Konstanz -
Umweltschützer aus dem Bodenseeraum wollen die lokale Energiewende vorantreiben: Sie haben die grenzüberschreitende Energiegenossenschaft Energia Bodensee eG in Konstanz gegründet. „Uns ist ganz wichtig, dass Bürger aus dem gesamten Bodenseeraum, auch aus Österreich und der Schweiz, bei uns mitmachen können“, sagt Karl-Ulrich Schaible, stellvertretender Vorsitzender der Genossenschaft.Felix Köhler vom Aufsichtsrat bringt die Idee auf den Punkt: „Beim Schwimmen im Seerhein spürt man die Energie der Natur und diese wollen wir nutzen.“ Wer Mitglied der Genossenschaft wird, kauft einen Anteil an gemeinschaftlich betriebenen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien.
Sie wollen die lokale Energiewende vorantreiben: Felix Köhler (links) und Karl-Ulrich Schaible zeigen den Aufnahmeantrag für die Genossenschaft Energia Bodensee, die unter anderem Wasserkraft nutzen will.
Bild: Hanser
Die Energia möchte sich nicht auf ein Standbein begrenzen, sondern sich breit aufstellen. Denkbar sind Beteiligungen an Mini-Flusskraftwerken, an Photovoltaikanlagen und Windkraftwerken. „Später könnten Gasspeicherkraftwerke interessant werden“, sagt Felix Köhler. Die Genossenschaft könnte auch eigene Anlagen bauen. „Der Einsatz für die Energiewende vor Ort ist uns wichtiger als die Beteiligung an einem Projekt irgendwo in Deutschland“, so Schaible. „Die Leute sollen sehen, dass der Zähler an ihrer Anlage steigt, wenn die Sonne scheint. Dann merken sie, dass es in der Kasse klingelt.“ Hier hakt Felix Köhler ein: „Wichtiger als das Geld sind uns aber der Umweltschutz und die Verantwortung für kommende Generationen. Um etwas zu verdienen, gibt es interessantere Geldanlagen.“
Wer in die Genossenschaft eintritt, kann bis zu 100 Geschäftsanteile erwerben, einer kostet 100 Euro. „Wir haben den Betrag bewusst so niedrig gehalten, damit wir viele Bürger erreichen“, sagt Karl-Ulrich Schaible, der sich auch als Ortsvorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Konstanz engagiert. Jedes Mitglied hat eine Stimme, ob es nun einen oder 100 Anteile gezeichnet hat. Die Energia hat schon erste Ideen für Projekte vor Ort. „Es sieht so aus, als könnten wir eine 50-Kilowatt-Anlage auf dem Dach eines Gewerbekunden realisieren“, sagt Felix Köhler. Damit könnten rund 16 Haushalte mit Strom versorgt werden. Pläne für ein 400-Kilowatt-Flusskraftwerk lägen auch schon in der Schublade, so Köhler, der Geschäftsführer eines IT-Unternehmens ist. „Dafür müssten wir aber zwei oder drei Millionen Euro investieren. Wir möchten erstmal kleine Brötchen backen“, sagt er.
Die Genossenschaft macht ihren Mitgliedern ein weiteres Angebot: Wer eine Photovoltaik-Anlage auf sein Dach bauen möchte, aber nicht 20 000 Euro bezahlen will, kann die Energia um Hilfe bitten. „Wir mieten das Dach und bauen die Anlage, so dass der Antragsteller Mieteinnahmen hat und die Investition nicht selbst stemmen muss“, sagt Karl-Ulrich Schaible. Entstanden ist die Idee einer Energiegenossenschaft aus den Montagsmahnwachen gegen Atomenergie. Daraus hat sich der Arbeitskreis Energiewende Konstanz-Kreuzlingen gebildet. Dieser wiederum hat sich überlegt, dass er nicht nur demonstrieren, sondern handeln will. Nun sucht die Energia noch Mitglieder. „Je mehr wir sind, desto mehr Geld haben wir, um aus eigener Kraft ein Projekt umzusetzen. Das zeigt den Banken, dass wir nicht nur ein Haufen Idealisten sind, und wir bekommen hoffentlich günstige Kredite“, sagt Schaible.
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