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Konstanz Starke Thesen vor der Sommerpause

Özkan Ezli hat die Wissenschafts-Reihe von SÜDKURIER, Uni und HTWG Konstanz abgeschlossen. Der Uni-Forscher äußerte Zweifel am Konzept der Integration. Seit Herbst 2010 waren fast 1000 Gäste zu den Gesprächsabenden im Voglhaus gekommen.

Gesprächspartner im Voglhaus: Der Integrationsforscher, Literatur- und Islamwissenschaftler Özkan Ezli und SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau bei neunten Abend von „Ausgesprochen: Wissenschaft“.
Gesprächspartner im Voglhaus: Der Integrationsforscher, Literatur- und Islamwissenschaftler Özkan Ezli und SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau bei neunten Abend von „Ausgesprochen: Wissenschaft“. | Bild: Bild: Hanser

Konstanz – Manche Zuhörer saßen sogar vor dem Voglhaus auf der Konstanzer Wessenbergstraße: Auch der vorerst letzte Abend der Konstanzer Reihe „Ausgesprochen: Wissenschaft“ mit dem Integrationsforscher Özkan Ezli lockte rund 80 Zuhörer. Sie konnten dabei einen energiegeladenen und engagierten Gesprächspartner von SÜDKURIER-Lokalchef Jörg-Peter Rau erleben. Für eine rege Debatte sorgte vor allem seine These, dass das Konzept der Integration fragwürdig sei, weil es von einem Machtgefälle zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen ausgehe. Immerhin fordere die Mehrheitsgesellschaft, dass sich die Mitglieder der Minderheitengruppen anpassten und sich fremde Werte zu eigen machten.

Als ein weiteres Problem sprach Ezli die Themen Religion und Heimatlosigkeit an. Oft würden zum Beispiel Türkischstämmige auf ihre Religion reduziert. Die Frage, wann sie denn „wieder zurückgingen“ habe bei ihnen überdies ein Gefühl der Heimatlosigkeit erzeugt – und dieses wiederum habe oft die Bindung an den Islam verstärkt. Ezli, der in den siebziger und achtziger Jahren im badischen Hausach aufwuchs, berichtete auch von zunehmenden Vorbehalten seit dem 11. September 2001.

Mit vielen Beispielen und in kraftvoller Sprache machte Ezli weiter deutlich, dass Deutsche und Türkischstämmige schlicht zu wenig miteinander zu tun hätten. Nur die Sportvereine hätten sich als „Integrationsmaschinen“ erwiesen, meinte er auf eine entsprechende Frage von Jörg-Peter Rau

Scharfe Kritik äußerte Ezli auch am Bestseller des früheren SPD-Politikers Thilo Sarrazin, „Deutschland schafft sich ab“. „Das war ein leidenvolles Wochenende, als ich das Buch gelesen habe“, sagte Ezli und lachte. Er nannte das Buch einen Teil der erfolgsträchtigen „skandalisierenden Literatur“, die aber oft und unangemessen zwischen Einzelfall und Gesamtbetrachtung hin- und herspringe. Unter anderem trage das Buch zu einer Dämonisierung der in Deutschland lebenden Türken bei.

Lachen musste Ezli, der für eine Arbeit am Exzellenzcluster der Universität vor allem Bücher und Filme analysiert, bei der Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz seiner Forschung. Er hoffe, sagte er, dass der Blick der Menschen auf das Thema Integration und die Chancen, die sich aus dem Zusammenleben ergäben, geweitet werde. Bei den Besuchern im Voglhaus schien sein Anliegen anzukommen: Noch lange standen sie nach dem vorerst letzten Abend von „Ausgesprochen: Wissenschaft“ in Kleingruppen zusammen und diskutierten weiter.

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Ausgesprochen: Wissenschaft: „Ausgesprochen: Wissenschaft“ ist ein gemeinsames Angebot von SÜDKURIER, Universität und HTWG Konstanz. In einem dreiviertelstündigen Dialog erklären Spitzenforscher aus den Hochschulen der Stadt allgemeinverständlich, woran sie arbeiten.
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