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Konstanz Starker Auftakt für neue Reihe

Zwischen erinnern und vergessen: Max-Planck-Forschungspreisträgerin Aleida Assmann erläutert ihre Arbeit in der Reihe „Ausgesprochen: Wissenschaft!“

Volles Haus: Zum Gespräch zwischen der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann (im Bild Dritte von links oben) und SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau (vierter von rechts oben) kamen rund 80 Zuhörer. Die Veranstaltung soll den Wissenschaftsdialog fördern.
Volles Haus: Zum Gespräch zwischen der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann (im Bild Dritte von links oben) und SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau (vierter von rechts oben) kamen rund 80 Zuhörer. Die Veranstaltung soll den Wissenschaftsdialog fördern. | Bild: Bild: hanser

Aleida Assmann ist ein Zugpferd. Schon eine halbe Stunde vor Beginn ihres Auftritts, stehen rund 30 Besucher vor dem Voglhauscafé in der Innenstadt und wollen sich die besten Plätze sichern. Kein Wunder, die Konstanzer Kultur- und Literaturwissenschaftlerin ist nicht erst seit ihrem Max-Planck-Forschungspreis im vergangenen Jahr eine der renommiertesten Wissenschaftlerin auf ihrem Gebiet. Sicher nicht zufällig haben Universität, HTWG und SÜDKURIER, die drei Veranstalter der neuen Reihe „Ausgesprochen: Wissenschaft!“, Aleida Assmann als Premierengast ausgewählt. Um kurz nach 20 Uhr drängen sich 80 Besucher in das Voglhaus, um dem Gespräch zwischen SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau und Aleida Assmann zu lauschen.

Im Zentrum des Abends standen Fragen wie: Wie genau funktioniert das mit dem Erinnern? Wer oder was ist dafür verantwortlich, dass wir manche Dinge erinnern, andere nicht? Oder: Welche Form des Gedenkens an historische Ereignisse ist angemessen? „In einer Gesellschaft existieren verschiedene Erinnerungsformen nebeneinander“, sagt Aleida Assmann. Es gibt Archive mit unzähligen Quellen zum Nachlesen, ein gesellschaftlich und kulturell geprägtes Gedächtnis, das Menschen in einem bestimmten Umfeld teilen oder auch ganz subjektiv erlebte Geschichte und Erinnerungen in Form von Zeitzeugen. Grundsätzliches Problem bei der Erinnerung sei die Auswahl: „Das Gedächtnis ist selektiv, weil es nicht alles erinnern kann. Es gibt bestimmte Kriterien, die es wahrscheinlicher machen, dass wir etwas behalten: Emotionalisierte Informationen oder auch Dinge, von denen wir unmittelbar betroffen sind, bleiben beispielsweise eher hängen“, so Assmann.

Der Wissenschaftlerin gelingt es, ihr Thema verständlich zu erläutern. Sie spricht mit klarer Stimme, während sie redet, hält sie das Mikrofon auf Professorenart (ganz unten am Schaft) fest in der rechten Hand. Mit der linken Hand gestikuliert sie leicht dazu.

Sie stellt auch die Frage nach dem kulturellen Gedächtnis der Gesellschaft und erläutert, dass beispielsweise literarische Autoren auch durch die ständige wissenschaftliche Auseinandersetzungen in einem Kanon erhalten bleiben. Auf die Frage nach den Gedenkorten in Konstanz sagt Assmann, dass es bemerkenswert sei, dass Konstanz 450 Jahre gebraucht habe, um ein Denkmal an die Verbrennung von Jan Hus zu errichten (Hussenstein). Dies zeige wie schwierig das mit den Erinnerungen und dem Gedenken manchmal sei. Im Hinblick auf das Konziljubiläum müsse es auch darum gehen, eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen. Ein Nachspielen der Geschichte in historischen Kostümen bezeichnete sie allerdings als „kein Modell für Konstanz“ in diesem Fall. Auf die Frage von Moderator Rau, wie sie denn dereinst hoffe, dass man sich an ihre Forschungen erinnert, lächelt Assmann kurz, und sagt: „Ich arbeite ja weniger im Bereich der Prophezeiungen als im Bereich der Erinnerungen, deshalb sage ich auf Ihre Frage: Man wird sehen.“

Am Ende bleibt der Eindruck eines intensiven Abends mit einer gut aufgelegten Wissenschaftlerin und einem behutsam und klug fragenden Moderator. Das macht Lust auf mehr.

Termin: Die Reihe „Ausgesprochen Wissenschaft!“ wird am 9. November fortgesetzt. Dann spricht der Physiker Gerd Ganteför über den Klimawandel. Beginn ist um 20 Uhr (Türöffnung kurz vor 20 Uhr) im Voglhauscafé.

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Ausgesprochen: Wissenschaft: „Ausgesprochen: Wissenschaft“ ist ein gemeinsames Angebot von SÜDKURIER, Universität und HTWG Konstanz. In einem dreiviertelstündigen Dialog erklären Spitzenforscher aus den Hochschulen der Stadt allgemeinverständlich, woran sie arbeiten.
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