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Konstanz Schlüssig und sperrig zugleich

Jazz von "THE ROPESH" im K9

Die „Heimspiel“-Reihe im K9 bot ein schon aufregendes Teil-Heimspiel: Der Allensbacher Drummer Mathis Grossmann mit vier Kollegen an Flöte, Piano, Posaune und Bassgitarre, ist zurzeit mit „The Ropesh“ deutschlandweit auf Tournee.

Das Jazzquintett lässt sich gar nicht leicht einordnen: Keine Standards, keine stilistisch eingleisig zuzuordnende Richtung, dafür aber ein Übermaß an Ideen, an individuellen Einfällen, an durchgehend neuen Kompositionen. Wie die Musiker das unter einen Hut bringen, ist erstaunlich, und man kann nur ahnen, wie lange die Band an den vielen Tonfolge-Themen kollektiv getüftelt hat, bis bruchlose Sounds draus wurden.

Da blies Lorenzo Colocci eine Querflöte von rauen Überblastönen bis perlend spitzigen Virtuositäten; da gerieten Klaviertöne des überragenden Rainer Böhm zu sagenhaften Kompendien an rasanten Girlanden; da brachte Marcus Franzke die Posaune weich durch Melodien, korrekt darstellend durch Tonmotive und fetzig durch rockige Passagen; da bot der Jung-Allensbacher am Drumset schier atemberaubende Soli an Rasanz und Power; da ging der Bassgitarrist Markus Wach auf alle Vorgaben engagiert und mitfiebernd ein; und schließlich spielte das kleine digitale Wunderkästchen des Flötisten quasi den „sechsten Mann“ mit elektronischen Überraschungen auch vokaler Art.

In zehn Nummern kristallisierte sich der eigentliche Spielplan heraus: Motive, die auch mal J. S. Bach zuzutrauen wären oder aus der Zwölftontheorie stammen könnten, gehen durch die Register, werden den verschiedenen Solo-Chorussen zugespielt, geraten unwiderruflich in die Ensemble-Verarbeitung, laufen final oft zu Fortissimo-Effekten auf. Das widerspricht nicht auch traditionellen Titeln und Rhythmen wie Bossanova, Salsa, Blues oder Swing. Aber brav durch stabile Metren wird man da selten geführt: Es bleibt viel zu aufregend und unvorhersehbar, was die Musiker an Einfällen servieren. Kurz: Eine riesige Ausdrucks- und Soundpalette lässt den Zweistundenabend wie im Flug vergehen. Von musikalischer Poesie bis Ekstase reicht das – auch auf brandneuer CD zu habende – Feld dieser Band. Das Publikum spürte deren musikalischen Intellekt und gab sich fast schon kammermusikalisch beeindruckt und erhielt die Zugabe, die von elektronischen Geräuschen ausgehend über Chaos und Inferno ins übermächtige Finale steuerte. (rm)

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