Wenn Manfred Hensler am heutigen Montag im Schulausschuss des Kreistags auf Antrag der CDU-Fraktion über die Lehrerversorgung an den beruflichen Schulen im Landkreis Konstanz berichten wird, muss er ein bedrückendes Fazit ziehen: All seine Befürchtungen, über die der SÜDKURIER bereits im Juli berichtete, sind entgegen Darstellungen des Kultusministeriums eingetroffen. Zum neuen Schuljahr fehlen nach Angaben des geschäftsführenden Schulleiters an den sieben beruflichen Schulen mit ihren etwa 9000 Schülern so viele Lehrer, dass hunderte von Pflichtstunden gestrichen werden müssen.
Vor der Ausschuss-Sitzung hatten sich die Leiter der Berufsschulen mit Vertretern des Regierungspräsidiums Freiburg getroffen, das für die Zuteilung der Lehrer zuständig ist. Dabei stellte sich heraus, dass die beiden kaufmännischen Schulen in Konstanz und Singen am schlimmsten betroffen seien. „Die im Juli vorausgesagte Zahl der fehlenden Lehrer ist nur marginal kleiner geworden“, kritisiert Manfred Hensler. Und dies bei Schülerzahlen, die entgegen aller Prognosen leicht gestiegen seien.
An die Bildung von Arbeitsgemeinschaften, wie es sie an allgemeinbildenden Gymnasien und Privatschulen gibt, sei an den beruflichen Schulen nicht zu denken. Hensler: „Die sieben Schulen versuchen, einen Teil der fehlenden Lehrerstunden über Überstunden aufzufangen, müssen aber jede einzelne vom Regierungspräsidium genehmigen lassen. Gleichzeitig wird dadurch die Zahl der schon in den letzten Jahren gehaltenen, noch nicht bezahlten Überstunden weiter erhöht. Den Gegenwert der von den sieben beruflichen Schulen vorgearbeiteten Stunden beziffert Hensler mit über zwei Millionen Euro.
Seine Kritik fasst er in klare Worte und spricht von einem bildungspolitischen Skandal und einer Zweiklassengesellschaft im Bildungsbereich, in dem die Chancen der Kinder und Jugendlichen vom Geldbeutel der Eltern abhingen: „Es gibt keine Bildungsgerechtigkeit im Landkreis Konstanz zwischen den verschiedenen Schultypen.“
Als direkten Verbindungsmann zur grün-roten Landesregierung, die für die Lehrerversorgung zuständig ist, kann man den Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann bezeichnen. Schließlich hat er als Berufsschullehrer auch noch ein Teildebutat an der Singener Hohentwiel-Gewerbeschule. Er verweist auf ein seit Jahren bestehendes strukturelles Defizit und Mangelverwaltung in der Lehrerversorgung. Der vom Statistischen Landesamt vorgerechnete Rückgang von 15.000 Berufsschülern treffe nicht zu. Beispielsweise seien an der Robert-Gerwig-Schule fünf und an der Hohentwiel-Gewerbeschule eine neue Klasse gebildet worden. „Die Situation ist unbefriedigend, da gibt es nichts zu beschönigen. Wir müssen kurzfristig versuchen, Lehrer einzustellen.“ Mit Bildungsministerin Gabriele Warminski-Leitheußer und dem Regierungspräsidium sei er in Kontakt. Doch selbst wenn kurzfristig zusätzliche Lehrer zugewiesen werden könnten, geht er angesichts einer landesweiten Unterversorgung nicht davon aus, dass alle Lücken im Kreis Konstanz geschlossen werden können.
