KonstanzStadtgeschichte macht Eindruck [1]
Regierungspräsident Julian Würtenberger hat Konstanz eine Unterstützung des Landes für das Konziljubiläum 2014 zugesagt. Nach einer Führung durch die Napoleon-Ausstellung zeigte er sich beeindruckt von der Arbeit mit dem historischen Erbe der Stadt. Staatssekretär Dietrich Birk will sich bei der Landesstiftung für mehr Geld einsetzen.
Treffpunkt Napoleon III. (von links): Bundestagsabgeordneter Andreas Jung (CDU), Regierungspräsident Julian Würtenberger (CDU), Museumschef Tobias Engelsing und Staatssekretär Dietrich Birk (CDU).
Konstanz - Diese Führung durch die Napoleon-Ausstellung dürfte sich für Museumschef Tobias Engelsing so richtig gelohnt haben. Nachdem er eine Dreiviertelstunde dem politischen Besuch über den "Kaiser vom Bodensee" berichtet hatte, sagten die Gäste aus Stuttgart und Freiburg Unterstützung des Landes zu: Konstanz, so Regierungspräsident Julian Würtenberger (CDU) im Kulturzentrum, mache etwas aus seinem reichen geschichtlichen Erbe. Das müsse man auch in Hinblick auf Zuschüsse für das Konziljubiläum 2014-2017 berücksichtigen. Dietrich Birk (CDU), Staatssekretär im Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, erneuerte die Zusage, dass das Land für Mittel aus der Landesstiftung kämpfen werde. Wenn Konstanz für die 600-Jahr-Feier zum Konstanzer Konzil (1414-1418) ein Programm mit überregionaler Ausstrahlung auf die Beine stelle, müsse dies berücksichtigt werden. Kulturbürgermeister Claus Boldt (CDU) zeige sich erfreut über das Stuttgarter und Freiburger Interesse - für Würtenberger war es bereits der zweite Besuch in Konstanz innerhalb weniger Monate. Birk war auch zur Eröffnung der Napoleon-Ausstellung gekommen, die das Rosgartenmuseum bis Ende Oktober zusammen mit dem Schloss Arenenberg ausrichtet. Leidenschaft für Geschichte hatte Tobias Engelsing der CDU-Delegation, zu der auch noch Bundestagsabgeordneter Andreas Jung gehörte, bereits beim Rundgang durch den Richentalsaal des Kulturzentrums vermittelt. Den sichtlich interessierten und historisch beschlagenen Gästen erzählte er von den Liebschaften und politischen Ambitionen Napoleons III.. Vor allem die vielen Originalstücke wie Ringe für die illegitimen Nachkommen oder die noch nie öffentlich gezeigte Kutsche von Sedan sorgten für Aufsehen. In dem Gefährt hatte Napoleon, dem Engelsing zufolge Frankreich die Schuld an der Niederlage im Krieg von 1870/71 zuschrieb, seine bitterste Stunde erlebt und hatte in ihm die erste Etappe auf dem Weg in die Gefangenschaft ins seither sprichwörtliche Kassel angetreten. Rege Nachfragen gab es auf Engelsings Berichte, wie er zahlreiche Originale auf Konstanzer Speichern aufgetrieben habe. "Viele alt eingesessene Familien haben noch immer eine Art inoffizielles Napoleon-Zimmer", sagte Engelsing mit Verweis auf Erinnerungsstücke, die von Generation zu Generation weitergereicht worden seien. Staunend hörten die Besucher auch, dass an der Marktstätte bis heute ein goldener Adler an den einstigen Gasthof dieses Namens erinnert: Dort war Hortense mit ihrem Sohn erstmals abgestiegen als sie nach Konstanz kam. Zum Dank schenkte der spätere Kaiser, der besser alemannisch als französisch sprach, die Schmiedearbeit - deren Kopf nicht wie üblich nach links, sondern nach rechts, gen Paris, blickt. Man wolle weder Kult noch Demontage mit Napoleon betreiben, sondern einfach an einen Mann erinnern, der Kindheit und Jugend im Wesentlichen am Bodensee verbracht habe, sagte Engelsing: Napoleon III. habe sich vom Dandy zum Politiker entwickelt, sei mächtigster Mann in Frankreich geworden, musste sich von seinem Zeitgenossen Victor Hugo als "Napoleon der Kleine" schmähen lassen und werde für immer mit den Vorgängen rund um die Emser Depesche und den folgenden Krieg in Verbindung stehen. Ein solcher Umgang mit Geschichte sei durchaus beeindruckend, sagten Birk und Würtenberger nach der Führung. Bevor sie an einem herrlichen Spätsommertag noch einige historische Orte mit Napoleon-Bezug besichtigten, kündigten sie die Hilfe für das Konziljubiläum an. Napoleon-Schau Ort: Kulturzentrum am Münster Dauer: bis 19. Oktober Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10-18, Sa. und So 10-17 Uhr Öffentliche Führungen: So. 14 Uhr. und Do. 16.30 Uhr. (rau) Weitere Artikel zu: Konstanz, |



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