Konstanz -
Hochwasser und viel Regen schaffen beste Bedingungen für Stechmücken. Viele ärgern sich über die kleinen Blutsauger
Moskitonetze und Mückenschutzspray auf dem Tisch, Klebeband in der Hand: Ilona und Günter Rutsch aus Ulm rüsten sich auf dem Campingplatz Klausenhorn in Dingelsdorf gegen die Bodenseeschnake.
Bild: Wüst/Uni KN
Michael Dienst in Badehose beim Schnakentest: SÜDKURIER-Bericht am 8. August 1991.
Michael Dienst, Biologe: "Ich wollte mit der Aktion ausdrücken, dass es nicht so schlimm sein muss, von Schnaken gestochen zu werden."
Karl-Otto Rothhaupt vom Limnologischen Institut der Uni Konstanz: "Wir erwarten viele Schnaken in diesem Sommer."
Es war an einem Mittwochabend im August 1991. Da stand Michael Dienst nur mit Badehose bekleidet am Konstanzer Bodenseestrand. Der Biologe von der Arbeitsgruppe Bodenseeufer wollte allerdings gar kein erfrischendes Bad nehmen. Es ging um einen Test: Wie oft würde der Mann wohl von Schnaken gestochen werden? 40 Stiche in fünf Minuten – so berichtete der SÜDKURIER am nächsten Tag. Heute erzählt Michael Dienst (58), der damals noch Stadtrat der Freien Grünen Liste war: „Ich wollte mit der Aktion ausdrücken, dass es nicht so schlimm sein muss, von Schnaken gestochen zu werden. Besser ist es oft, einfach die Ruhe zu bewahren“. Im Sommer 1991 war die Belästigung durch Stechmücken Thema im Alltag. Da wurde auch darüber diskutiert, ob nicht doch umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen angebracht seien.
Und in der letzten Juni-Woche 2012 sind die kleinen Blutsauger am Bodensee wieder ernsthaft lästig. Plötzlich sind die Schnaken da. „Das ist eine Zumutung“, sagt Bettina Offner, die mit der Meinung nicht allein steht. 50 Schnakenstiche an einem Abend hat sie gezählt. „Die werden so dick wie Wespenstiche“, klagt Offner. Die Konstanzerin fragt sich, warum man die Stechmücken nicht systematischer bekämpfen kann, so wie das auch in den Rheinauen geschieht.
Die Camper am See haben ihre Sicht der Dinge. „Eine Plage ist es nicht, es gibt Schnaken, aber das ist halt die Natur“, antwortet Klaus Engelmann auf die Frage, ob die Schnaken auf seinem Campingplatz am Klausenhorn in Konstanz-Dingelsdorf ein Problem darstellten. Bei nassem Wetter und hohem Wasserstand gebe es nun mal vermehrt Schnaken. „Das ist dann aber gut für unsere Vögel“, fügt er hinzu. Man müsse eben ein paar Regeln beachten, sagt Engelmann an die Adresse der Feriengäste. Wie zum Beispiel das Ehepaar Rutsch aus Ulm. „Wir sind erst einen Tag da, aber die Jahre zuvor war das nie ein großes Problem“, erklärt Günter Rutsch. Er ist gerade dabei, Moskitonetze mit Klebeband an den Fenstern seines Campinganhängers zu befestigen. Seine Frau Ilona hat es sich bereits auf einem Campingstuhl mit einem Buch gemütlich gemacht. Für alle Fälle hat sie ein Mückenschutzspray dabei. „Das hilft auch immer ganz gut“, sagt sie. Ansonsten kommen die zwei schon länger an den Bodensee zum Campen. „Bisher war es okay“, so Ilona Rutsch. „Aber wenn man mal verschwitzt ist, dann dauert es keine drei Minuten und die Schnaken sind da“, hat Günter Rutsch schon festgestellt.
Ob man derzeit von einer Schnakenplage sprechen kann? Für Karl-Otto Rothhaupt ist zumindest sicher: „Wir erwarten viele Schnaken in diesem Sommer“. Der Professor am Limnologischen Institut der Universität Konstanz, der sich mit den Lebewesen im See und somit auch mit Schnaken beschäftigt, verweist auf die besonders guten Voraussetzungen für die Blutsauger. Der Wasserstand des Sees ist ausgesprochen hoch. So wurden viele Eiablageplätze der Schnaken überschwemmt, die Larven konnten unter geeigneten Bedingungen schlüpfen. Neben den sogenannten Überschwemmungsmücken entwickeln sich auch die Hausschnaken prächtig. Infolge der ergiebigen Regenfälle seien jede Pfütze und jeder Tümpel gut gefüllt, die diese Mücken zur Eiablage nutzen, macht Rothhaupt klar.