Ob punktgenaue Darstellung großer Datenmengen, präzise Auswertung von Wahlergebnissen oder visuelle Finanzdatenanalyse: Die Konstanzer Powerwall kombiniert "hochkomplex" mit "hochauflösend", macht dadurch größte Datenmengen sichtbar und für Forscher, Firmen und Schulklassen begreifbar.
Die riesige Projektionswand im Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft der Uni Konstanz setzt Maßstäbe. Auf einer Fläche von elf Quadratmetern, rückseitig bestrahlt von acht synchronisierten Projektoren, ergibt sich mit einer Auflösung von neun Megapixeln ein perfektes Bild. Klar, dass die Informatiker die 600 Kilogramm schwere Projektionsscheibe nicht mal eben im nächsten Elektromarkt besorgt haben, sondern 2005 dafür den Spezialanbieter Barco und zwei Gabelstapler benötigten.
Dank der enormen Auflösung ist oft keine Reduktion von Informationen erforderlich, Daten können vollständig angezeigt werden. Das eröffnet den Blick auf Gesamtzusammenhänge und Details. Die Powerwall hat für unterschiedliche Fragen die richtige (Auf-) Lösung: Die Bewertung von Marketingdaten kann bis in kleinste geographische Einheiten betrachtet werden. Die Entwicklung von Bevölkerungszahlen oder Aktienkursen mehrerer Länder kann parallel angezeigt und optimal verglichen werden. Pflanzen werden fotorealistisch zum Wachsen und Prototypen neuer Automodelle in Originalgröße zum Fahren gebracht. "Wir verwandeln schlichte Balkendiagramme in übersichtliche Datenlandkarten, auf denen sich pixelgenau erkennen lässt, wo die besten Kunden oder die treuesten Stammwähler sitzen", erläutert Daniel Keim, Professor am Fachbereich, die Stärke der Datenwand.
Die Powerwall wird auch intensiv für die Lehre und Wissensvermittlung eingesetzt. Klassen fast aller Konstanzer Schulen haben bereits einen Blick auf den gigantischen Bildschirm geworfen. "Ein regelrechter Besuchermagnet", erklärt Hartmut Ziegler, Doktorand am Lehrstuhl für Informatik: "Ob beim Girls Day der Handwerkskammer, auf dem Schülerkongress science4us oder bei Besuchen von Klassen: die Kinder machen jedes Mal große Augen." Für Ziegler das ideale Medium, um die vermeintlich trockene Informatik spannend zu präsentieren und potenzielle Nachwuchsforscher für seine Disziplin zu begeistern. Diesen interaktiven Ansatz will er im Jahr der Wissenschaft vertiefen und Jugendliche an der Powerwall arbeiten lassen. Alles andere als eine Spielerei, denn Ziegler und seinem Kollegen Werner König geht es darum, zu untersuchen, wie Schüler die futuristisch anmutenden Bedienungsmöglichkeiten annehmen. Im Jahr der Wissenschaft erhofft sich vor allem der Lehrstuhl für Human-Computer Interaction von Professor Harald Reiterer Erkenntnisse für die Weiterentwicklung dieser Technologien.
Die Informatiker der Universität arbeiten an der Powerwall mit internationalen Firmen wie Hewlett Packard, AT&T oder Microsoft Research zusammen. Ein Projekt von Professor Oliver Deussen befasst sich mit der Visualisierung von Gigapixel-Bildern, Professor Dietmar Saupe arbeitet an der Visualisierung von Sport-Trainingsdaten. Erfolgsentscheidend ist für Professor Daniel Keim die Kooperation vor Ort. Die Zusammenarbeit mit innovativen Konstanzer Firmen wie der IN-GmbH, dem SÜDKURIER oder die mehrjährige Kooperation mit Siemens Postautomatisierung, die sich auf Schrifterkennung und Logistik spezialisiert hat, unterstreichen das Potenzial der starken Wand.
