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Konstanz Sobibor und das Schicksal von 250 000 Juden

Zwei Konstanzer Schüler haben an einer Gedenkstättenfahrt in das Vernichtungslager Sobibor im Dritten Reich teilgenommen

Organisiert hatte die Reise der „Zug der Erinnerung e.V.“. Die 14-jährige Gaia Quintini und der 17-jährige Tim Hoffmann haben ihre Eindrücke von der Fahrt für den SÜDKURIER niedergeschrieben.

„Zur Vorbereitung der Fahrt haben wir uns im Internet und im Stadtarchiv auf die Suche nach Hinweisen auf Konstanzer Juden gemacht, die in das Durchgangsghetto Izbica, das KZ Lublin-Majdanek oder in das Vernichtungslager Sobibor deportiert worden waren“, schreiben sie. Nach einer Spurensuche in Berlin und einem Zeitzeugengespräch führte sie die Fahrt über Warschau nach Lublin, in das KZ Lublin-Majdanek, nach Zamosc zum Zeitzeugengespräch und schließlich nach Izbica und nach Sobibor. Höhepunkt sei die Teilnahme an der internationalen Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestages des Aufstandes von Sobibor gewesen, erklären die zwei Schüler. Auch drei ehemalige Häftlinge hätten teilgenommen: Philip Bialowitz, Thomas Blatt und Jules Schelves. 1942 habe die deutsche Besatzung in Sobibor das Vernichtungslager errichtet, in dem bis Oktober 1943 über 250 000 Juden ermordet worden seien, schreiben Gaia Quintini und Tim Hoffmann. Am 14. Oktober 1943 hätten wenige Inhaftierte einen bewaffneten Aufstand organisiert und etwa 350 Menschen sei die Flucht gelungen, nachdem sie es geschafft hätten, zwölf SS-Männer und einige ukrainische Wachmänner auszuschalten. Nur 47 der Entflohenen hätten bis Kriegsende überlebt.

„Nach dem Aufstand wurde das Lager von den Nazis vollkommen zerstört“, beschreiben die Schüler.

Bis heute gebe es in Sobibor eine nur kleine Gedenkstätte, die ständig von Schließung bedroht sei. Diese soll neu gestaltet und für die Zukunft gesichert werden, wofür sich auch die Überlebenden seit Jahren einsetzten. Mit Erschütterung hätten die zwei jungen Konstanzer vor Ort erfahren, dass sich die Bundesrepublik Deutschland an der schwierigen Finanzierung nicht beteilige. Das Auswärtige Amt habe erklärt, dass Deutschland nicht gefragt worden sei, weil es keine deutschen Inhaftierten gegeben habe. Im Internet seien die Jugendlichen jedoch auf über 4000 Namen von Opfern aus Deutschland gestoßen, die in Sobibor ermordet worden seien. Hinzu kämen Tausende, von denen nicht genau bekannt sei, in welchem der östlichen Vernichtungslager sie umkamen. Für die Gedenkfeier in Sobibor hatten Gaia Quintini und Tim Hoffmann deshalb Poster vorbereitet, die exemplarisch deutsche Opfer und Namen zeigten, über deren Schicksal die zwei Schüler selbst recherchiert hatten. In einer stillen Prozession trugen sie die Plakate durch die Gedenkallee. Dabei seien sie mit vielen Menschen, darunter israelische Jugendliche, ins Gespräch gekommen.

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