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Konstanz Schwimmer bezwingen Gnadensee

27.07.2009
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Das Gnadenseeschwimmen zwischen der Insel Reichenau und Allensbach hat in diesem Jahr 368 Teilnehmer angelockt. Manche kamen sogar aus Berlin, Bremerhaven und Österreich. Nach über zwei Stunden kam die letzte Teilnehmerin in Allensbach an. Die DLRG ist froh, dass alle wieder wohlbehalten am Ufer landeten.

Beim zweiten Mal ist vieles einfacher. Das gilt auch für das Gnadenseeschwimmen. Bevor ich gestern ins Wasser ging, wusste ich: Letztes Jahr habe ich die 1650 Meter von der Insel Reichenau bis nach Allensbach schon einmal geschafft. Also steige ich frohgemut auf die Pontonfähre, mit der die DLRG Allensbach die Teilnehmer über den See schippert, bevor sie wieder zurück schwimmen. Der Anblick von ein paar hundert wenig bekleideten Menschen, die auf engem Raum zusammengepfercht sind, ist für mich also nicht neu – und trotzdem irgendwie komisch. Die Tretbootfahrer um uns herum haben jedenfalls ihren Spaß.

Auch die anderen 367 Schwimmer, die mit mir in diesem Jahr antreten, um den Gnadensee zu bezwingen, haben gute Laune. Der erste richtig schöne Sommertag nach Wochen macht vielen Lust auf einen sportlichen Sonntag. So besteigt auch eine Gruppe von zehn besonders lustvollen Teilnehmern die Pontonfähre. Die Gruppe ist zusammengesetzt aus Stuttgartern, Karlsruhern und Konstanzern. „Wir lernen immer neue Leute kennen, die sich uns anschließen“, erzählt Bernhard Adam, 54 Jahre, aus Ettlingen bei Karlsruhe vor dem Start. Die Gruppe hat sogar einen Namen. „Wir sind die Hydro-Hedonisten“, sagt Adam und grinst. Was diese Gruppe verbindet, ist schnell erklärt: Hydro verweist auf das Wasser und Hedonisten streben nach Lust als höchstem Gut im Leben, weil sie zum Glück führt. Kurz gesagt: Die Truppe hat Lust, durch Schwimmbewegungen Glück zu empfinden.

Die Überfahrt ist zu Ende. Wir steigen von der Pontonfähre und landen vor der Insel Reichenau im Matsch. „Igitt, überall Algen, ich habe mich noch nie so aufs Schwimmen gefreut“, ruft einer von links. Aha, da ist sie wieder, die Lust. 13.09 Uhr, das Startsignal ertönt. Der Anfang ist keine schöne Sache. Die Schnellen treten wild um sich, um voranzukommen. Wer dahinter schwimmt, hat Füße im Gesicht und schluckt Wasser. Ich rudere mich frei. Wo die Hydro-Hedonisten sind, weiß ich nicht. Ich konzentriere mich lieber auf eine junge Dame mit roter Badekappe. Sie schwimmt beharrlich neben mir her und will sich einfach nicht abschütteln lassen. Bis zur zweiten orangefarbenen Boje haben wir dasselbe Tempo, dann verliere ich sie aus den Augen. Mit einem Mix aus Kraul- und Brustschwimmen kämpfe ich mich voran und merke bald, dass ich auf einen Zickzack-Kurs gelangt bin. Vielleicht hätte ich doch trainieren sollen, dann könnte ich geradeaus schwimmen.

Andrea Briechle hat es schlauer angestellt. Die 46-jährige Konstanzerin ist vorher ein paar Mal im Frei- und im Hallenbad schwimmen gegangen. Dabei hat sie allerdings nicht auf die Distanz geachtet. „Ich mache ja zum Spaß mit“, sagt sie und unterstreicht, was auch die DLRG betont: Das Gnadenseeschwimmen ist ein Volksschwimmen und kein Wettkampf. Deshalb ist der jüngste Teilnehmer sechs Jahre alt, der älteste 77. Und deshalb treten die Männer der Reichenauer Feuerwehr mit Helm an und ziehen einen Schlauch hinter sich her. Aber ein bisschen persönlicher Ehrgeiz ist wohl doch bei jedem im Spiel. Andrea Briechle will nach 40 Minuten ankommen. Zur Orientierung: Der 16-jährige Konstanzer Felix Vitt stieg nach 17 Minuten ans Ufer, die letzte Schwimmerin nach über zwei Stunden.

Auch ich habe ein Ziel: Die 37 Minuten vom vergangenen Jahr zu halten. Ich sehe die letzte Boje und die ersten Gesichter am Ufer. Noch mal alles geben, dann ein Blick auf die Uhr: 35 Minuten. Mit leicht zittrigen Beinen steige ich ans Ufer, nehme die Medaille und einen Becher süßen warmen Tee entgegen. Nach ein paar Minuten steht Bernhard Adam neben mir, der Hydro-Hedonist. „Ich bin total zufrieden“, sagt er. Auch ich freue mich über den gelungenen Sommertag im Wasser. Die Hydro-Hedonisten haben ihre Lust auf Glück auf alle übertragen.

Gnadenseeschwimmen
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