Konstanz Schatzsuche am Bodensee
Bodenseeregion – Die Erkundung von Bodenschätzen hat seit den 1950er Jahren Tradition. 1960 wurde unter Beteiligung des Energieunternehmens Wintershall im kleinen Konstanzer Vorort Dingelsdorf eine Bohrung bis in 2700 Meter Tiefe angebracht. Es ging um mögliche Kohlenwasserstoff-Lagerstätten. Doch weder Erdgas noch Erdöl wurden gefunden, ebenso wenig wie bei anderen Bohrungen in Hohenfels-Liggersdorf und Owingen-Billafingen. In einem letzten Versuch war 1993/94 Meersburg Ort einer Erkundung. Statt auf Erdöl oder Erdgas trafen die Schatzsucher auf Thermalwasser. Das war Meersburgs Glück. Denn Wintershall überließ das Bohrloch kostenlos der Stadt. Die baute später ein Thermalbad und pumpt seither das Quellwasser von Riedetsweiler zur Therme am See.
Mitte der 1990er Jahre war Schluss mit dem Erkundungsdrang. Doch nun lebt er unerwartet wieder auf. Öffentlich gemacht hat die neuen Aktivitäten ein Politiker der Grünen. Der Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann empörte sich darüber, dass 2009 neue Konzessionen zur Erkundung von Bodenschätzen in der Region vergeben worden seien, aber „weder die Gemeinden noch die Öffentlichkeit über die Planungen informiert wurden“. In der Tat erwarb das britische Unternehmen 3Legs Resources plc. Company die Rechte zur Erkundung zweier Flächen am See. Das erste Erkundungsgebiet ist 1500 Quadratkilometer groß und schließt Friedrichshafen und Meersburg ebenso ein wie Konstanz und Stockach. Das 1100 Quadratkilometer große zweite Feld liegt im Oberschwäbischen, Leutkirch und Biberach sind Fixpunkte.
Unabhängig von der Lehmann-Initiative fordert auch der Verband kommunaler Unternehmen (VkU) mehr Transparenz bei den Genehmigungsverfahren. Wasserbehörden und Wasserversorger müssten von Anbeginn einbezogen werde. „Der Bodensee ist einer der größten Trinkwasservorratsspeicher in Deutschland. Es kann nicht sein, dass die Erteilung von Genehmigungen an den für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung Verantwortlichen vorbei läuft“, sagte Matthias Berz, Vorstand der VkU Baden-Württemberg.
Derweil rumort es an der Bohrbasis in Hohenfels-Liggersdorf. Einwohner des Fleckens mutmaßen, dass Liggersdorf erneut zum Schauplatz einer Tiefenbohrung werden könnte. Sie befürchten Umweltrisiken, wenn eine in den USA bereits vielfach genutzte Bohrmethode zum Einsatz kommen sollte. Dieser Chemie-Cocktail könnte gravierende Auswirkungen auf die Umwelt haben.
