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Konstanz Stadt rechnet mit 5070 Wohnungen

Verwaltung legt Ausschuss Handlungsprogramm vor. Es soll ein Rezept gegen die Wohnraumnot sein.

5070 Wohneinheiten (WE): Dieses Potenzial sieht die Stadtverwaltung laut einer Analyse, die sie dem Technischen und Umweltausschuss vorlegen wird. Damit soll Konstanz den Bedarf bis zum Jahr 2030 weitgehend decken. Ziel sind bis dahin allerdings 5300 neue Wohneinheiten.


Diesen Bedarf hatte das Büro Impirica anhand der Bevölkerungsentwicklung errechnet. Im kurzfristigen Zeitraum von 2011 bis 2015 sind demnach durchschnittlich 370 Wohnungen pro Jahr notwendig, von 2015 bis 2020 sind es 300, langfristig von 2021 bis 2030 durchschnittlich 180 Wohneinheiten pro Jahr. 78 Prozent der neuen vier Wände sollten, so die Analyse, in Geschosswohnungsbau und 22 Prozent als Ein- und Zweifamilienhäuser sowie in kleineren, maximal sechs Einheiten pro Gebäude erstellt werden.

Anhand dieser Aussichten hat der Gemeinderat die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Handlungsprogramms beauftragt. Der erste von zwei Teilen liegt nun vor und über diesen wird der Technische und Umweltausschuss am Dienstag, 11. März, diskutieren (ab 16 Uhr, Sitzungssaal Verwaltungsgebäude Laube). In dem Papier hat die Verwaltung die in Frage kommenden Baugebiete zusammengestellt. Hierfür hat sie alle Möglichkeiten – von Nachverdichtung über Siedlungserweiterung und Areale innerhalb des Flächennutzungsplans – berücksichtigt. Den vorausberechneten Bedarf von 5300 Wohnungen hat das Bauamt zwar um 230 Einheiten (bereits laufende Vorhaben sind berücksichtigt) nicht erreicht. Doch diese Zahlen sind nicht in Stein gemeißelt und erste Hochrechnungen.

Sofern die städtischen Ausschüsse und der Gemeinderat das Handlungsprogramm so befürworten, dürfte vor allem eine Hürde im Weg stehen. Die Stadt Konstanz verfügt zwar über Reserveflächen für Wohnbau mit einer Gesamtgröße von 97 Hektar. Das reicht aber bei weitem nicht. Zahlreiche Grundstücke, die die Verwaltung als mögliches Bauland betrachtet hat, sind in der Hand von privaten Eigentümern. Mit ihnen müsste die Stadt verhandeln und für den Ankauf von Flächen Geld in die Hand nehmen, das sie jedoch über die Vermarktung der späteren Wohnungen wieder erwirtschaften könnte.

Wer die Neubauten erstellen soll, soweit sind die Überlegungen in der Verwaltung offenbar noch nicht. Die städtische Wohnbaugesellschaft Wobak dürfte bei all den möglichen Bauvorhaben schnell an ihre Grenzen stoßen. Allerdings soll unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Uli Burchardt ein Aktionsbündnis ins Leben gerufen werden, an dem Akteure des Wohnungs- und Immobilienmarktes teilhaben sollen. Es sei unabdingbar, Konstanz gemeinsam als Wohnstandort weiterzuentwickeln und zu stärken, erklärt die Verwaltung in ihrer Ausschussvorlage.

Die Stadtverwaltung will bei der Schaffung von Wohnraum allen Zielgruppen und für jeden Geldbeutel etwas bieten. Für junge Familien sieht sie, sofern die Grundstücke privater Eigentümer schnell verfügbar sind, in der Erweiterung bestehender Gebiete rasch umsetzbares Potenzial. Dies könnte auf den Christiani-Wiesen (45 Wohneinheiten), am Fohrenbühlweg in Staad (70 WE), am Marienweg in Litzelstetten (60 WE), Steinrennen II in Dingelsdorf (35 WE) und Ziegelhütte in Wallhausen (40 WE) sein. Das Regierungspräsidium habe der hierfür notwendigen Erweiterung des Flächennutzungsplans bereits zugestimmt. Generell haben zur Deckung sofortigen Bedarfs Reserveflächen aus nicht umgesetzten Bebauungsplänen und Baulücken Priorität. Bei mittelfristiger Umsetzbarkeit geht das Bauamt von einer durchschnittlichen fünfjährigen Planungs- und zweijährigen Bauzeit aus. Dazu zählen das Vincentiusareal (70 WE) sowie die Fläche des Technologiezentrums (40 WE), wofür ein Umzug notwendig ist.

 
Weiter Flächen für möglichen Wohnraum
  • Wo die Verwaltung auch noch Grundstücke für Wohnbebauung sieht (eine Auswahl)
  • Weiherhof: 100 WE, 100 Prozent privates Eigentum, kurzfristig verfügbar
  • Sonnenbühl Ost/Jakob-Burckhardt-Straße: 135 WE, Wobak baut bereits
  • Ruppanerstraße: 60 WE, 100 Prozent privates Gelände, Gespräche laufen, mittelfristig verfügbar
  • Chérisy: Zwei Studentenwohnprojekte, 247 WE, 100 Prozent privates Eigentum, rechtskräftiger Bebauungsplan
  • Dettingen Ortsmitte: Seniorenwohnen, 24 Senioren-WE, 95 Prozent Stadtbesitz, mittelfristig verfügbar
  • Dettingen Brühläcker: rund 60 WE, 19 Prozent öffentliches, 81 Prozent privates Eigentum, mittelfristig verfügbar
  • Dettingen Hofäcker: 100 WE, elf Prozent städtisches, 81 Prozent privates Eigentum, langfristig verfügbar
  • Litzelstetten Marienweg: 60 WE, privates Eigentum, mittelfristig verfügbar
  • Litzelstetten Ortsmitte: zehn barrierefreie WE für Familien und Senioren, öffentliches Eigentum, kurzfristig verfügbar, Ideenwettbewerb läuft
  • Dingelsdorf Steinrennen II: 35 WE, sieben Prozent städtisches, 93 Prozent privates Eigentum, mittelfristig verfügbar
  • Voraussetzungen: Insgesamt könnten, sofern sich alle Bauvorhaben umsetzen lassen, 5070 Wohneinheiten entstehen. Zu berücksichtigen wird bei genauerer Planung sein, inwieweit neuer Wohnraum vorhandenen ersetzt. Voraussetzung ist, dass private Eigentümer ihre Grundstücke veräußern wollen.
  • Handlungsprogramm: Der erste Teil des Handlungsprogramms zeigt auf, wo Wohnflächen möglich werden könnten. Qualitative Anforderungen an das Wohnen in den betreffenden Gebieten sowie die soziale Mischung sollen in einem zweiten Teil dargestellt werden. Dieser soll im Juli zur Beschlussfassung vorliegen.
  • Stellenaufbau: Um das Handlungsprogramm Wohnen stemmen zu können, benötigt das Bauamt mehr Personal. 5,8 Stellen hat der Gemeinderat im Dezember genehmigt. Nun beantragt die Verwaltung zwei weitere Stellen, weil schneller als gedacht Flächen für neues Wohnland erworben werden konnten, heißt es in der Vorlage für den Technischen und Umweltausschuss. 1,5 Stellen wünscht sich das Amt für Stadtplanung und Umwelt, eine halbe Stelle das Hochbau- und Liegenschaftsamt.

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