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Konstanz Scheibe im Seehas eingeschlagen: Konzertveranstalter Dieter Bös vor Gericht

Vor Kurzem saß am Amtsgericht Konstanz Rock am See-Chef Dieter Bös auf der Anklagebank. Wegen Sex, Drogen oder Rock 'n' Roll? Nein, die Sache ist belangloser – aber auf die Bahn ist der Bös auf jeden Fall nicht mehr gut zu sprechen.

Reisende soll man ja nicht aufhalten, heißt es. Was aber, wenn nachts um halb zwei eine geschlossene Seehas-Zugtür den Weg ans Ziel versperrt? Die Antwort eines Bahnreisenden lautet: Man darf eine Plexiglasscheibe neben der Türe einschlagen und den Tür-Notöffnungsknopf drücken. Die Antwort der SBB GmbH, die als Tochter der staatlichen Schweizerischen Bundesbahnen den Seehas betreibt, ist, im übertragenen Sinne: Das gaht so nüt. Solange kein Notfall vorliegt, ist das Sachbeschädigung. Am Ende klärte das Ganze jetzt ein Richter am Konstanzer Gericht.

Dabei saß auf der Anklagebank kein unbekannter Reisender. Auf die Frage des Richters an Dieter Bös, was sein Beruf sei, antwortet er: „Ich bin Konzertveranstalter.“ Richter: „Wie heißt die Firma?“ Bös: „Koko Entertainment, mit K für Konstanz. Wir veranstalten Gastspiele internationaler Künstler.“ Ja, der Dieter Bös, der für Rock am See und das Southside Festival verantwortlich ist, täglich mit Millionenbeträgen und Künstlergagen im fünfstelligen Bereich zu tun hat. Der Bös weigert sich nun, 150 Schweizer Franken Entschädigung zu zahlen. Wobei er immer wieder betont: Es geht ums Prinzip, nicht ums Geld.

Also noch mal zurück zum Prinzip und zum Tag des Geschehens: Bös kommt gerade von einer Beerdigung aus Hannover und nimmt in Singen den letzten Seehas nach Konstanz. Irgendwann schläft er ein. Dummerweise sogar kurz vorm Ziel, auf der Rheinbrücke. Als er aufwacht, steht der Zug am Konstanzer Bahnhof, der Endstation. Wie lange schon, weiß er nicht. Nur: Auf den Gleisen und im Zug ist niemand mehr zu sehen. Die Türen sind verschlossen, das Licht ist aber noch an. Zumindest kann Bös den Notfall-Hinweis neben der Türe lesen, sagt er. Bös nimmt Jacke, Schaal und Tasche, schlägt das Plexiglas ein und drückt den Notfallknopf. Die Türen öffnen sich. Draußen erwartet ihn allerdings schon der Schaffner, mit dem Hinweis, dass das nun wirklich nicht nötig gewesen sei. Doch, findet Bös, und bemerkt, dass sich schon irgendeine Regelung finden würde. Er hinterlässt seine Visitenkarte, hört länger nichts von der SBB und bekommt schließlich eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und die Aufforderung, 150 zu zahlen – was Bös nicht einsieht.

Und so sitzen ein paar Monate später eine Staatsanwältin, ein Richter und ein Konzertveranstalter, der sich selbst verteidigt, in Saal 107 am Amtsgericht und befinden einstimmig, dass das, also diese Verhandlung, nun wirklich irgendwie unnötig sei. Was zunächst nicht heißt, dass sich auch alle über die Schuldfrage einig sind, aber so ist das ja öfter am Gericht. Richter: „Den Schaden müssen Sie eh bezahlen, da sind wir uns ja einig.“ Bös: „Ich glaube nicht, dass wir uns da einig sind. Ich bin nicht der Meinung, dass ich eine Straftat begangen habe.“ Bös wollte den Fall zur Sprache bringen, sagt er, um eine grundsätzliche Frage zu stellen: „Wann darf man denn diesen Knopf drücken? Muss es da erst brennen?“

Er selbst habe schließlich nicht um sein Leben gefürchtet, aber dennoch Panik gehabt. „Ich war in einer Notsituation“, so Bös. „Sie haben aber nicht das mildeste Mittel gewählt. Sie hätten warten und schauen müssen, ob da noch jemand kommt“, entgegnete Richter Michalski. Und die Moral von der Geschicht? Das böse Rock n' Roller-Leben gibt es nicht. Der Koko-Chef nahm das Angebot der Staatsanwaltschaft letztlich an, zahlt nun einmalig 150 Franken Entschädigung an die SBB GmbH und das Verfahren wird ohne Anhörung der Zeugen eingestellt.


Sicherheit im Seehas

Die deutsche SBB GmbH, eine Tochter der Schweizerischen Bundesbahnen, sorgt mit verschiedenen Mitteln für die Sicherheit in den von ihr betriebenen Seehas-Zügen.

Videoüberwachung: In allen Seehas-Zügen gibt es Videoüberwachung.

Notruf: Über einen Notfallknopf im Eingangsbereich kann man eine direkte Verbindung zur Notrufzentrale herstellen.

Zusätzlich gibt es den Notöffner der Türen.

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