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Konstanz Rock am See: Ausverkauftes Stadion in Sachen Sicherheit eine Herausforderung

27.08.2012
Konstanz -  Nicht nur wegen der jüngsten Erfahrungen beim Seenachtfest: Stadt, Polizei und Veranstalter wollen das Großfestival „Rock am See“ noch sicherer machen. Zum ersten Mal seit neun Jahren wird das Festival wieder ausverkauft sein.

„Wir nehmen die Sicherheitsauflagen immer sehr ernst“: Dieter Bös, einer der Geschäftsführer des Rock-am-See-Veranstalters Koko & DTK Entertainment im Bodenseestadion. Hier steigt am 1. September die 27. Auflage des Festivals.  Bild: hanser

Rock am See Fans 2011  Bild: Oliver Hanser

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Dieter Bös wirkt entspannt in diesen Tagen. Die Vorbereitungen für das 27. Rock am See im Konstanzer Bodenseestadion am 1. September laufen auf Hochtouren. Bereits seit Wochen ist das traditionsreiche Freiluftspektakel ausverkauft – zum ersten Mal seit neun Jahren. Kein Wunder, dass der Geschäftsführer des Veranstalters Koko & DTK Entertainment guter Dinge ist. „Ich freue mich sehr auf Rock am See. Wenn am Samstag jetzt noch das Wetter mitspielt, dann dürfte das eine runde Sache werden“, sagt Dieter Bös im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Er freue sich besonders auf die Auftritte von Green Day und den Beatsteaks.



Katastrophen und Beinahe-Unglücke
  • Konstanz, 11. August 2012: Das Seenachtfest lockt mehr als 60 000 Besucher. An verschiedenen Stellen kommt es zu Engpässen. Besonders in der Marktstättenunterführung und auf der Hafenstraße geht zeitweise nichts mehr. Menschen drängen sich aneinander. Augenzeugen erklären, dass es nur der Besonnenheit der Menschen zu verdanken sei, dass keine Panik ausbrach und Schlimmeres passierte. Als Reaktion darauf soll das Sicherheitskonzept für das nächste Jahr überarbeitet werden.
  • Indianapolis, 13. August 2011: Ein Country-Musik-Festival in Indianapolis endete tödlich. Ein Sturm brachte die Bühne ins Wanken, sie krachte auf die Zuschauer. Fünf Menschen starben, 40 wurden verletzt. Etwa 12 000 Menschen waren zu dem Konzert gekommen. Die Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot schnell am Unglücksort. So konnte eine größere Katastrophe verhindert werden. Ihnen gelang es unterstützt von Fans schnell, die von der eingestürzten Konstruktion eingeklemmten Menschen zu befreien.
  • Sigmaringen, 11. Juli 2011: Als um 20 Uhr auf dem Sigmaringer Festplatz die Musiker von Culcha Candela auf die Bühne kamen, zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Eine Unwetterwarnung und plötzlicher Platzregen machten eine Fortsetzung des Konzertes unmöglich. Für eine halbe Stunde evakuierten Polizei und Veranstalter Koko das Publikum vom Festplatz. Angesichts der Tatsache, dass mehr als 5500 Besucher auf dem Platz waren, wurde das Parkdeck eines Supermarktes zum Sammelpunkt umfunktioniert. Nach dem Regen ging das Konzert weiter.
  • Konstanz, 16. August 2003: Dramatische Minuten bei „Rock am See“: Vor dem Auftritt der Hauptgruppe Metallica gibt ein Gitter vor der Bühne dem Druck der Menge nach. Die Masse strömt nach vorne. Fans in der ersten Reihe schreien wegen des Drucks, manche brechen in Tränen aus. Nur mit Mühe konnten Ordner und Polizisten die Fans zurückhalten. Die Polizei erklärte: „Das war haarscharf an der Katastrophe vorbei.“
 

