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Konstanz

San Martino

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Gastro-Kritik (134): Konstanz hat ein neues hochpreisiges Nobelrestaurant – das San Martino in der Bruderturmgasse

Teuer und exklusiv: Das neu eröffnete San Martino in Konstanz.
Foto: lün

Das Streben nach Perfektion liegt in der Natur des Menschen. Das darf man getrost auch der Familie Niosi unterstellen als sie ihr jüngst inzwischen drittes Restaurant in der Region, das „San Martino“, eröffnete. Und sie haben auch fast alles richtig gemacht. Der Ort als solcher ist spektakulär, wahrscheinlich einzigartig in Konstanz. Das Ristorante ist direkt an die alte Stadtmauer am Löwenplatz gebaut. Das alte Gemäuer ist das bestimmende rustikale Element auch in der Innenarchitektur. Zwischen den jüngsten (um 1400) und den beiden älteren Stadtmauern (1200 und 1280) kann der Gast hier seine Speisen genießen. Als Ehrerbietung an einen bekannten Sohn der Stadt hängen Originale des Expressionisten Hans Breinlinger an den Wänden.

Gekocht wird italienisch: Fangfrischer Fisch, frisches Fleisch, hausgemachte Pasta und frisches Gemüse. Die Speisekarte ist angenehm übersichtlich und dreisprachig. Italienisch ist hier die erste Sprache. Das gehört wohl zum eigenen Anspruch als Konstanz' neue Nobeladresse. Neben der gedruckten Karte gibt es auch täglich wechselnde Gerichte, die die sehr umsichtige und kenntnisreiche Bedienung am Tisch präsentiert. Das Menü beginnt mit einem Tomatensalat mit Zwiebeln, Oregano und Basilikum (6,50 Euro) und einer Kartoffel-Cappuccino-Suppe mit Trüffeln (6 Euro) – serviert in einer Kaffeetasse. Während die Suppe raffiniert und leicht, mit einem geschäumten Sahnehäubchen, daher kommt, ist der Tomatensalat eher einfach zubereitet, besticht aber durch die geschmacksintensiven Tomaten.

 

Aus der umfangreichen Weinkarte wählen wir eine Flasche Rotwein Nero d'Avola (17 Euro) aus Sizilien. Samtig weich und dunkelrot passt er gut zu den folgenden Hauptspeisen. Zum Beispiel die Spaghetti mit Rinderfiletstreifen (15 Euro). Viel zu oft spricht man leichtfertig von Gaumenfreuden, hier trifft es aber vollkommen zu: Die Spaghetti zum richtigen Zeitpunkt aus dem kochenden Wasser geholt, das Fleisch zart und geschmackvoll zubereitet. Das zweite Hauptgericht kommt von der Tageskarte: Vier kleine Lammkotlettes mit Rosmarinkartoffeln und mediterranem Gemüse. Das Fleisch ist fein angebraten, innen rosa und geschmacklich perfekt. Das Gemüse war minimal gesalzen und sonst nur gegart. Im San Martino wird zurückhaltend gewürzt – ganz im Sinne der Nouvelle Cuisine. Ein absolut herausragendes Geschmackserlebnis zu einem ebenso herausragenden Preis: satte 35 Euro werden hierfür verlangt.

Preislich liegt das San Martino damit ganz weit vorne. In dieser Preiskategorie muss einfach alles stimmen: Service, Qualität der Speisen, Ambiente, Wohlfühlfaktor. In fast allen Punkten kann das San Martino überzeugen, die feinen Desserts unterstreichen den Eindruck. Nur an einem mangelt es hier noch etwas: der Seele. Das San Martino versprüht eher den spröden Charme eines Emporkömmlings. Bei der Preisgestaltung wird es wohl das Ristorante für die exklusiven und exquisiten Momente bleiben.

Michael Lünstroth

Ristorante, Lounge, Bar „San Martino“, Bruderturmgasse 3, 78462 Konstanz, Telefon: 0 75 31/284 56 78. Im Internet: www.ristorante-sanmartino.de

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