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Konstanz Rund 750 Konstanzer besuchen den Bürgerempfang

Konstanz wird und muss sich ändern: Oberbürgermeister Uli Burchardt findet in seiner Neujahrsrede klare Worte und stellt das Thema Wohnraum auch 2016 an die erste Stelle. Zum ersten Mal wurden bei einem Bürgerempfang auch ehrenamtlich Engagierte geehrt.

Es ist eine Geschichte, die beispielhaft ist für Konstanz: Ein Familie zieht nach der Geburt des zweiten Kindes in den Hegau, weil sie nach langer Suche keine passende Wohnung findet. Die Stadt verliert nicht nur vier Konstanzer, sondern auch einen Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr, die 2015 mit 1451 Einsätzen personell gefordert war. Genau das, betonte Uli Burchardt gestern Nachmittag beim Bürgerempfang im Konzil vor rund 750 Gästen, darf nicht passieren. So steht für ihn auch im Jahr 2016 an oberster Stelle: Wohnraum schaffen – für Bürger aller Schichten. „Auch die Altenpflegerin muss es sich leisten können, in Konstanz zu wohnen“, so Burchardt. „Deshalb muss und wird sich Konstanz verändern. Damit es so lebens- und liebenswert bleibt, wie es ist.“

Wie sich die Stadt bereits verändert hat, und welche Projekte das Jahr 2015 prägten, zeigte Burchardt in seinem Jahresrückblick auf – darunter die größten Investitionen: der Bau der größten Gemeinschaftsschule Baden-Württembergs und der Neubau des Klinikums. Beifall gab es für den Spatenstich zum Ausbau der B 33 und dafür, dass Siemens auch künftig einen Standort in Konstanz haben wird. Grummeln im Publikum dagegen beim Thema Döbele-Turbokreisel und dem Schnellzug von St. Gallen nach Konstanz – trotz des Hinweises des Oberbürgermeisters, dass der Zug schließlich auch in die andere Richtung genutzt werden kann.

Als Burchardt eines der letzten Bilder vom Schwaketenbad in Betrieb zeigt, heult ein Kind im Publikum auf. Das Bad ist niedergebrannt, die Erinnerungen sind bei vielen kleinen und großen Konstanzern noch präsent. Burchardt lobte das Krisenmanagement der Bädergesellschaft, die knapp vier Monate nach dem Brand die Traglufthalle über dem Außenbecken der Therme als Provisorium eröffnete. Bäder-Chef Robert Grammelspacher erklärte: „Wir werden das Schwaketenbad nicht neu erfinden. Sondern es so wieder aufbauen, wie Sie es kennen und lieben gelernt haben. Aber alles ist zukunftsoffen.“

Zum ersten Mal wurden bei einem Bürgerempfang auch ehrenamtlich Engagierte geehrt. In diesem Jahr gingen die Urkunden an die Vertreter der Konstanzer Flüchtlingsinitiativen und langjährig engagierte Einzelpersonen, darunter Café Mondial, Save me und GemeinsamGarten. Alwathek Bellah Alali Alshari, ein syrischer Flüchtling, bedankte sich mithilfe eines Übersetzers bei den Bürgern und der Stadt für die herzliche Aufnahme. Lilly Barsch vom Runden Tisch Asyl, die sich seit vielen Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagiert, lobte die neue Willkommenskultur, die sie in den 90er Jahren so nicht erlebt habe. Die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen wird auch eines der großen Themen im Jahr 2016 sein, so Burchardt. Eines stellte er aber schon zu Beginn im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in Köln fest: „Wir haben hier kein Kriminalitätsproblem mit Flüchtlingen. Es ist nach wie vor alles ruhig. Das soll auch so bleiben.“

Ohnehin: „Ich hoffe, dass das Jahr 2016 nicht so überraschend und aufreibend wird wie 2015“, sagte Burchardt. Es sind schließlich einige Großprojekte geplant: darunter die Eröffnung des Bodenseeforums im Oktober, der Baubeginn der Z-Brücke in Petershausen, die Renovierung des Rheinsteigs, der Ausbau der Kinderbetreuung.

Zwischen all dem politischen Rück- und Ausblick gab es für die Gäste im Konzil auch einen Einblick in die Talente der Konstanzer. Der Mädchenchor des Suso-Gymnasiums stimmte das neue Jahr unter Leitung von Michael Auer musikalisch an und das Acro-Team Bodensee ließ Modellflugzeuge über das Publikum schwirren. Den Kopf einziehen musste aber niemand.

 

Konstanz sagt Danke

Der Einsatz für Flüchtlinge stand bundesweit im Mittelpunkt des Jahres 2015. Für ihr ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge in Konstanz wurden geehrt: Marion Mallmann-Biehler, Friedhelm Großmann, Arzu Yildirim (Save me), Hakan Sanli, Roswitha Schweichel, Lorenz Neuberger (Café Mondial), Michael Hund, Klemens Dörflinger, Alexandra Frasch (B-Welcome), Barbara Singler, Antonia Merz (GemeinsamGarten), Friederike von Wolff, Lilly Barsch (Runder Tisch Asyl) und Rita Rotzinger-Magin (Seelsorgeeinheit Petershausen).

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