Seit vergangenem Freitag laufen die Arbeiten im Bodenseestadion. Ab dem heutigen Montag wird die Bühne aufgebaut. Vier Tage später soll am Donnerstagnachmittag die Infrastruktur stehen. Ein besonderes Augenmerk liegt auch in diesem Jahr auf den Sicherheitsvorkehrungen. „Für uns hat das immer Priorität und in jedem Jahr versuchen wir, das Sicherheitskonzept zu verbessern“, erklärt Dieter Bös. So wird anders als in früheren Jahren die Bühne erstmals in der Nordkurve des Stadions, unterhalb des Lorettowaldes, stehen. Dadurch sollen sich die Fluchtwege verbreitern und die Besucher im Fall des Falles das Stadion leichter verlassen können. Maßgeblichen Anteil an dieser Entscheidung hatte die Tatsache, dass das Festival ausverkauft ist. 25 000 Zuschauer werden kommen, das erfordert ein überarbeitetes Konzept. Zum Vergleich – im vergangenen Jahr waren es rund 12 000 Besucher.

Neu in diesem Jahr ist ebenfalls, dass es zwei Eingänge ins Stadion gibt. Der Haupteingang liegt weiterhin im Lorettowald auf Höhe des Waldhaus Jakob in der Eichhornstraße. Einen zweiten Eingang zum Festival wird es am 1. September laut Veranstalter in der Nähe des Minigolfplatzes am Hörnle geben. So sollen die Besuchermassen auch bei der Anreise entzerrt werden. Dieter Bös rechnet damit, dass die meisten Zuschauer früh kommen werden. Einlass ist am Veranstaltungstag um 11 Uhr, die erste Band, die Itchy Poopzkid, spielen ab 13 Uhr. „Wer zu Rock am See kommt, kommt in der Regel nicht nur wegen einer Band, sondern wegen des gesamten Festivals“, glaubt Dieter Bös.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Veranstalter auch aus Sicherheitsgründen auf der Stehtribüne weitere Treppenstufen eingezogen. Auch das soll eine Evakuierung des Stadions im Notfall erleichtern. Die Zusammenarbeit in Sachen Sicherheit mit dem städtischen Bürgeramt, der Polizei und den Rettungsdiensten laufe sehr gut, findet Bös. „Das ist sehr vertrauensvoll und unkompliziert“, sagt der Festivalveranstalter. Das wird auch von der anderen Seite so eingeschätzt: „Es gab und gibt immer wieder intensive Besprechung mit allen Beteiligten. Wir kennen uns inzwischen alle seit Jahren und das läuft hier alles ziemlich vorbildlich“, sagt Michael Aschenbrenner, Pressesprecher der Polizei Konstanz. Das ausverkaufte Stadion sei in Sachen Sicherheit eine neue Herausforderung, räumt Aschenbrenner ein. „Wir haben uns das alles genau angeschaut. Und auch, wenn es so etwas wie 100-prozentige Sicherheit nie geben kann, sind wir doch zuversichtlich, dass alles glatt laufen wird“, so der Polizeisprecher weiter.

Rund 120 Beamte werden im Einsatz sein bei dem Rockfestival, dazu kommen weitere Kräfte der Bundespolizei und auch private Sicherheitsleute des Veranstalters. Bevor das Stadion freigegeben wird, gibt es am Veranstaltungstag noch mal eine gemeinsame Begehung von Polizei, Rettungskräften, Bürgeramt und Veranstalter. Die Straßen rund um das Bodenseestadion werden am Samstag weitgehend gesperrt sein, Parkplätze gibt es am Stadion ohnehin kaum. „Ich kann jedem, der an diesem Tag vielleicht baden will, nur raten, mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß ans Stadion zu kommen“, sagt Michael Aschenbrenner. Staus auf der B 33 in Richtung Konstanz seien an diesem Tag wahrscheinlich. Für Rock am See 2012 scheint alles gerichtet. Und wer gerne langfristig plant: Für 2013 steht das Datum schon fest. Dann wird am 31. August gerockt.

Rock am See soll noch sicherer werden

Die Enttäuschung bei Festival-Fans ist groß: Rock am See wird 2013 nicht stattfinden. Laut Veranstalter konnte kein geeigneter Headliner für das Event im Konstanzer Bodenseestadion gefunden werden. Alle Hintergründe zu Rock am See gibt es in unserem Themenpaket.

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