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Konstanz Sie haben die kältesten Jobs

14.02.2012
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Bei diesen eisigen Temperaturen ist jeder froh, der in einem Büro arbeiten darf. Doch es gibt sie, jene, die raus in die Kälte müssen.

– „Ich fühle mich wie ein Michelin-Männchen“, sagt Petra Noll, die gerade ihr drittes Paar Handschuhe überstreift. Noll ist schon seit über zehn Jahren Postbotin in Konstanz und hat schon einige kalte Winter überstanden und weiß, wie man sich vor der Bärenkälte schützen kann. Wie viele Schichten sie heute trägt, weiß sie schon gar nicht mehr so recht: Ohne zwei lange Unterhosen, drei Paar Socken, Thermohose, mehrere Fließjacken und einen Anorak geht sie nicht mehr auf Tour. Dieser Winter zehrt schon sehr an den Reserven der Briefträgerin. Besonders deutlich sieht man dies an der roten schniefenden Nase, die der Kälte gnadenlos ausgesetzt ist. Nachdem sie nochmal überprüft hat, dass sie alle Briefe sicher verstaut hat, setzt sie ihr gelbes, schweres Postfahrrad in Bewegung und startet ihren Rundgang bei minus zwölf Grad.

Seit knapp zwei Wochen hat die Kälte nun Deutschland im Griff. Laut dem deutschen Wetterdienst fehlt nicht mehr viel, dann geht dieser Februar als einer der kältesten Monate in der Geschichte der Wetteraufzeichnung ein. Der kühlste Februar war allerdings 1956. Damals klettern die Werte im Durchschnitt nicht über minus 9,6 Grad. Aktuell verzeichnen die Außenthermometer oft auch nicht mehr. Der frostigste Winter in Deutschland war allerdings 1962/63. Damals fror sogar der Bodensee zu.

Bei dieser so genannten „Russenkälte“ geht kaum ein Mensch freiwillig vor die Haustüre. Dennoch gibt es sie. Die Helden, die der Kälte trotzen: Müllmänner, Zollbeamte, Postboten, Türsteher und noch viele andere Berufsgruppen wagen sich täglich ins Freie. Auch Uwe Serrer ist einer von ihnen. Er steht täglich mit seinen Kollegen vom Zoll in der Kälte. Dick eingehüllt in spezielle Kleidung, kontrolliert der Zollhauptsekretär den Durchgangsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland am Zollamt Emmishofer Tor.

„Das schlimmste an diesem Wetter ist noch nicht mal die Kälte, sondern vielmehr der eiskalte Wind“, erzählt der Zollbeamte. Mit Mütze, Handschuhen, Thermosocken und Winterschuhen bewaffnet, steht er bei Wind und Wetter an der Grenze. Bei der Kälte falle sogar das Atmen schwer und die Finger beginnen zu schmerzen. Doch gerade diese könne man nicht immer richtig schützen, meint Serrer und reibt sich die Hände. „Wenn wir einen Wagen kontrollieren und diesen dann auch durchsuchen, müssen wir die Handschuhe ausziehen. Immerhin brauchen wir Gefühl in den Fingern. Oft hat unser Tastsinn die ein oder andere Schmuggelware offenbart“, erzählt er. Aber allzu lange kann man die Eiseskälte nicht aushalten. Dann wärmen sich Serrer und sein Kollege im Zollamt auf. „Im 15- bis 30-Minuten-Takt wechseln wir uns mit Kollegen ab“, sagt der Beamte. Auch wenn sie teilweise durch ein kleines Zollhäuschen geschützt sind, so findet der eisige Wind meist einen Weg durch die Winterkleidung.

Aber auch in Innenräumen kann es mitunter mal ziemlich kühl werden. Das spüren momentan vor allem die Heizungsmonteure. Im Handwerksbetrieb Dietenmeier und Harsch Haustechnik gehen durchschnittlich drei bis vier Mal so viele Notrufe wie üblich ein. Am Wochenende seien sieben Mann ständig unterwegs und würden eingefrorene Leitungen wieder auftauen oder funktionsuntüchtige Heizungskörper reparieren. Denn wenn es draußen schon bis zu minus 15 Grad hat, geht die Temperatur in schlecht isolierten Häusern schnell in den Keller. In der Magdeburger Straße waren sogar ganze Häuserblöcke bis zu 24 Stunden ohne Heizung. Anwohner konnten sich nur mit Radiatoren (Wärmestrahlern), viel heißem Tee und warmen Decken behelfen. Doch bei immerhin noch plus zwölf Grad in den Wohnungen, kann man sich noch irgendwie aufwärmen, erzählt eine Anwohnerin.

Dagegen kann man den durchgefrorenen Erdboden nicht so leicht aufwärmen. Somit legt das Wetter auch Baustellen buchstäblich auf Eis. Die Wetterbedingungen zwingen auch die Entsorgungsbetriebe Konstanz, die Bauarbeiten niederzulegen, wie zum Beispiel in der Spanierstraße. „Momentan ist der Boden bis zu 30 Zentimeter gefroren, da sind Bauarbeiten unmöglich“, sagt Ulrich Schröder-Rauter, Abteilungsleiter für Planung und Bau. Alle Materialen seien gefroren und können somit nicht mehr richtig verdichtet werden. „Der Wintereinbruch wirft uns ziemlich zurück“, so Schröder-Rauter. Er hoffe, dass die Arbeiten nach Fasnacht wieder aufgenommen werden können. Die Verzögerung könne man aber nicht mehr aufholen.

Mit Verzögerungen muss man in diesen Tagen immer rechnen, auch beim Austragen der Post, bestätigt Noll, während der Schnee unter ihren Schuhen knirscht. Routiniert steigt sie die Stufen zu einem Hauseingang hoch und warnt: „Die Stufen können glatt sein. Damit habe ich schon einige leidige Erfahrung machen müssen“ sagt sie und deutet auf eine verdächtig glänzende Stelle. Und tatsächlich: Die Stufen sind spiegelglatt. Mit ihren dick behandschuhten Fingern blättert sie die Briefe durch und wirft sie in die Briefkästen, die bei Temperaturen unter null Grad auch mal zugefrorenen sein können. Durch die Handschuhe sei es schwieriger, die Briefe richtig zu greifen. „Dadurch, dass ich kaum ein Gefühl in den Fingern habe, brauche ich länger, um die Briefe einzeln zu greifen und einzuwerfen“, sagt sie, während sie mit einem Bündel kämpft.

Schließlich hat sie es doch geschafft und freut sich darüber, dass sie als Nächstes ein Einschreiben überbringen soll. „Dann kommt man mal wieder ins Warme und ich mache extra etwas langsamer“, erzählt und schmunzelt sie. Man müsse jede Gelegenheit nutzen, um sich etwas aufzuwärmen. Heißen Tee oder Kaffee nehme sie schon lange nicht mehr mit. „Irgendwann ist auch das Heißgetränk in der Thermoskanne gefroren“, erklärt sie. Trotz der eisigen Temperaturen macht ihr der Job Spaß. Denn zum Glück muss man hier nicht im ganzen Jahr mit der „Russenkälte“ kämpfen. Und sobald sie ein Mittel gegen die ständig laufende Nase gefunden hat, kann ihr das eisige Wetter fast nichts mehr ausmachen.

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