Konstanz Sie kämpfen für eine bessere Welt

Wenn zwei unpolitische Menschen Gerechtigkeit fordern: Die Konstanzer Ulrich Riebe und Tom Stelling bündeln auf der Internetseite „Echte Demokratie jetzt!“ Informationen zu weltweiten Bürgerprotesten.

„Ich bin kein politischer Mensch“, sagt Ulrich Riebe (35 Jahre) über sich, was einigermaßen überrascht. Schließlich hat er mit Tom Stelling (44 Jahre) die Internetseite „Echte Demokratie jetzt!“ auf die Beine gestellt. „Wir sind zumindest keine politischen Menschen im herkömmlichen Verständnis“, präzisiert Tom Stelling.

Die beiden Konstanzer stehen für ein neues Politikverständnis, das nicht mit politischen Forderungen daherkommt, sondern zunächst einmal grundsätzliche Fragen stellt und den Austausch, die Kommunikation und den Konsens sucht. Dies hört sich anfangs vielleicht etwas vage und abstrakt an, aber Ulrich Riebe und Tom Stelling wollen angesichts der komplexen weltpolitischen Lage nicht vortäuschen, einfache Lösungsansätze anbieten zu können.

Ihre Webseite „Echte Demokrat ie jetzt!“, die die beiden in einer „Nacht- und Nebelaktion“, wie Ulrich Riebe sagt, Ende Mai 2011 ins Leben gerufen haben, wurde durch die Proteste in Spanien Mitte Mai 2011 unter dem Motto „Democracia Real YA“, inspiriert. Vor allem Arbeitslose, Studenten und Jugendliche demonstrierten dort friedlich gegen die soziale und politische Situation in Spanien. „Wir haben erkannt, dass in der Welt etwas Wichtiges passiert und wollen darüber berichten“, erklärt Ulrich Riebe. 

Auf ihrer Seite www.echte-demokratie-jetzt.de finden sich vor allem Links zu Zeitungsartikeln, Blogeinträgen und Youtube-Videos rund um die Proteste in Spanien, Griechenland, Chile den USA und Deutschland, aber auch einige eigene Meinungsbeiträge. Bis zu 10 000 Besucher täglich hat die Seite zu Spitzenzeiten rund um Protesttage. „Wir wollen zeigen, dass 2011 eine neue weltweite Protestbewegung entstanden ist, in der sich auch in demokratischen Ländern viele Menschen für einen friedlichen Wandel engagieren und für mehr soziale Gerechtigkeit auf die Straße gehen“, erklärt der Kommunikationstrainer und Politikwissenschaftler Tom Stelling, der aus Braunschweig kommt und seit 1989 in Konstanz lebt.

Die beiden Konstanzer, die sich in ihrem ganzen Leben noch nie parteipolitisch engagiert haben, sind auch mit aktiv bei Occupy Konstanz, beanspruchen aber nicht für die Bewegung zu sprechen. „Die Occupy Bewegung zeichnet sich durch Dezentralität aus und jeder kann zuerst einmal nur für sich sprechen. Die Frage wer wen repräsentiert und wie man zu Entscheidungen kommt, so weit sind wir in Deutschland noch nicht“, erklärt Ulrich Riebe, der 2002 für sein Philosophiestudium von seiner Heimatstadt Nürnberg nach Konstanz zog und als Web 2.0 Consultant und Panoramafotograf arbeitet.

Doch nicht nur die große Weltpolitik interessiert sie, auch im Lokalen wollen Tom Stelling und Ulrich Riebe Akzente setzen. Jeden Montag trifft sich die Occupy Konstanz Gruppe im Restaurant Wendelgard, um über aktuelle Themen ins Gespräch zu kommen. Ein Thema, dass ihnen dabei sehr am Herzen liegt, ist der Erhalt des öffentlichen Raumes. So treten sie unter anderem dafür ein, den Park Büdingen an der Seestraße der Öffentlichkeit als „Bürgerpark“ zugänglich zu machen anstatt ihn weiter zu bebauen. „Im Moment haben wir aber mehr Fragen als Antworten. Die Zukunft ist offen und wir haben keine konkrete Idee, wo es hingehen soll“, zeigen sich die beiden vorerst bescheiden.

Für Mitte Mai, rund um den Jahrestag des Beginns der Proteste in Spanien, sind weitere Veranstaltungen auch in Deutschland geplant. „Dann werde ich wieder auf die Straße gehen, und wenn wir nur zu dritt sind“, sagt Ulrich Riebe augenzwinkernd.

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