Konstanz Stadt Konstanz will noch mehr Flüchtlingsunterkünfte bauen

Zergle und Transco sollen erst der Anfang sein: Auch in Egg will die Stadt Konstanz ihre Pläne für ein Flüchtlingswohnheim vorantreiben. Weitere Häuser werden dringend gebraucht – aber niemand weiß so richtig, wo die überhaupt stehen könnten.

Die Pläne für ein Flüchtlingswohnheim in Egg sind noch lange nicht vom Tisch: Sozialbürgermeister Andreas Osner hat bestätigt, dass die Stadtverwaltung ihre Ideen wieder aufgenommen hat, dort zu bauen. Zugleich machte er deutlich, dass es bei der Veranstaltung zu den Vorhaben einer Anschlussunterbringung in Wollmatingen (Zergle),  und einer Erstunterbringung in Petershausen-West (Transco-Areal) vor allem darum gegangen sei, die Menschen zu informieren. Die Verwaltung wolle weiter im Dialog mit den Bürgern bleiben, stehe aber auch unter Handlungsdruck. Statt von „Bürgerbeteiligung“ sprach Osner auch mehrfach von „Konsultation“, was der Duden als „gemeinsame Besprechung, Beratung“ definiert.

Im Juli soll der Gemeinderat über die beiden Projekte im Zergle und auf dem Transco-Areal entscheiden, so Osner – so viel Zeit sei nötig, die Ergebnisse vom Dienstagabend aufzuarbeiten . Parallel werde die Stadt weitere Möglichkeiten in anderen Stadtteilen ausloten. Konkret benannte er dabei nur Egg, sagte aber auch: „Vielleicht tut sich auch in den nächsten Wochen noch etwas.“ Zu den Einflussmöglichkeiten von Anwohnern erklärte er: „Es wäre unehrlich, den Bürgern etwas vorzugaukeln.“

Oberbürgermeister Uli Burchardt sagte in der von CDU-Stadtrat Wolfgang Müller-Fehrenbach angestoßenen Debatte, die Reihenfolge der Gespräche sei immer „ein Ritt auf der Rasierklinge“. Zumal in Konstanz der Wohnraum schon vor der Ankunft der Flüchtlinge sehr knapp gewesen sei und es nicht zu einer „Konkurrenz zwischen den einen Wohnbedürftigen und den anderen Unterbringungsbedürftigen“ kommen dürfe. Der Landkreis, der für die Flüchtlinge verantwortlich sei, brauche „schnell große Objekte“.

Klar ist schon jetzt, dass auch die zusätzlichen Plätze im Zergle und an der Max-Stromeyer-Straße keinesfalls reichen werden. Noch bevor sie gebaut sind, muss Konstanz weitere Unterbringungen schaffen: 700 Flüchtlinge wird Konstanz bis Jahresende unterbringen müssen. Die Nutzung von Turnhallen, die dann nicht mehr zur Verfügung stehen würden, wolle man mit allen Mitteln vermeiden, so Osner.

Herbert Weber (SPD) forderte die Stadtverwaltung auf: „Gehen Sie an die Leerstände heran.“ So könnten Gebäude auch vorübergehend zu Unterbringungszwecken beschlagnahmt werden. Das motiviere vielleicht die Besitzer, Wohnungen regulär zu vermieten. Christiane Kreitmeier (Freie Grüne Liste) sprach vom „Gerechtigkeitsempfinden“ der Bürger, die Flüchtlinge sollten über das ganze Stadtgebiet verteilt werden. Andreas Ellegast (CDU) warnte: „Die Stimmung kann plötzlich umkippen.“ Auch in Egg, wo er wohnt, gebe es einen Konsens: „Selbstverständlich sollten wir Flüchtlinge unterbringen.“ Dafür dürfe aber kein Spielplatz geopfert werden. Besser sei es, notfalls Naturschutzgebiete zu „arrondieren.“

 

Unterbringung von Flüchtlingen

Krieg, Gewalt und Not in Westafrika, Syrien oder den Balkanstaaten treiben Menschen in die Flucht. Wenn sie nach Deutschland kommen, müssen sie untergebracht werden:


Erstunterbringung: Die Flüchtlinge werden nach einem Schlüssel den einzelnen Landkreisen zugewiesen. In den Heimen stehen jedem Flüchtling sechs Quadratmeter zu. Sie müssen dort bis zu 24 Monate bleiben, falls nicht zuvor über ihr Gesuch entschieden wurde (Aufnahme oder Ausweisung/Abschiebung).

 

Anschlussunterbringung: Wer dauerhaft in Deutschland bleiben darf, braucht eine Anschlussunterbringung. Das Landratsamt dazu: „Aufgrund der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt im Landkreis Konstanz ist es oftmals nicht möglich, dass die Flüchtlinge privat eine Wohnung finden. Zur Sicherstellung der Unterbringung ist jede Stadt/Gemeinde im Landkreis verpflichtet, entsprechend ihrer Einwohnerzahl Flüchtlinge aufzunehmen. Die Gemeinde muss daher Wohnraum suchen und zur Verfügung stellen.“

 

Jugendliche: Unbegleitete Kinder und Jugendliche bleiben stets in dem Landkreis, in dem sie nach Deutschland eingereist sind. Der Kreis Konstanz hat hier aufgrund seiner Grenzlage eine besondere Aufgabe zu stemmen. Im Moment ist vor allem das Pestalozzi-Kinderdorf Wahlwies aktiv. (rau)

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Asylbewerber im Kreis Konstanz: Im Jahr 2012 hat der Landkreis Konstanz rund 150 Asylbewerber neu aufgenommen. 2014 waren es bereits 779 Personen. Damit lebten Ende 2014 insgesamt 911 Flüchtlinge im Landkreis. Bis Ende 2015 sollen es über 2000 Personen sein. Im SÜDKURIER-Themenpaket lesen Sie Hintergründe und aktuelle Artikel zum Thema.

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