Konstanz Schulausschuss muss ohne klare Perspektive aus Stuttgart planen

Den Stadträten ist wichtig, dass die Geschwister-Scholl-Schule (GSS) als Schulverbund erhalten bleibt. Sollte das Kultusministerium aber den Schulversuch aufheben, könnte man den Erhalt der Werkrealschule an der GSS nicht weiter rechtfertigen.

Auch beim klaren Willen, in der Schulentwicklung rasch weiter zu kommen und bei großer Einigkeit im Schulausschuss: Die Ausschussmitglieder trafen eine Entscheidung, hinter der weiterhin viele Unklarheiten stehen. Letztlich stellten sie sich hinter die Variante 2, die der Runde Tisch zur Schulentwicklung ausgearbeitet hatte: Dabei soll die Theodor-Heuss-Realschule zweizügig am Zähringerplatz erhalten bleiben, ebenso bleibt die Berchenschule erhalten; die Geschwister-Scholl-Schule (GSS) soll ausgebaut werden und es soll eine Oberstufe für die Gemeinschaftsschule geben, wünschenswert auf dem Ravensberg-Gelände in Räumen, die gemeinsam mit dem Berufsschulzentrum genutzt werden.

Die Unklarheit resultiert daraus, dass es im Moment keine klare Aussagen aus dem Regierungspräsidium beziehungsweise aus dem Kultusministerium gibt. Darüber informierte Bürgermeister Andreas Osner zu Beginn der Sitzung: "Das Kultusministerium nimmt im Moment alle Verbundschulen unter die Lupe". Eine entscheidende Frage sei, was passiert, wenn der Sonderstatus der GSS als Schulversuch aufgehoben würde. Der Schulversuch beinhaltet, dass die GSS eine Orientierungsstufe enthält, in der Werkreal- und Realschüler gemeinsam unterrichtet werden. "Hat man keine Orientierungsstufe mehr", erläutert Karl-Heinz Deußen, Leiter des Schulamts Konstanz auf Nachfrage des SÜDKURIER, "wäre die Werkrealschule so klein, dass sie aufgelöst werden müsste".

Diese Frage ist aber eng verbunden mit weiteren Planungen der Konstanzer Schulentwicklung: Wie sieht der Raumbedarf an der GSS mit beziehungsweise ohne Werkrealschule aus? Und, ebenfalls eine Frage, die Osner gerne vom Kultusministerium beantwortet hätte: Nach welchen Kriterien wird eine Sanierung und Erweiterung einer Schule durch Landesgelder gefördert? Nur so viel klare Auskunft gibt es bisher aus dem Ministerium: Bis April 2017 sollen die Förderprogramme stehen.

Einhellig betonten die Stadträte ihre Absicht, die Schulstandorte zu erhalten und in ihrer Arbeit zu stärken. Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) sagte, es sei unnötig, Fragwürdigkeiten in die Welt zu setzen: GSS, Theodor-Heuss-Schule, Berchenschule sollten alle nicht bangen müssen. Für ihn sei es selbstverständlich, dass die GSS als Schulverbund erhalten werde. Till Seiler (FGL) plädierte für eine Unterstützung aller Schulformen, die langes gemeinsames Lernen ermöglichten, das sei neben der Gemeinschaftsschule in erster Linie die GSS. "Die GSS muss ein Schulverbund sein, um attraktiv zu sein. Deshalb sollten wir bald mit der Sanierung starten als wichtiges Zeichen nach außen." Auch Zahide Sarikas (SPD) verwies auf die Notwendigkeit eines langen gemeinsamen Lernens und darauf, dass man bald zu einer konkreten Planung für die Oberstufe der Gemeinschaftsschule kommen müsse: in drei Jahren seien die ersten Schüler so weit, dass sie das Abitur an der GMS machen wollten. Zudem habe der Werkrealschulzug an der GSS gerade für die Flüchtlingskinder enorme Bedeutung, die GSS habe jetzt schon durch die Einrichtung der Vorbereitungsklassen (VKL) Enormes für die Integration geleistet.

Elternvertreterin Alexandra Bek brachte schließlich den Vorschlag auf, einen Passus in der Beschlussvorlage zu streichen, der beinhaltete, dass man "die Empfehlungen des Regierungspräsidiums aufgreifen wolle". Diese Empfehlungen favorisierten die vom Runden Tisch abgelehnte Variante vier und sähen vor, die Theodor-Heuss-Schule an die Berchenschule zu verlagern. "Dieser Idee können wir nicht folgen". Einstimmig stimmten die Gemeinderäte für die Streichung der Passage.

Deutlich einfacher wird die Planung zur Schulentwicklung für die Stadtverwaltung durch den Beschluss voraussichtlich nicht. Es bleiben zu viele Fragezeichen: Wie wird das Kultusministerium zum Schulversuch an der GSS Stellung nehmen? Karl-Heinz Deußen wusste nur so viel: "Über die GSS ist beraten worden, aber es gibt noch keine Entscheidung". Ohne Zusagen über Fördermittel aus Stuttgart will Osner eine Erweiterung der GSS ebenfalls nicht planen: Diesen Fehler habe die Verwaltung beim Bau der Gemeinschaftsschule gemacht. Es bleibt, in Stuttgart weiter auf klare Antworten zu drängen. Die Zukunft der Schulstandorte in Konstanz bleibt also vorerst Stückwerk.


Modelle und Kosten

Schulverbund: In einem Schulverbund sind mehrere Schularten unter einem Dach und einer Schulleitung zusammen geschlossen. Im Fall der GSS sind dies Werkrealschule, Realschule und Gymnasium.

Schulversuch: Die Geschwister-Scholl-Schule hat den Status eines Schulversuchs und die Erlaubnis, eine Orientierungsstufe zu führen. In dieser werden Werkrealschüler und Realschüler gemeinsam unterrichtet. Ob der Status erhalten bleibt, entscheidet das Ministerium. Wird der Sonderstatus aufgehoben, könnte man den Werkrealschulzug an der GSS nicht dauerhaft erhalten, weil er zu wenig Schüler hätte.

Kosten: Bisher gibt es nur grobe Schätzungen. Eine Erweiterung der GSS soll etwa 4 Millionen Euro, die der WRS Berchen 2,8 Millionen Euro kosten. Die Höhe der Kosten für einen Neubau für die Oberstufe der GMS mit dem Berufsschulzentrum wird mit etwa 4,4 Millionen Euro angegeben.

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