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Konstanz Schrille Parade ohne Grenzen

20.07.2009


10 000 Zuschauer und Teilnehmer sollten es werden, etwa 1500 waren es: Der weltweit erste grenzüberschreitende Christopher-Street-Day (CSD) Konstanz-Kreuzlingen hat diese Erwartung nicht erfüllt. Die Verantwortlichen sind dennoch mit der Parade zufrieden. Kritik äußern Homosexuelle aus der Schweiz. Sie hatten sich mehr Rückhalt von der Kreuzlinger Stadtspitze erwartet.

Konstanz – Der starke Regen hat vermutlich einige Zuschauer gekostet. Rund 400 Akteure warben am Samstag mit ihrem Umzug für mehr Toleranz gegenüber Homo- und Transsexuellen. Die Parade war schrill, bunt und laut. Mit Technomusik setzte sich der CSD-Tross am Kreuzlinger Hafen in Bewegung. Am Zoll stoppte der Zug. Travestie-Star Lilo Wanders, Fernsehmoderator Ralf Morgenstern und Stefan Baier, Vorsitzender des veranstaltenden CSD-Vereins Konstanz, setzen bei musikalischer Begleitung durch die Europahymne symbolisch den Fuß über den Grenzstrich. Damit wollten sie aufzeigen: Wir sind ein Europa, es soll bei keinem Thema keine Grenzen geben. Vor den Augen der Zuschauer am Wegesrand zogen die 18 Gruppierungen, zumeist Homosexuelle, über die Laube bis zur Marktstätte zur Kundgebung. Auf dem gut gefüllten Platz sagte CSD-Vorsitzender Baier: „Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel.“ Damit spielte er auf die in seinen Augen noch mangelnde Gleichberechtigung Homo-, Bi- und Transsexueller bei Heirat, Adoption und im Beruf an. Länder wie Spanien seien positive Beispiele. Er forderte auch eine neutrale Sexualpädagogik an Schulen. Zahlreiche Redner unterstrichen diese Wünsche den gesamten Tag über. Denn im Stadtgarten gab es noch ein ausgedehntes Showprogramm unter anderem mit Lilo Wanders (siehe Interview Seite Leute!), Ralf Morgenstern und Didi Knoblauch.

„Grenzenlos“ war das große Thema dieses CSD, passend zum Konstanzer Jahresmotto „grenzenlos denken“. Bereits zum dritten Mal übernahm Oberbürgermeister Horst Frank die Schirmherrschaft für die Veranstaltung und begleitete sie als Gast auf dem anführenden Umzugswagen. Das bringt ihm Lob von vielen Seiten ein, zeigt er doch damit, dass die Stadt tolerant ist und die Anliegen der CSD-Teilnehmer ernst nimmt. Eine solche Rückendeckung wünschte sich Markus Züllig vom Kreuzlinger Stadtammann (Bürgermeister) Andreas Netzle. Der Präsident der Homosexuellen-Organisation Thurgau (hot) ist „enttäuscht, dass sich Kreuzlingen nicht klar positioniert“. Die Stadt bewilligte zwar Straßensperrungen für den CSD. Doch hätten die Homosexuellen ein offizielles Auftreten politischer Amtsträger als unterstützenden Symbolcharakter begrüßt. Stadtammann Netzle verteidigt sich: Eine Schirmherrschaft zu übernehmen, das kenne Kreuzlingen nicht. Er sei aber gerne bereit, sich mit den Sorgen Homosexueller auseinanderzusetzen, jedoch bei einer anderen Gelegenheit etwa wie einem Podium.

„Wir sind absolut zufrieden mit dem CSD“, sagte Organisator Stefan Baier. Im Stadtgarten verfolgten um die 1500 Zuschauer das Showprogramm. Am Rande der Veranstaltungen verteilten Einzelne allerdings Flugblätter und zeigten Plakate, auf denen sie sich gegen Homosexualität aussprachen.

CSD Konstanz - StadtgartenCSD Konstanz - Parade - Teil 1CSD Konstanz - Parade - Teil 2
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