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Konstanz Scala-Dokumentarfilm: Gemeinderat lehnt großzügige Förderung ab

Mit knapper Mehrheit: Der Gemeinderat hat eine großzügige Förderung für das Projekt des preisgekrönten Regisseurs Douglas Wolfsperger abgelehnt. Einige Politiker äußerten offen die Befürchtung, dass die Geschichte um das Aus des Programmkinos an der Marktstätte für die Stadt vielleicht nicht so vorteilhaft sein könnte.

Der Filmemacher Douglas Wolfsperger bekommt aus seiner Heimatstadt genau 2499 Euro für einen Film, der in Konstanz spielt und eine Entwicklung in der Innenstadt zum Thema macht. Eine über die bereits ausgezahlte Summe hinaus gehende Förderung für den Dokumentarfilm über das Ende des Scala-Kinos hat der Gemeinderat am Dienstagabend nach langer und teils emotionaler Debatte mit knapper Mehrheit abgelehnt. 21 Stadträte vor allem aus dem bürgerlichen Lager und aus der SPD stimmten für den Vorschlag der Stadtverwaltung, die beantragten 35.900 Euro nicht zu geben. 17 waren dagegen, vor allem die Freie Grüne Liste und Teile der SPD. Den Vorschlag von FGL-Rat Peter Müller-Neff, Wolfsperger mit einem Kompromiss 25.000 Euro zuzusprechen, von denen 17.000 Euro sogar noch im Kulturfonds schlummern, lehnte der Rat ebenfalls ab. Gegen Wolfspergers Antrag votierte auch Oberbürgermeister Uli Burchardt. Wolfsperger zeigte sich nach der Entscheidung enttäuscht und kämpferisch zugleich: „Jetzt machen wir das erst recht und strengen uns doppelt an.“

Die Debatte offenbarte, dass es im Gremium sehr unterschiedliche Vorstellungen zu Rolle und Unabhängigkeit von Kulturschaffenden gibt. So begründete Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) seine Ablehnung auch damit, dass der Film möglicherweise ein negatives Bild von Schweizer Einkaufstouristen zeichnen könne. Christine Finke (Junges Forum) warnte, dass „dieser Film Konstanz nicht helfen wird“.

Johannes Hartwich (FDP) befürchtete, dass „dieser Film nicht unbedingt zum Wohle der Stadt Konstanz sein wird“. Damit bezweifelten sie die Aussage des Regisseurs, er werde dokumentieren und nicht kommentieren. Wolfsperger zeigte sich über einige Argumente entsetzt: „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte er in einer ersten Reaktion. Mit einem solchen Misstrauensvotum habe er nicht gerechnet, „ich haue meine Stadt doch nicht in die Pfanne“.

Ganz anders sah die Freie Grüne Liste das Thema. Gisela Kusche sagte, der Film könne und werde vielleicht nicht allen gefallen, aber genau darin liege sein Wert. Peter Müller-Neff erinnerte daran, dass der Gemeinderat auch das Zeltfestival großzügig gefördert habe. Der Film habe das Zeug, eine wichtige gesellschaftliche Frage in Konstanz zu thematisieren. Anne Mühlhäußer sprach wie SPD-Fraktionschef Jürgen Ruff von einem „Zeitdokument“, und es spreche für die Stadt, wenn dieses am Schauplatz Konstanz entstehen könne. Genau dies bezweifelte Heinrich Everke (FDP): „Konstanz ist das falsche Beispiel für sterbende Innenstädte und Verachtung von Kultur.“

Zu Beginn der Debatte hatte Kulturbürgermeister Andreas Osner erklärt, der Film zeige keine Konstanz-typsiche Geschichte, denn überall würden Kinos geschlossen. Zweitens gebiete es die Fairness gegenüber anderen Antragstellern wie zum Beispiel den Machern des Campus-Festivals, bei den Förder-Leitlinien Transparenz und Gerechtigkeit walten zu lassen. Und drittens sei es nicht Aufgabe einer Stadt, Filmförderung zu betreiben. In einer Erklärung zur Abstimmung sagte OB Burchardt, er habe aus Gründen der Gerechtigkeit gegen die außerhalb der Haushaltsberatungen beantragte Förderung votiert.

Bekannt wurde in der Sitzung, dass einer der Besitzer des Hauses Markstätte 22, Hans-Peter Hillebrand, seine Mitwirkung an Wolfspergers Film zurückzieht. Das bereits gefilmte Interview dürfe nicht verwendet werden, ließ er nicht nur den Regisseur, sondern gleich auch die Ratsfraktionen über einen Freiburger Anwalt wissen. Dies gefährde den Film aber nicht, sagte Wolfsperger. Er habe schon viele Zeitzeugen und werde weitere finden – und die Suche nach Geldgebern intensivieren.

Hier geht's zu den Video-Podcasts der Gemeinderatssitzung auf den Seiten der Stadt Konstanz 

Geld für den Film

Die Stadt Konstanz zahlt 2499, der Kanton Thurgau 18.300 und die Stadt Kreuzlingen 3200 Euro. 2500 Euro sind aus Spenden zusammengekommen. Zudem verzichten viele Mitwirkende vorerst auf Gage. Landes- und Bundesfilmförderung sowie der Südwestrundfunk haben eine Beteiligung abgelehnt. Spenden: Wolfspergers Konto „Scala-Filmprojekt“, IBAN DE09¦1004¦0000¦0125¦5355¦02, oder steuerbegünstigt über die Internationale Akademie Berlin, Kennwort „Scala-Filmprojekt“, IBAN DE60¦1002¦0500¦0003¦1342¦14. (rau)

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