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Konstanz „Schüler in Vereinen haben die besseren Noten“

Wie wirkt sich eine Vereinsmitgliedschaft auf ein Individuum aus? Auf die Gesellschaft? Welchen Nutzen ziehen Jugendliche mit Migrationshintergrund aus Vereinssport? Richard Traunmüller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz und hat zum Thema geforscht. Er erklärt im Gespräch, warum Vereine eine wichtige gesellschaftliche Funktion haben.

Herr Traunmüller, welche Bedeutung haben Vereine allgemein?
Vereine sind in vielfacher Hinsicht bedeutend, sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft als Ganzes. Die Mitglieder profitieren, weil sie dort Freundschaften aufbauen, wichtige Kompetenzen erwerben und natürlich, weil sie Spaß an der Tätigkeit haben. Aber auch für die Gesellschaft bringen Vereine Vorteile. Dass Bürger in der Lage sind, sich zusammenzuschließen, um gemeinsame Ziele zu verfolgen, ist beispielsweise für das Funktionieren einer Demokratie sehr wichtig. In der Wissenschaft nennen wir die Bedeutung dieser Kompetenz Sozialkapital. Allerdings sollte man nicht allzu hohe Erwartungen an Vereine stellen. Einerseits können sie nicht alle Probleme lösen, andererseits propagieren manche auch zweifelhafte Ziele. Hier wäre beispielsweise an nationalsozialistische oder fundamentalistische Vereinigungen zu denken.
Haben Sportvereine eine besondere Funktion?
Sportvereine stellen in Deutschland die häufigste Form der Mitgliedschaft und des freiwilligen Engagements dar. Damit nehmen sie einen besonderen Stellenwert ein.
Welche Bedeutung haben Vereine für Jugendliche?
Insbesondere für Jugendliche gilt, dass sie in einem Verein wünschenswerte Kompetenzen erwerben: Sie lernen Verantwortung zu übernehmen, teamfähig zu sein und sie müssen Durchhaltevermögen beweisen. Einige organisieren Feiern oder halten Reden. Das sind alles wichtige Eigenschaften, die in der Schule und später auch im Berufsleben verlangt werden. Tatsächlich zeigen Schüler, die in Vereinen sind, auch bessere Schulleistungen. Beim Sport ist darüber hinaus natürlich auch der gesundheitliche Aspekt nicht zu vergessen.
Profitieren auch Jugendliche mit Migrationshintergrund von einer Vereinsmitgliedschaft?
Ja, natürlich. Zwar gibt es erst relativ wenige Studien zu diesem Thema, aber man kann sicherlich sagen, dass der Kontakt zu deutschen Jugendlichen die Integration fördert und etwa das Erlernen der deutschen Sprache erleichtert. Besonders wichtig sind auch Erfolgserlebnisse wie zum Beispiel ein gewonnenes Fußballspiel. Man muss nicht gute Deutschaufsätze schreiben, um ein guter Stürmer zu sein. Das gibt Selbstvertrauen.
Welche Auswirkungen hat der Trend, dass Schüler durch die schulische Beanspruchung zunehmend weniger Zeit für Verein und Sport haben?
Ich bin mir nicht sicher, ob man tatsächlich von einem Trend sprechen kann. Zu wünschen wäre, dass Schulen selbst mehr Gelegenheiten zu sportlichem und sozialem Engagement bereitstellen. Wenn nicht, wäre es sicher ein schwerwiegender Verlust.
Gibt es Sportarten, die den Jugendlichen besonders gut tun?
Mit Blick auf soziale Kompetenzen und Gemeinschaftssinn sind natürlich insbesondere Mannschaftssportarten geeignet. Allerdings gibt es auch umstrittene Sportarten wie den Kampfsport. Einerseits können Jugendliche hier Aggressionen abbauen und sich auspowern, andererseits lernen sie möglicherweise erst recht, wie man eine Person verletzt. Eine zweifelhafte Kompetenz.

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