgehen entschieden hat und der "Sepp aus Singen" darf ins Mikrofon sagen, wie viele Körner er an einem am Wegesrand abgebrochenen Maiskolm zählte. Den Leuten gefällt's, als Nachspeise gibt's Eis und Elvis, der Alleinunterhalter hat sich mit einem weißen Gürtel samt Goldapplikationen und einer Sonnenbrille verkleidet und singt nun live auf SWR 4 "Let me be your Teddybär".

Alfred Throma, der pensionierte Schreiner, ist nun auch mit seinem Schweinehalsbraten fertig. Er sagt, er höre fast ausschließlich SWR 4. Alles sei schön und gut gewesen soweit. Doch in Freiburg, findet er ein wenig bedauernd, hätte man während der Wanderung mal irgendwo ein Gläsle Wein oder einen Schnaps bekommen.

Hans Gasser

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