Sie beten weiter für die Stadt
02.08.2006
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Sie falten ihre Hände weiter zum Gebet für Konstanz, doch ihre helfenden Hände fehlen künftig in der Stadt: Nach 54 Jahren lösen die Hegner Klosterschwestern ihren Konvent St. Konrad im Taborweg auf. In der kleinen Kapelle haben sie ihren letzten Gottesdienst bereits gefeiert. Ende August wird die Wohnung, in der sie wie im Kloster lebten, ausgeräumt. Drei Schwestern wohnten zuletzt noch hier: Anastasia Moser (75), Ismelda Sumser (65) und Tresa John (58). Für Pfarrer Andreas Rudiger von der Seelsorgeeinheit Petershausen ein schwerer Abschied.
"Uns ist nicht zum Feiern zumute", sagt Rudiger. Die Schwestern seien wichtige Gesprächspartner für die Menschen gewesen. "Allein durch ihre Ordenskleidung geben sie ein Zeugnis für Jesus Christus ab", sagt Rudiger. Ein wenig kann über den Verlust trösten, dass die Hegner Niederlassung im Vincentius-Krankenhaus erhalten bleibt. Dort leben und arbeiten zwei Hegner Schwestern. Tresa John wird zu ihnen ziehen und ihre Stelle im Kindergarten Bruder Klaus behalten. Doch die beiden anderen Schwestern aus dem Taborweg verlassen die Stadt Richtung Schwarzwald. So hat es ihr Orden der "Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz" entschieden, dessen baden-württembergisches Haupthaus in Allensbach-Hegne ist.
Das Aus für das über 50 Jahre alte Konvent ist Folge einer allgemeinen Entwicklung im Orden. Die Schwestern werden immer älter, Nachwuchs ist rar. Früher gehörten zum Hegner Haus einmal über 1000 Schwestern, es gab mehr als 100 Niederlassungen. Heute sind es weniger als 400 Schwestern. Die Zahl der Niederlassungen schrumpfte auf 45. Ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar. Auch in Konstanz taten einst über zehn Schwestern ihren Dienst. Die ersten von ihnen waren 1952 als Krankenschwestern gekommen und lebten zunächst im alten Pfarrhaus in der Wollmatinger Straße. Zwei Jahre später arbeiteten sie auch im Kindergarten St. Suso. 1974 wurden sie der Sozialstation St. Konrad zugeordnet.
Die drei betroffenen Schwestern Anastasia Moser, Ismelda Sumser und Tresa John berichten, in der Wohnung im Taborweg hätten Regeln wie im Kloster geherrscht, mit festen Gebets- und Essenszeiten. Bei ihrer Arbeit in der Sozialstation oder im Kindergarten sind die Frauen von der Erzdiözese regulär angestellt. Ihr Gehalt fließt aber an den Orden, nicht an sie. Dieser bestimmt auch, wo sie ihren Dienst leisten und wann sie an einen neuen Ort wechseln müssen. Die frei werdenden Stellen in der Sozialstation kann Pfarrer Rudiger neu mit weltlichen Kräften besetzen. "Doch die Schwestern waren auch Seelsorgerinnen", sagt der Pfarrer. Schwester Ismelda Sumser berichtet: "Durch unsere Tracht sprechen uns die Menschen eher an." Sie erinnert sich an solche Gespräche, etwa bei Busfahrten. Schwester Tresa John erzählt: "Die Menschen erzählen uns von ihrem Schicksal."
Auch geistlich hätten die Schwestern segensreich gewirkt, ist Pfarrer Rudiger überzeugt: "Ihr stilles Beten im Verborgenen für andere wird uns fehlen." Doch in ihren Gebeten wollen die Schwestern weiter an die Stadt und ihre Menschen denken. Schwester Ismelda Sumser versichert: "Die Gebetsverbindung nach Konstanz bleibt."
Frank van Bebber
