Stadt ist ein wichtiger Akteur
15.01.2008
Andrea Frank. Bild: Robert Brady
Andrea Frank ist Programmleiterin für Forschung und Wissenschaftsdialog im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und verantwortlich für den Wettbewerb "Stadt der Wissenschaft.
Frau Frank, warum hat der Stifterverband den Wettbewerb "Stadt der Wissenschaft" ins Leben gerufen?
Der Wettbewerb hat sich aus unseren Initiativen zum "Wissenschaftsdialog" entwickelt. Ein wichtiger Aspekt des Dialogs der Wissenschaft ist der Austausch mit Unternehmen, Stadt und Öffentlichkeit. Die Stadt kann dabei ein wichtiger Akteur sein, um diesen Dialog im Interesse der regionalen Entwicklung voranzutreiben. Darum haben wir den Wettbewerb vor vier Jahren gestartet.
Wissenschaftler suchen weltweit Kontakte. Warum ist Ihnen der lokale Blick wichtig?
Weil es darum geht, dass die Wissenschaft als regionaler Standortfaktor erkannt wird. Ein Beispiel: Bei Braunschweig hat man gesehen, dass durch dieses Jahr die Landesregierung auf den Standort noch stärker aufmerksam geworden ist und in wissenschaftliche Infrastruktur investiert. Das heißt, Stadt und Wissenschaft profitieren gemeinsam. Natürlich ist Wissenschaft international vernetzt und kann nicht nur regional agieren, aber die regionale Einbindung ist eine wichtige Grundlage für den internationalen Erfolg.
Sie blicken also mindestens so auf Rathäuser wie auf Rektorate. Was erwarten Sie von einer "Stadt der Wissenschaft"?
Es reicht nicht aus, dass die Wissenschaft exzellent ist. Es geht uns darum, dass sich Vertreter von Wissenschaft, Unternehmen und Kommune zusammentun, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen - und zwar gemeinsam. In den Städten gibt es immer schon viele dezentrale Aktivitäten. Der Erfolg stellt sich ein, wenn es gelingt, diese zu bündeln und ihr Potential für die Region zu nutzen.
Verpufft der Effekt nicht?
Bisher ist es den Städten der Wissenschaft gelungen, langfristige Effekte zu erzielen. Bremen hat zum Beispiel das "Haus der Wissenschaft" etabliert, das allen Partnern und den Bürgern offen steht. In Dresden werden einzelne erfolgreiche Formate fortgeführt. In Braunschweig sind unter anderem Forschungsprojekte von Universität und Unternehmen entstanden, die sich weiter entwickeln werden. Wir sind zufrieden.
Mit welcher Förderung kann eine "Stadt der Wissenschaft" rechnen?
Unsere finanzielle Förderung ist ein erster Impuls. Wir geben 125000 Euro und noch einmal so viel als Co-Finanzierung für Spenden von Unternehmen. Die Städte investieren in der Regel weit mehr. Ein Hauptanreiz ist, den Titel für das eigene Marketing nutzen zu können.
Wie viele "Städte der Wissenschaft" soll es noch geben?
Wir wollen diese Runde abschließen. Für 2011 soll der Wettbewerb mit neuen Ideen wieder ausgeschrieben werden.
Die Entscheidung zwischen Konstanz und den anderen zwei Finalisten fällt am 28. Februar in Jena?
Ja. Die drei Finalisten werden sich dort öffentlich präsentieren. Die Entscheidung fällt eine Jury aus Vertretern der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Städte sowie Medien-Vertreter.
Fragen von Frank van Bebber
