Konstanz -
Wer das Allensbacher Strandbad am Sonntag gegen 10.30 Uhr betrat, dem war sofort alles klar: So geknickt wie die Mitglieder der DRLG um den Anmeldungstisch herum sitzen, und so miesepetrig wie die wenigen Schwimmer in ihren Neoprenanzügen oder ihrer Badebekleidung aussehen, kann das 33. Gnadenseeschwimmen nur auf den 5. August verschoben worden sein. Und genauso war's: Wegen der recht kühlen Wasser- und Lufttemperaturen um 20 Grad und der wechselnden Windverhältnisse mit starken Böen hatten die Veranstalter gegen 10 Uhr zusammen mit dem Vereinsarzt die Verschiebung beschlossen.
Hatte nach der Absage dennoch was auf dem See zu tun: Alexander Kennedy, technischer Leiter der DLRG.
Bild: DLRG
„Der penetrante Wellenschlag, der durch den Wind verursacht wird, ist sehr kräftezehrend. Zusammen mit den kühlen Temperaturen kann es schnell zu Kräfteverschleiß und Unterkühlung kommen“, erklärt der erste Vorsitzende der Allensbacher DLRG, Heiner Fritze. Für Freizeitschwimmer wären die etwa 1500 Meter von der Insel Reichenau bis zum Strandbad Allensbach zu gefährlich gewesen.
Viele Schwimmer zeigen sich verständnisvoll, andere sehr enttäuscht. Vor allem diejenigen, die hier für den Megathlon am 29. Juli in Radolfzell trainieren wollten, oder die von weit her angereist waren, wie Andy Bauer und seine Tochter Maira Mandlmeir aus dem etwa 250 Kilometer entfernten Landau in der Pfalz. Die knappe Absage ärgert die beiden sehr.
„Wir haben angeregt, dass eine Gruppe geübter Schwimmer mit Begleitung der DLRG trotzdem schwimmen kann, konnten aber die Veranstalter nicht überzeugen“, so Bauer. Denn Fritze bleibt seinem Standpunkt treu: „Das ist ein Volksschwimmen, und wenn wir absagen, dann konsequent“, betont er. Die Mitglieder der DLRG waren nicht weniger enttäuscht, denn wochenlang hatten sie sich auf den Einsatz vorbereitet. Trotz der Verschiebung blieb noch einiges zu tun. So fuhren Alexander Kennedy, technischer Leiter der DLRG, und zwei weitere Vereinsmitglieder mit ihrem Boot den Helfern des technischen Hilfswerkes aus Radolfzell entgegen, die mit ihrer Fähre das Übersetzen der Schwimmer zum Start auf der Reichenau bewerkstelligen sollten. Das Schiff war schon auf dem Weg nach Allensbach. „Wir bringen ihnen jetzt das Grillfleisch, denn sie grillen nach dem Einsatz immer auf der Fähre“, erklärte Kennedy. So wurde eben ohne getane Arbeit gegrillt.
Unterwegs musste Bootsführer Oliver Jauch das Boot oft stoppen, denn mehrere Schiffe anderer DLRG-Gruppen kamen den Allensbachern entgegen und wurden über die Verschiebung informiert. Auch mit der Wasserschutzpolizei beriet Kenndey sich kurz. Etwa sechs Schwimmer brachen trotz fehlender DLRG-Begleitung zur Seeüberquerung auf. Verbieten könne man ihnen dies trotz der großen Gefahren leider nicht, entschieden die Polizeibeamten.
An Land wehte derweil Grillfleischduft durchs Strandbad, denn das geplante Grillen fand trotz allem statt. Für die Meisten wohl ein schwacher Trost, aber vielleicht klappt es ja am 5. August.
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