Konstanz Schwaketenwald: Abholzung könnte teuer werden

Volker Kromrey, Fachmann für Forstwirtschaft, hält eine Ausgleichszahlung von zehn Millionen Euro für denkbar. Er erwartet ein langes Verfahren bis zur Fällgenehmigung.

Wollte die Stadt Konstanz wie angedacht bis zu 25 Hektar Schwaketenwald zugunsten eines neuen Baugebiets abholzen, könnte das Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe nach sich ziehen. Volker Kromrey, Diplomingenieur für Forstwirtschaft bei der Bodenseestiftung, legte in einem Vortrag bei der Freien Grünen Liste (FGL) dar, dass sich diese Kosten auf bis zu zehn Millionen Euro summieren könnten. Es sei zudem wahrscheinlich, dass sich das Verfahren über die Fällerlaubnis über Jahre hinziehe. Es sei nach seiner Einschätzung also weder mit einem besonders schnellen, noch mit einem besonders günstigen Wohnungsbau auf diesem Areal zu rechnen. Kromrey sieht in der Grundsatzfrage, ob der Wald überhaupt für Wohnraum gerodet werden soll, kein einfaches Gegeneinander von ökologischen und sozialen Faktoren. Der Wald habe mit seinen Funktionen als Erholungs- und Schutzraum, etwa vor Lärm, ebenso soziale Funktionen wie sie die Lösung der Wohnungsnot hätte. Es gelte, im Sinne der Nachhaltigkeit einen Weg zwischen ökologisch, sozial und ökonomisch zu finden.

Die Stadt muss einen Ausgleich für die Abholzung leisten

Kromrey machte in seinen Ausführungen deutlich, dass für den Schwaketenwald, obwohl er weder als Naturschutzgebiet noch als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen ist, dennoch das Erhaltungsgebot nach dem Landeswaldgesetz gilt. Sollte der Wald umgenutzt werden, wie das Abholzen in der Sprache der Forstwirte heißt, müssten die unterschiedlichen Interessen abgewogen werden. Eine Fällung komme nicht in Frage, wenn sie den überwiegenden Interessen der Öffentlichkeit entgegenstehe. Sollte die Genehmigung erteilt werden, müsse die Stadt einen Ausgleich leisten.

Das heißt im Wesentlichen: Wald auf einer Ersatzfläche hochziehen oder Ausgleichzahlungen leisten. Da in Konstanz keine Flächen für Ersatzpflanzungen in Sicht sind, fielen wohl Zahlungen an. Pro Quadratmeter fallenden Waldes würden als Minimum 0,60 Euro berechnet oder als Maximum zehn Prozent des Bodenwerts nach der Fällung. Kromrey sagte mit Blick auf die Verhältnisse in der Nachbarschaft, es seien Baubodenpreise von 400 Euro pro Quadratmeter anzusetzen. Hochgerechnet auf die Komplettfällung der 250 000 Quadratmeter Fläche würden bei diesem angenommenen Bodenwert zehn Millionen Euro als Ausgleichssumme anfallen. Nach Angaben des Biologen Michael Dienst beherbergt der Schwaketenwald schützenswerte Arten wie den seltenen Käfer Eremit, den Baumfalken oder den Schwarzspecht. Bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung müsse dies berücksichtig werden.

Mehrere Redner aus dem Publikum übten grundsätzliche Kritik an der Bodenpolitik in Konstanz. Sie beklagten, bei den Versuchen des vorsorgenden Grunderwerbs habe die Stadt versagt. Sie biete Grundeigentümern unrealistisch niedrige Preise. Mehrere Redner schlugen Alternativen zur Abholzung vor. So sollten etwa beim Freiwerden des Siemensgeländes die Industriebauten zügig in Wohnraum verwandelt werden. Die Fraktion der FGL will an den vom Rat beschlossenen Vorgaben für das künftige Wohnungsprogramm rütteln. Nicht ein Sechstel, sondern zwei Sechstel der neuen Wohnungen sollten in die Kategorie sozialer Wohnungsbau fallen.

 

Der Schwaketenwald: Ein Wald mit Erholungswert

Volker Kromrey hat als Experte für Forstwirtschaft bei der Bodenseestiftung, einer Organisation zur Entwicklung einer ökologischen Modellregion Bodensee, Daten und Fakten zum Schwaketenwald zusammen getragen. Demnach ist der Schwaketenwald als Erholungs-, Klima- und Emissionsschutzwald eingestuft. Er hat also nicht den Status eines Naturschutzgebiets oder eines europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH) Schutzgebiets. Dennoch beherberge er wertvolle Tierarten, darauf weist der Konstanzer Biologe Michael Dienst hin. Das Landeswaldgesetz schreibt zudem im Grundsatz den Erhalt von Waldgebieten vor. Soll der Wald großflächig gefällt werden, dann muss dies die höhere Forstbehörde genehmigen. Das Prüfverfahren sieht dafür eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Es kommt auch zur Abwägung der verschiedenen Interessen. Ein überwiegend öffentliches Interesse am Erhalt des Waldes würde gegen eine Fällung sprechen. (rin)

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