Die Stimmung unter den Geschäftsleuten im Center ist nach einem Hoffnungsschimmer vor einem Jahr wieder auf dem Nullpunkt angelangt. „Wir wissen gar nichts und hängen total in der Luft“, sagt ein Verkäufer, der seit vielen Jahren seine Kunden im ehemals schicken Seerhein-Center betreut. „Der Center-Manager kommt nur alle vier Wochen hierher und der Insolvenzverwalter sagt uns nichts. Von ihm haben wir keine Unterlagen außer der Kontonummer, auf die wir die Miete überweisen müssen. Wir Geschäftsleute sind die Dummen“, sagt der Verkäufer, der wie alle Händler im Einkaufszentrum nicht mehr mit Namen genannt werden möchte. Das war schon einmal anders, aber die Stimmung im Haus lässt die Geschäftsleute vorsichtig werden. Center-Manager Franz Jebavy möchte auch keine Fragen beantworten. Er sagt, er dürfe nicht: „Wir haben keine Freigabe des Insolvenzverwalters“, schreibt er auf SÜDKURIER-Nachfrage.
Seine Präsenz vor Ort scheint nachgelassen zu haben: Zu Beginn seiner Zeit in Konstanz, ziemlich genau vor zwei Jahren, sagte Franz Jebavy noch, er wolle alle zwei Wochen ins Seerhein-Center kommen.
Der Renovierungsstau im früheren Einkaufsmagneten von Petershausen ist nicht zu übersehen. Am Eingang ist noch immer keine Gastronomie eingezogen, die Räume einer Reinigung, eines Schuhladens und einer Bäckerei stehen weiterhin leer. Seit kurzem sind auch Schlecker und die Buchhandlung Bierkandt ausgezogen. Laut einer Geschäftsfrau wurde der Vertrag des über 70-jährigen Pächters nicht verlängert, obwohl er eine Nachfolgerin gefunden hatte. „Er musste Räumungsverkauf machen“, sagt die Händlerin. Auch ihr Vertrag läuft demnächst aus, sie hat keine Hoffnung auf Verlängerung. „Wir sind alle frustriert“, sagt sie.
Die Mieter verstehen auch nicht, warum sich zwei Jahre nach Bekanntgabe der Insolvenz des ehemaligen Eigentümers City Fonds 11 und Secur Verwaltungs-GmbH nicht viel getan hat. Constanze Baumgart hält diese Zeitspanne aber keineswegs für ungewöhnlich. „Der Insolvenzverwalter hat der Bank zwei verschiedene Finanzkonzepte vorgelegt, das musste erst entschieden werden“, so Baumgart. „Bis alles juristisch und betriebswirtschaftlich in die kleinsten Verästelungen geklärt ist und man die Bücher schließen kann, dauert es einfach seine Zeit.“ Die Insolvenz des bekannten Bauunternehmers Philipp Holzmann gehe zum Beispiel schon ins elfte Jahr. Die Center-Mieter tröstet das nicht. Sie wollen endlich Klarheit.
